Musikpresse Minimal emotional
Kraftwerk haben sich von ihrem Gründungsmitglied Florian Schneider getrennt. Die Feuilletons wundern sich: Warum trauern die Mensch-Maschinen nicht? Unsere Musikpressesschau

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Jede Woche spiegelt das Echolot, worüber die Feuilletons und Fanzines schreiben
Sie waren die Roboter. Nach 40 Jahren verlässt Florian Schneider die Band Kraftwerk, die er 1970 gemeinsam mit Ralf Hütter in Düsseldorf gegründet hatte. Wortkarg wie gewohnt gaben die Musiker seinen Ausstieg bekannt. Ganze sechs Sätze bedurfte es, um die laut FAZ "berühmteste und speziellste und wundersamste" Elektro-Pop-Maschine vorübergehend zum Stillstand zu bringen. Die Plattenfirma EMI bestätigte die Trennung: "Es ist richtig, dass Florian Schneider ausgestiegen ist", sagte der Pressesprecher Harald Engel.
In der Erklärung betonen Kraftwerk die erreichten Fortschritte in ihrer Musik, würdigen Florian Schneider als wegweisenden Klangbastler und wünschen ihm alles Gute. Was sich auf den ersten Blick wie das gesichtslose Kündigungsschreiben eines mittelständischen Betriebs liest, ist natürlich Teil der Inszenierung. "So minimal, wie dieses Duo immer operiert hat, so trennt es sich jetzt auch voneinander", schreibt Tobias Rüther auf FAZ.net. "Die Mitteilung vom Ausstieg klingt, wie es eben klingt, wenn sich Führungskräfte von ihren Unternehmen trennen, einvernehmlich, diplomatisch, kalt", stellt Rüther fest. Schneider und Hütter hätten selbst dafür gesorgt, dass man nicht wisse, was es bedeute, wenn einer von ihnen fehle. Schließlich gelten Kraftwerk als Erfinder einer Musik, "deren Pathos das Fehlen von Gefühl war".
Geahnt hatte die Trennung kaum jemand. Bereits bei den letzten Konzerten stand Florian Schneider nicht mehr mit seinen unbeweglichen Kollegen auf der Bühne. Unauffällig blieb sein Fernbleiben. Auf taz.de erklärt Tobias Rapp noch einmal den Grundgedanken hinter Kraftwerk: "Hütter und Schneider gründeten Kraftwerk zusammen 1970 und bildeten seitdem den konzeptuellen Kern der Band – wichtig, denn Kraftwerk waren und sind ja vor allem das: Konzept."
Kraftwerk erfanden die Mensch-Maschine und träumten von einem Dasein als Roboter. Tobias Rapp vermutet, dass dies der Grund sein könnte, warum die Reaktionen auf Schneiders Ausstieg bisher eher nüchtern ausfielen: "weil das Konzept so erfolgreich ist, dass man sich für die beiden, die dahinter stehen, kaum interessiert".
- Datum 12.01.2009 - 17:19 Uhr
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