Gaza-Krieg Der Krieg in den Köpfen

Wie sich ihr Leben seit Beginn des Gaza-Kriegs verändert hat, beschreibt die in Israel lebende Journalistin Svenja Kleinschmidt

Lebt seit Oktober 2008 in Israel: die deutsche Journalistin Svenja Kleinschmidt

Lebt seit Oktober 2008 in Israel: die deutsche Journalistin Svenja Kleinschmidt

Man spürt den Gaza-Krieg in Tel Aviv, auch wenn keine Panzer durch die Straßen rollen. Die Fronten sind nicht sichtbar, sie verlaufen in den Köpfen der Menschen.

Bevor ich im Oktober nach Israel reiste, warnte man mich, wie gefährlich dieses Land sei. Doch mein Leben verlief entspannt: Ich traf tolerante Menschen, die sich Frieden wünschten und auch so lebten - den Blick offen für die andere Seite.

Anzeige

Die Gefahr schwebte zwar über dem Alltag, sie war jedoch nur wahrnehm-, aber nicht greifbar. Soldaten inspizierten vorm Gemüsekaufen meine Tasche, im Bus piekste mir mal ein Gewehrkolben in die Rippen. Es erschien mir selbstverständlich, mich frei zu bewegen. Selbst Reisen durch das Westjordanland waren unkompliziert, überall fuhren die gelben Shuttle-Busse.

Ich fand Freunde auf allen Seiten: Palästinenser, die während der ersten Intifada Steine geworfen hatten und nun überzeugte Pazifisten waren sowie Studenten aus Ramallah. Abtrünnige und überzeugte Jüdisch-Orthodoxe, Araber mit israelischem Pass und Sehnsucht nach Palästina, Kriegsdienstverweigerer und israelische Soldaten, die immer wieder für ihr Land kämpfen würden.

Mit allen konnte ich über ihre Ansichten sprechen und sie auch mit den Meinungen meiner anderen Freunde konfrontieren. Immer haben sie mir zugehört, meist wurde diskutiert, oft blieb jeder bei seiner Meinung. Doch manchmal vertrieben die Gespräche ein paar Stereotype aus den Köpfen – bei ihnen wie bei mir.

Service