Gaza-Krieg
"Israels Vorgehen ist angemessen"
Der Anwalt und Harvard-Professor Alan M. Dershowitz erklärt, warum der Krieg im Gaza-Streifen seiner Meinung nach dem Frieden dient. Ein Interview

© Scott Gries/ImageDirect
Alan Dershowitz gilt als einer der bekanntesten Fürsprecher israelischer Politik
Alan M. Dershowitz (1938) ist Publizist, Anwalt und Professor für Recht an der Harvard Law School. Er hat zahlreiche Bücher zum Nahost-Konflikt veröffentlicht, zuletzt "A Case for Peace" (2006, engl.) "Plädoyer für Israel" (2005). Seine Gastkommentare erscheinen u.a. im New York Times Magazine, in der Washington Post und im Wall Street Journal. Dershowitz war Anwalt von O.J. Simpson, Claus von Bülow und Mike Tyson.
ZEIT ONLINE: Die Gefechte zwischen israelischen Streitkräften und Hamas im Gaza-Streifen halten an. Ist Hamas wirklich so gefährlich, dass die annähernd 1000 zivilen Todesopfer gerechtfertigt sind?
Alan M. Dershowitz: Kein demokratischer Staat kann akzeptieren, dass seine Bürger im Raketenhagel stehen. Israel hat alle Alternativen ja bereits probiert. Man hat es mit bilateraler Diplomatie probiert, auch mit internationalen Vermittlungsversuchen, aber Hamas hat weiterhin Raketen auf alle Israelis in Reichweite gefeuert. Übrigens: Im historischen Vergleich ist Israels Vorgehen maßvoller als das der USA nach den Angriffen auf Pearl Harbor oder das Großbritanniens, nachdem deutsche Raketen London trafen. Was Israel heute tut, ist dagegen verhältnismäßiger: Es geht nur darum, den Raketenbeschuss zu beenden und Waffenschmuggel zu verhindern.
ZEIT ONLINE: Aber die Offensive konnte nicht verhindern, dass Hamas weiterhin Raketen nach Israel schießt.
Dershowitz: Also sagen Sie, dass Israel nicht hart genug durchgegriffen hat?
ZEIT ONLINE: Eher, dass Israel möglicherweise ein falsches Mittel gewählt hat.
Dershowitz: Nun, Israel hätte es auch machen können wie Russland in Tschetschenien: Flächenbombardements, auch auf zivile Ziele, so lange, bis der Raketenbeschuss stoppt. Stattdessen versucht Israel, die zivilen Opfer zu begrenzen. Doch Tote sind unvermeidlich, wenn Hamas sich hinter Zivilisten, in Schulen und Moscheen versteckt.
In Norden Israels, wo es vor zwei Jahren die gleiche Situation gab, hat Israel einen Krieg geführt und der Raketenbeschuss hörte auf. (Das Interview wurde vor dem erneuten Beschuss aus dem Libanon geführt, Red.)
- Datum 7.5.2009 - 12:49 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von: