Gaza-Streifen Hilfsorganisationen erheben schwere Vorwürfe gegen Israel
Das Rote Kreuz beklagt, Soldaten behinderten den Zugang zu Verletzten in Gaza-Stadt. Die UN bestätigt, dass ein Hilfkonvoi beschossen wurde

© Abid Katib/Getty Images
Ein verletzter Palästinenser in Gaza-Stadt
Israelische Soldaten haben am Donnerstag im nördlichen Gazastreifen einen Konvoi des UN-Hilfswerks UNRWA beschossen und dabei einen Fahrer getötet. Ein weiterer Helfer wurde verletzt, bestätigte der UNRWA-Sprecher Adnan Abu Hasna in Gaza. Der Angriff erfolgte in der Nähe des nach Israel führenden Grenzübergangs Erez. Die Lastwagen seien mit UN-Flaggen gekennzeichnet, die Fahrer mit UN-Westen ausgestattet gewesen, fügte er hinzu. Der Konvoi sei mit dem israelischen Militär abgestimmt gewesen. Bei den Chauffeuren habe es sich nicht um unmittelbare UNRWA-Mitarbeiter gehandelt, sondern um Vertragspartner, die vom Hilfswerk engagiert wurden.
Ein medizinisches Rettungsteam des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Palästinensischen Roten Halbmondes (PRCS) habe tagelang vergeblich versucht, in ein von der israelischen Armee beschossenes Viertel von Gaza-Stadt zu gelangen, teilte das IKRK am Donnerstag mit.
Erst am Mittwoch sei dem Team mit vier Ambulanzen Zugang zum Stadtteil Zaytun gewährt worden. In einer Wohnung dort hätten die Helfer vier kleine Kinder neben ihren toten Müttern entdeckt. Die Kinder seien zu schwach gewesen, um aufzustehen. Auch ein völlig entkräfteter Mann sei gefunden worden.
Insgesamt lagen in der Wohnung zwölf Leichen auf Matratzen. In einem andern Haus fand das Rettungsteam 15 teils verletzte Überlebende des Angriffs sowie drei Tote. Israelische Soldaten auf einem rund 80 Meter entfernten Posten hätten die Helfer zum Verlassen des Gebiets aufgefordert, was diese jedoch abgelehnt hätten. Nach Informationen des IKRK hielten sich in weiteren zerstörten Häusern in dem Viertel noch immer Verletzte auf.
Das Rote Kreuz appellierte an Israel, die humanitäre Versorgung nicht zu behindern. "Das ist ein schockierender Vorfall", erklärte Pierre Wettach, Chef der IKRK-Delegation in Israel und den besetzten Palästinensergebieten. "Das israelische Militär muss von der Situation gewusst haben, half aber den Verwundeten nicht. Ebenso wenig ermöglichte es uns oder dem Palästinensischen Roten Halbmond, den Verwundeten zu helfen."
Israel habe seine völkerrechtliche Verpflichtung nicht eingehalten, Verwundete evakuieren und versorgen zu lassen.
Zu den Vorwürfen des Roten Kreuzes erklärte die israelische Armee, sie arbeite bei der Hilfe für Zivilisten mit internationalen Hilfsorganisationen zusammen und greife Zivilpersonen nicht absichtlich an. Soweit es ernsthafte Vorwürfe gebe, müssten sie "innerhalb der Grenzen des laufenden Militäreinsatzes" nach Eingang einer formellen Beschwerde untersucht werden.
- Datum 20.01.2009 - 11:34 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







