Ranking Deutschlands grünste Hochschulen

Wie umweltbewusst sind die deutschen Unis? Studenten der Hochschule München wollen es herausfinden und entwickeln ein ökologisches Hochschulranking

Ob ein Bachelor in Ressourcenmanagement, die Spezialisierung auf Umwelttechnik oder ein Hauptseminar zur internationalen Klimapolitik – deutsche Universitäten übertrumpfen sich derzeit mit neuen Fächern und Kursen zur Ökologie. Von allen Seiten nähern sich die Bildungsstätten den grünen Inhalten: Maschinenbauer forschen an energiesparenden Fahrzeugen, Bauingenieure entwickeln sparsame Lösungen zur Wärmedämmung in Altbauten und Politikwissenschaftler zerbrechen sich den Kopf darüber, wie Entwicklungsländer Umweltstandards einführen können. In den Vorlesungsverzeichnissen scheint es, als hätte die Debatte um Klimaschutz und Nachhaltigkeit bereits Wirkung gezeigt. Doch in den Hochschulen selbst wird das neue Bewusstsein von Studenten, Professoren und Uni-Angestellten nicht immer sichtbar.

Dafür dass Studieninhalte und Handeln der Universitäten nicht auseinander klaffen, wollen fünf Studenten der Hochschule München sorgen. Zusammen mit der Internetplattform Utopia entwickeln sie Deutschlands erstes grünes Hochschulranking: eine Rangliste, in der die Lehranstalten nach ökologischen Kriterien bewertet werden. „Die Hochschulen haben eine Vorbildfunktion bei Nachhaltigkeit und Umweltschutz“, sagt Lisa Spier, die in München „Management sozialer Innovationen“ studiert. Denn wo täglich Tausende Menschen zusammentreffen, sei die Hebelwirkung für den Klima- und Umweltschutz besonders groß.

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Bereits seit November arbeitet Spier mit vier Kommilitonen und dem Strascheg Center for Entrepreneurship in München an der grünen Rangliste. Bis zum Sommer soll eine Sieger-Uni feststehen – doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Ein ökologisches Uni-Ranking ist echte Pionierarbeit.

Hochschulvergleiche gibt es mittlerweile zwar für jeden erdenklichen Bereich. Die Qualität der Lehre, Forschungsleistungen, die Bibliotheksausstattung  – selbst die Mittagsmenüs der Unis wurden bereits in eine Rangliste gepresst. „Ökologie wird aber oft nicht angesprochen“, kritisiert Michael Gelhaus. Um genau einschätzen zu können, wie aktiv sich die Universitäten um den Umweltschutz kümmern, entwickelt der 25-Jährige mit seinen Kommilitonen einen Katalog mit Fragen zur Nachhaltigkeit, den sie an die Hochschulen senden.

Bewertet wird eine Vielzahl von Kriterien: von der Mülltrennung bis zum veganen Essen in der Mensa. Bieten die Hochschulen fair gehandelte Produkte? Haben sie Grünanlagen, Biotopflächen und ausreichend Fahrradstellplätze? Wie ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr? Sind die Gebäude nach der Passivhausnorm gebaut? Die Liste an ökologischen Ansatzpunkten ist lang. So lang, dass die Münchner Studenten noch über die weitere Vorgehensweise diskutieren. „Im Moment kämpfen wir mit dem Problem, die unterschiedlichen Universitäten überhaupt vergleichen zu können“, erklärt Gelhaus. Eine schwierige Aufgabe: Denn die Hochschulen unterscheiden sich nicht nur nach Studentenzahl und Fächern, auch die Gebäudesituation lässt sich nur schwer bewerten. „Die eine Uni verfügt über gerade mal zwei moderne Neubauten, die andere ist über 30, teils historische Gebäude verteilt“, sagt Gelhaus. Möglicherweise sei die Frage nach dem ökologischen Ist-Zustand der Hochschulen deshalb vielleicht gar nicht so ausschlaggebend. „Wichtiger ist, wie engagiert die Unis derzeit daran arbeiten, Verbesserungen zu erreichen“, erklärt Lisa Spier.

Um möglichst viele Ideen und Denkanstöße in ihr Ranking einfließen zu lassen, arbeiten die Münchner Studenten im Web 2.0. Zusammen mit den Mitgliedern der Internetplattform Utopia entwickeln sie das grüne Hochschulranking in einem offenen Prozess. „Über das Netzwerk des Internetportals kommen wir schnell an die Zielgruppe des Hochschulvergleichs“, erklärt Michael Gelhaus den Vorteil des Projekts. Auf der Plattform von Utopia gründeten die Münchner Studenten eine Online-Gruppe, in der jeder registrierte Nutzer mitdiskutieren und mitarbeiten kann.

Leser-Kommentare
  1. Sehr interessanter Ansatz für ein Ranking. Da wird wohl manche Hochschule am Ende einen getrübten Blick zeigen müssen.

    Ich freue mich besonders auf das Ergebnis der Tübinger Uni. Die Stadt ist so voller grüner Versprechen und Parolen, dass man gespannt sein kann, ob alles immer so umgesetzt wie großgeredet wird.

    Fairtraderiegel sind schon mal vorhanden!

    www.bitte-bunt.com

    Texten, Interesse, Jetzt.

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