Hessen-SPD Ypsilanti im Abseits

Hessens SPD-Chefin macht Wahlkampf auf Sparflamme. Manche in der Partei halten noch zu ihr, viele aber wollen sie nur noch so schnell wie möglich loswerden

Ziemlich allein: Andrea Ypsilanti auf dem Sonderparteitag der hessischen SPD nach dem gescheiterten Regierungswechsel am 13. Dezember

Ziemlich allein: Andrea Ypsilanti auf dem Sonderparteitag der hessischen SPD nach dem gescheiterten Regierungswechsel am 13. Dezember

Thorsten Schäfer-Gümbel hat es nicht leicht. Da sitzt der Spitzenmann der hessischen SPD mit den Spitzenkandidaten der anderen Parteien in der "Elefantenrunde" eines Radiosenders, und das Publikum lacht ihn schallend aus. Dabei hat Focus -Chefredakteur Helmut Markwort als Moderator seine Frage noch nicht einmal beendet, da unterbricht ihn schon Gelächter: "Herr Schäfer-Gümbel, wenn Sie Ministerpräsident werden ..."

Noch schlimmer wird es für den SPD-Kandidaten, als Markwort die Frage zu Ende bringt: "... nehmen Sie die noch amtierende Parteichefin Andrea Ypsilanti in Ihr Kabinett?" Jetzt herrscht plötzlich Totenstille. Schäfer-Gümbel windet sich minutenlang um eine Antwort. Er sagt, dass diesmal die Inhalte vor den Personen kämen. Aber er schafft es nicht, auch nur eine winzige Solidaritätsbekundung für Ypsilanti abzugeben. Für die Frau also, die ihn gefördert und an die Spitze gehievt hat und deren Kurs er bis zu ihrem Scheitern vehement mitgetragen hat.

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Grünen-Chef Tarek al-Wazir beginnt, peinlich berührt, mit seinem Handy zu spielen. Selbst Roland Koch scheint in diesem Moment ein wenig Mitleid mit seiner alten Rivalin zu haben. Alle sind froh, als die Runde sich schließlich dem nächsten Thema zuwendet.

Dennoch, die Frage bleibt im Raume stehen: Was wird aus Andrea Ypsilanti, der politischen Verliererin von 2008? Für sie hatte das vergangene Jahr mit einem gefühlten Wahlsieg begonnen und – nach einem beispiellosen politischen Debakel – mit dem Verzicht auf die erneute Spitzenkandidatur geendet. Was macht sie jetzt, während ihr Zögling sich immer weiter von ihr emanzipiert?

Sie steht an diesem Dienstagabend im Wirtshaus "Zum Goldenen Löwen" in Darmstadt. Etwa 60 Genossen sind gekommen, der Saal könnte locker die vierfache Menge fassen. Eingeladen hat die örtliche Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF). Anders als im letzten Jahr kommt Ypsilanti allein, ohne Entourage, ohne Wahlkampf-Bus.

Es ist einer von Ypsilantis wenigen Wahlkampfterminen. Ihr Pensum ist arg überschaubar: Hier ein politisches Frühstück, da eine Diskussionsrunde. Selten sah man sie öfter als auf einem Termin pro Tag. Interviewanfragen blockt sie seit geraumer Zeit ab. Seit der Ankündigung der Neuwahl im November hat sie nur ein einziges größeres Interview gegeben. Ihr Pressesprecher sagt am Telefon, dass selbst er nicht mehr richtig an sie rankomme.

Auch in Darmstadt signalisiert Ypislanti den wenigen Journalisten, dass sie in Ruhe gelassen werden möchte. Im Vorbeigehen gibt sie ein paar kurze Statements von sich ("kämpfe um jede Stimme" – "die Inhalte zählen"), dann setzt sie sich auf eine der Bänke und nippt verloren an ihrem Tee.

Neben ihr sitzt eine junge Frau mit einem Button, auf dem "TSG" steht. So nennen die Sozialdemokraten ihren neuen Spitzenkandidaten. Die Schilder mit dem feuerroten "Y", Ypsilantis Symbol vor einem Jahr, wurden längst eingemottet. 

Ypsilanti taut erst auf, als sie ans Podium tritt. Sie ist nach wie vor ein Energiebündel, wenn sie vor Publikum spricht. In schnellen, schneidigen Sätzen verteidigt sie das Programm der SPD, von dem sie noch immer "fest überzeugt" ist. Sie sei "stolz" auf das vergangene Jahr, etwa auf die Abschaffung der Studiengebühren, was ohne die Zusammenarbeit mit der Linkspartei nicht möglich gewesen wäre. "Gern" hätte sie das Land "in eine gerechtere Zukunft geführt", sagt sie. Das aber habe eine Große Koalition aus Politikern und Medien verhindert.

Es sind nämlich nicht nur Roland Koch und die SPD-Rebellen, die ihre Wahl zur Ministerpräsidentin verhinderten, gegen die sich Ypsilantis Wut angestaut hat. Es ist auch die öffentliche Meinung, von der sie sich ungerecht behandelt fühlt. So oszilliert der größte Teil ihrer Rede zwischen scharfer Kritik an der CDU und Medien-Schelte. Sie klagt, dass in Hessen mit zweierlei Maß gemessen werde. Dem "weichgespülten" Koch verzeihe man Schwarzgeldkonten und Ausländerhetze, und es werde ihm ein "Lerneffekt" unterstellt, weil er Fehler eingeräumt habe. Sie dagegen verdamme man in alle Ewigkeiten wegen eines läppischen Wortbruchs. 

"Das hat etwas mit Sexismus zu tun", ereifert sich Franziska Drohsel, die Bundesvorsitzende der Jusos, nach der Rede. Sie nennt Ypsilanti "eine total positive Bezugsfigur". Die "obermoralische Empörung" über das versuchte rot-rot-grüne Bündnis habe sie nie verstanden, und sie hoffe, dass Yspilanti und ihre Ideen bald "eine Renaissance" erlebten.

Drohsel steht nicht allein. Auch andere in Darmstadt bekennen sich zu ihrer Landesvorsitzenden, trotz allem. Als die örtliche ASF-Vorsitzende sagt, dass sie sich wünsche, dass "die Andrea" weiter als SPD-Chefin "unsere Politik verteidigt", klatschen fast alle im Saal. "Sie ist eine wirkliche Überzeugungstäterin", sagt ein alter Gewerkschafter.

Aber das gibt die Stimmung in einem erheblichen Teil der Partei wohl nicht mehr wieder. Auf anderen SPD-Veranstaltungen wird mittlerweile offen auf Ypsilanti geschimpft. Anders als noch vor ein paar Monaten fordern zahlreiche Genossen ihren Rückzug. Vorauseilend geben sie ihr die Schuld für das erwartete Wahldebakel am Sonntag. Einige Abgeordnete, die um ihren Wiedereinzug in den Landtag bangen, wollen angeblich noch am Wahlabend ihren Rücktritt als Partei- und Fraktionschefin verlangen.

Auch Schäfer-Gümbel lässt durchblicken, dass er sie rasch ablösen möchte. Ypsilanti musste die Grenzen ihrer Macht bereits spüren, als der von ihr auserkorene Spitzenkandidat in einem Interview ihren Wortbruch als "Fehler" bezeichnete und hinterher nicht bereit war, dies zu revidieren. Ypsilanti rächte sich, indem sie seinen Namen auf dem Neujahrsempfang der SPD nicht einmal erwähnte.

In Darmstadt nennt sie ihn – einmal. Schäfer-Gümbel, sagt sie sibyllinisch, sei ein "sehr guter, sehr eigenständiger Kandidat". Beim Gehen sagt sie noch rasch, dass sie über ihre Zukunft nach dem Wahltag selbst entscheide.

Aber auch, wenn Ypsilanti am Sonntag oder in den Tagen danach zurücktritt, wird sie in der hessischen SPD politisch weiterleben. Und selbst ein Macho wie der Focus -Chef Markwort muss einräumen, irgendwie fehlt sie schon jetzt: "Ohne sie", seufzt er, "ist es fast ein bisschen langweilig."

 
Leser-Kommentare
  1. Vielleicht ist sie ja auch lernfähig und lernt vom politischen Gegner, z.B. dem Mann mit dem großen "Äh", wie man mit verlorenen Wahlen und Widerstand in den eigenen Reihen umgeht: Warten wir ab, wie lange es dauert, bis Frau Y. auf einem sicheren Listenwahlplatz für die anstehende Europawahl steht. Meine Wette: Ab nächstem Montag...

  2. Zitat Frau Ypsilanti -
    Dem "weichgespülten" Koch verzeihe man Schwarzgeldkonten und Ausländerhetze, und es werde ihm ein "Lerneffekt" unterstellt, weil er Fehler eingeräumt habe. Sie dagegen verdamme man in alle Ewigkeiten wegen eines läppischen Wortbruchs.
    Ich denke dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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    Soweit ich es erkennen kann zitieren sie hier nicht Frau Ypsilanti, sondern vielmehr Herrn Schlieben.

    Herr Koch ist ein Krimineller. Überführt der Steuerhinterziehung und des Verdachts auf Geldwäsche und Verstosses gegen das Parteienfinanzierungsgesetzes. Kümmert das jemanden in Hessen? Nein. Man lästert gern gegen italienische Verhältnisse, aber wählt munter Jahr für Jahr Kriminelle in den Landtag. Was war das doch für ein Verbrechen, als eine Politikerin ihre Sichtweisen und Überzeugungen "modifizierte", um politisch an die Macht zu kommen.
    Hat da jemand Merkel gesagt? ups... In dem Fall meine ich mal Ypsilanti.

    Die Verhältnisse des öffentlichen Kritik stimmen überhaupt nicht. Aber auch das fällt keinem mehr auf. Wenigstens so langsam fällt auch die Prinzipienlosigkeit unserer Kanzlerin dem ein oder anderem ins Auge. Wieviel Wortbrüche gabs eigentlich während ihrer Kanzlerschaft? Hat da jemand mal mitgezählt?

    P.S. Ich bin kein Freund von Ypsilanti. Diese wundervolle Selbstdemontage der SPD hat sie voll zu verantworten. Aber die Einseitigkeit der Kritik ist inzwischen unerträglich.

    Soweit ich es erkennen kann zitieren sie hier nicht Frau Ypsilanti, sondern vielmehr Herrn Schlieben.

    Herr Koch ist ein Krimineller. Überführt der Steuerhinterziehung und des Verdachts auf Geldwäsche und Verstosses gegen das Parteienfinanzierungsgesetzes. Kümmert das jemanden in Hessen? Nein. Man lästert gern gegen italienische Verhältnisse, aber wählt munter Jahr für Jahr Kriminelle in den Landtag. Was war das doch für ein Verbrechen, als eine Politikerin ihre Sichtweisen und Überzeugungen "modifizierte", um politisch an die Macht zu kommen.
    Hat da jemand Merkel gesagt? ups... In dem Fall meine ich mal Ypsilanti.

    Die Verhältnisse des öffentlichen Kritik stimmen überhaupt nicht. Aber auch das fällt keinem mehr auf. Wenigstens so langsam fällt auch die Prinzipienlosigkeit unserer Kanzlerin dem ein oder anderem ins Auge. Wieviel Wortbrüche gabs eigentlich während ihrer Kanzlerschaft? Hat da jemand mal mitgezählt?

    P.S. Ich bin kein Freund von Ypsilanti. Diese wundervolle Selbstdemontage der SPD hat sie voll zu verantworten. Aber die Einseitigkeit der Kritik ist inzwischen unerträglich.

  3. 3. Zitat

    Soweit ich es erkennen kann zitieren sie hier nicht Frau Ypsilanti, sondern vielmehr Herrn Schlieben.

    • rondo
    • 14.01.2009 um 14:29 Uhr

    Es geht nicht um Wortbruch, sondern um die Linkspartei.

  4. Dieser ganze Fall ist aus meiner Sicht lächerlich und wer hier diesen Rummel um Frau XY veranstaltet hat sollte sich was schämen, denn er ist MINDESTENS so unanständig wie Ypsilanti!
    Ich bin kein Christ, aber geradezu zynisch ist doch, dass dieses rumhacken gerade auch von Leuten der christlich demokratischen Union mitgemacht wird, dabei steht schon im neuen Testament wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein. Jemand da, der noch keinen "Wortbruch" begangen hat?
    Wenn jemand sich über Bush aufregt wegen dem Irakkrieg etc das kann ich verstehen, aber ich sehe es tatsächlich so, wie Herr Schlieben es, wohl als besonders spitze Ironie gemeint, formuliert: Er ist ziemlich läppisch im Vergleich zu den Dingen, die sonst noch um uns rum passieren. Es gibt viel schlimmeres und wichtigeres in der Welt; selbst in der deutschen Politik. Über diesen lächerlichen Mist wurden sich die Finger wundgeschrieben und die Journalie hat immer noch nicht genug.

    "Und selbst ein Macho wie der Focus-Chef Markwort muss einräumen, irgendwie fehlt sie schon jetzt: "Ohne sie", seufzt er, "ist es fast ein bisschen langweilig.""
    Dem ist nichts hinzuzufügen. Jämmerliches Pack, ALLESAMT. Auch die ganzen Kommentatoren die nichts besseres zu tun haben als über Lügilanti zu johlen, wie die Dorftrottel um den Pranger im Mittelalter. Keine wichtigeren Sorgen im Leben? Na dann herzlichen Glückwunsch, so naiv wäre ich auch gern. Aber, da ich es leider nicht bin, finde ich es einfach nur erbärmlich. Get a life.

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    Lieber Veil_of_ignorance, sie sehen doch, dass es nur so von Unschuldigen wimmelt und die Steinigung ist zu einer Einbetonierung und Versenkung mutiert.

    Nicht dass Ersteres weniger tödlich wäre, doch Letzteres entspricht wohl den Landesgepflogenheiten, alles im Dunkeln zu lassen. Da wird über Wortbruch geweint bis die Zwiebeldrüse Nichts mehr hergibt und man sich in einer Art Salzwüste vorfindet, die jeden Tropfen reinigender Erkenntnis sogleich verschlingt. Doch selbst das Geätze der verkrusteten Strukturen kann nicht erodieren, was unverwüstlich als Tatsache dasteht: Ypsilanti hat sich ungeschickt verhalten, als Sie der Meinung war, mit der LINKEN keine Koalition eingehen zu wollen und den politischen Standpunkt später revidierte. Diese Koalition hat jedoch niemals stattgefunden und so ist es heute nicht möglich, hier einen Wortbruch vorzuwerfen. Ypsilanti war nicht so feige wie die aktuelle SPD Parteiführung, sie hat die Notwendigkeit einer Aussöhnung im linken Lager erkannt und diese auch für die SPD gesamthaft eingeleitet, während Müntefering und Steinmeier, der eigenen Opportunität wegen, am Ast des Parteivorsitzenden Beck sägten. Müntefering hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Er hat die Causa Linkspartei dazu verwendet, sich wieder als Parteivorsitzender ins Spiel zu bringen. Dabei hat er weder auf die Partei noch auf seine Mitstreiter Rücksicht genommen. Dieser Mann ist heute nicht mehr tragfähig und er diskretidiert sich nun selbst, wenn er verkündet, dass er sich eine Zusammenarbeit auf Landesebene vorstellen könnte. Was wirklich unanständig ist, ist die Tatsache, dass man diese Frau einfach verheizt hat.

    Wenn wir schon Wortbrüche erörtern, so ist für mich die Kanzlerschaft der Angela Merkel der Betrugsfall schlechthin. Wenn man Lagerwahkampf macht und sich die Kontrahenten so unversöhnlich gegenüber stehen ist die Aussage klar: mit dieser Person stimme ich nicht in meiner politischen Überzeugung überein und es wird aus diesen Gründen niemals eine gemeinsame Politik geschweige denn eine Koalition geben. Das ist mehr als Wortbruch, das ist Betrug. Man wurde bis zuletzt belogen, weil jeder mit jedem ins Bett steigt, so lange es dem Machterhalt dient. Deswegen ist es auch so dermassen dilettantisch Frau Ypsilanti den Versuch vorzuwerfen eine Regierung zu bilden, wenn die grössten Betrüger in diesem Land ihre Parteien auf Staatskosten finanzieren und kostentreibende Wahlkäpfe führen in denen wir direkt angelogen, betrogen und ausgenommen werden. Der nächste Raubzug war die Erhöhung der Mehrwertsteuer, eine Kollektivbestrafung für die unteren und mittleren Einkommen in Deutschland. Wie war das bei der CDU mit KEINEN Steuererhöungen, bei der SPD natürlich auch. (...)
    Ja, ja, nun haben die Bürger in Hessen eine Wahl, doch haben sie diese wirklich? Koch ist für die Hessen immer noch wählbar, und die Finanzkrisen-Gurus von der FDP sollen angeblich bei 15% liegen. Dann wählt mal schön, wer sich bewusst abzocken lässt, dem gönne ich es von solchen Leuten regiert zu werden. Viele anständige Bürger dieses Landes haben langsam die Schnauze voll von der Gleichgültigkeit vieler Mitbürger. Wenn es um die Pfründe geht, dann sind alle gut mit dabei, aber selbst Engagement oder Mut zu zeigen kommt nicht in Frage, da verlässt man sich getrost auf die Blöden mit Herz und sozialem Verstand. Diese denken aber immer lauter darüber nach sich einfach zurück zu ziehen und den ganzen Mist sich selbst zu überlassen. Wer seinen Henker freiwillig wählt, soll auch durch ihn genesen.

    Was ich mich gerade frage ist, ob bei so vielen Unschuldigen in Hessen nicht der nächste Papst doch wieder ein Deutscher sein wird, vielleicht diesmal ein Roland I, dessen Unfehlbarkeit ja nun tatsächlich bewiesen scheint. Es wäre nur zu logisch, wenn Unfehlbare eine Vertreter wählen, dieser doch unfehlbar sein muss, ansonsten seine Fehlbarkeit längst erkannt wäre. Wie stehts dann aber mit der FDP, wird Westerwelle auch bald die Robe tragen? Es bleibt spannend.

    [Gekürzt. Bitte tragen Sie zu einer sachlichen Diskussion bei. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • th
    • 14.01.2009 um 20:00 Uhr

    Was die Journaille mit Frau Ypsilanti gemacht hat, grenzte schon an Hexenjagd. Merkwürdigerweise wird das Verfahren besonders gegen mehr oder weniger erfolgreiche weibliche Politiker verwendet. Macht ein "gestandenes Mannsbild" vergleichbare oder schlimmere Sachen - ich kann mich noch an FJ Strauss und Old Schwurhand R. Zimmermann erinnern - so steht die ganze Mannschaft geschlossen hinter ihm, und die Journalisten bewundern seine Durchsetzungskraft und Professionalität.

    Wir wissen heute noch nicht, wer die CDU-Gelder in Liechtenstein gestiftet hat, Kohl ist sowas wie Ehrenvorsitzender, Jung ist Minister, und Koch wird wahrscheinlich wieder Landeschef. Mit einem Wort: alles "tüchtige Leute".

    Eine durchsetzungsfähige und -bereite Politikerin oder sonstige Frau des öffentlichen Lebens dagegen gerät leicht in die Gefahr, an den Pranger gestellt und mit Dreck beworfen zu werden: cf. Ypsilanti, Simonis. Merkel ist sich offenbar der Gefahr bewusst, und spielt deshalb "low profile". Was ihre professionalität beweist.

    Merkwürdig ist, dass anscheinend "liberale", "tolerante", "aufgeschlossene" Journalisten hier überhaupt keine Hemmungen zeigen, der Herde zu folgen.

    Übrigens schien mir Ypsilanti leicht überfordert. Über ihre Fähigkeiten und Schwächen hat allerdings nirgends etwas gestanden.

    Lieber Veil_of_ignorance, sie sehen doch, dass es nur so von Unschuldigen wimmelt und die Steinigung ist zu einer Einbetonierung und Versenkung mutiert.

    Nicht dass Ersteres weniger tödlich wäre, doch Letzteres entspricht wohl den Landesgepflogenheiten, alles im Dunkeln zu lassen. Da wird über Wortbruch geweint bis die Zwiebeldrüse Nichts mehr hergibt und man sich in einer Art Salzwüste vorfindet, die jeden Tropfen reinigender Erkenntnis sogleich verschlingt. Doch selbst das Geätze der verkrusteten Strukturen kann nicht erodieren, was unverwüstlich als Tatsache dasteht: Ypsilanti hat sich ungeschickt verhalten, als Sie der Meinung war, mit der LINKEN keine Koalition eingehen zu wollen und den politischen Standpunkt später revidierte. Diese Koalition hat jedoch niemals stattgefunden und so ist es heute nicht möglich, hier einen Wortbruch vorzuwerfen. Ypsilanti war nicht so feige wie die aktuelle SPD Parteiführung, sie hat die Notwendigkeit einer Aussöhnung im linken Lager erkannt und diese auch für die SPD gesamthaft eingeleitet, während Müntefering und Steinmeier, der eigenen Opportunität wegen, am Ast des Parteivorsitzenden Beck sägten. Müntefering hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Er hat die Causa Linkspartei dazu verwendet, sich wieder als Parteivorsitzender ins Spiel zu bringen. Dabei hat er weder auf die Partei noch auf seine Mitstreiter Rücksicht genommen. Dieser Mann ist heute nicht mehr tragfähig und er diskretidiert sich nun selbst, wenn er verkündet, dass er sich eine Zusammenarbeit auf Landesebene vorstellen könnte. Was wirklich unanständig ist, ist die Tatsache, dass man diese Frau einfach verheizt hat.

    Wenn wir schon Wortbrüche erörtern, so ist für mich die Kanzlerschaft der Angela Merkel der Betrugsfall schlechthin. Wenn man Lagerwahkampf macht und sich die Kontrahenten so unversöhnlich gegenüber stehen ist die Aussage klar: mit dieser Person stimme ich nicht in meiner politischen Überzeugung überein und es wird aus diesen Gründen niemals eine gemeinsame Politik geschweige denn eine Koalition geben. Das ist mehr als Wortbruch, das ist Betrug. Man wurde bis zuletzt belogen, weil jeder mit jedem ins Bett steigt, so lange es dem Machterhalt dient. Deswegen ist es auch so dermassen dilettantisch Frau Ypsilanti den Versuch vorzuwerfen eine Regierung zu bilden, wenn die grössten Betrüger in diesem Land ihre Parteien auf Staatskosten finanzieren und kostentreibende Wahlkäpfe führen in denen wir direkt angelogen, betrogen und ausgenommen werden. Der nächste Raubzug war die Erhöhung der Mehrwertsteuer, eine Kollektivbestrafung für die unteren und mittleren Einkommen in Deutschland. Wie war das bei der CDU mit KEINEN Steuererhöungen, bei der SPD natürlich auch. (...)
    Ja, ja, nun haben die Bürger in Hessen eine Wahl, doch haben sie diese wirklich? Koch ist für die Hessen immer noch wählbar, und die Finanzkrisen-Gurus von der FDP sollen angeblich bei 15% liegen. Dann wählt mal schön, wer sich bewusst abzocken lässt, dem gönne ich es von solchen Leuten regiert zu werden. Viele anständige Bürger dieses Landes haben langsam die Schnauze voll von der Gleichgültigkeit vieler Mitbürger. Wenn es um die Pfründe geht, dann sind alle gut mit dabei, aber selbst Engagement oder Mut zu zeigen kommt nicht in Frage, da verlässt man sich getrost auf die Blöden mit Herz und sozialem Verstand. Diese denken aber immer lauter darüber nach sich einfach zurück zu ziehen und den ganzen Mist sich selbst zu überlassen. Wer seinen Henker freiwillig wählt, soll auch durch ihn genesen.

    Was ich mich gerade frage ist, ob bei so vielen Unschuldigen in Hessen nicht der nächste Papst doch wieder ein Deutscher sein wird, vielleicht diesmal ein Roland I, dessen Unfehlbarkeit ja nun tatsächlich bewiesen scheint. Es wäre nur zu logisch, wenn Unfehlbare eine Vertreter wählen, dieser doch unfehlbar sein muss, ansonsten seine Fehlbarkeit längst erkannt wäre. Wie stehts dann aber mit der FDP, wird Westerwelle auch bald die Robe tragen? Es bleibt spannend.

    [Gekürzt. Bitte tragen Sie zu einer sachlichen Diskussion bei. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • th
    • 14.01.2009 um 20:00 Uhr

    Was die Journaille mit Frau Ypsilanti gemacht hat, grenzte schon an Hexenjagd. Merkwürdigerweise wird das Verfahren besonders gegen mehr oder weniger erfolgreiche weibliche Politiker verwendet. Macht ein "gestandenes Mannsbild" vergleichbare oder schlimmere Sachen - ich kann mich noch an FJ Strauss und Old Schwurhand R. Zimmermann erinnern - so steht die ganze Mannschaft geschlossen hinter ihm, und die Journalisten bewundern seine Durchsetzungskraft und Professionalität.

    Wir wissen heute noch nicht, wer die CDU-Gelder in Liechtenstein gestiftet hat, Kohl ist sowas wie Ehrenvorsitzender, Jung ist Minister, und Koch wird wahrscheinlich wieder Landeschef. Mit einem Wort: alles "tüchtige Leute".

    Eine durchsetzungsfähige und -bereite Politikerin oder sonstige Frau des öffentlichen Lebens dagegen gerät leicht in die Gefahr, an den Pranger gestellt und mit Dreck beworfen zu werden: cf. Ypsilanti, Simonis. Merkel ist sich offenbar der Gefahr bewusst, und spielt deshalb "low profile". Was ihre professionalität beweist.

    Merkwürdig ist, dass anscheinend "liberale", "tolerante", "aufgeschlossene" Journalisten hier überhaupt keine Hemmungen zeigen, der Herde zu folgen.

    Übrigens schien mir Ypsilanti leicht überfordert. Über ihre Fähigkeiten und Schwächen hat allerdings nirgends etwas gestanden.

  5. Herr Koch ist ein Krimineller. Überführt der Steuerhinterziehung und des Verdachts auf Geldwäsche und Verstosses gegen das Parteienfinanzierungsgesetzes. Kümmert das jemanden in Hessen? Nein. Man lästert gern gegen italienische Verhältnisse, aber wählt munter Jahr für Jahr Kriminelle in den Landtag. Was war das doch für ein Verbrechen, als eine Politikerin ihre Sichtweisen und Überzeugungen "modifizierte", um politisch an die Macht zu kommen.
    Hat da jemand Merkel gesagt? ups... In dem Fall meine ich mal Ypsilanti.

    Die Verhältnisse des öffentlichen Kritik stimmen überhaupt nicht. Aber auch das fällt keinem mehr auf. Wenigstens so langsam fällt auch die Prinzipienlosigkeit unserer Kanzlerin dem ein oder anderem ins Auge. Wieviel Wortbrüche gabs eigentlich während ihrer Kanzlerschaft? Hat da jemand mal mitgezählt?

    P.S. Ich bin kein Freund von Ypsilanti. Diese wundervolle Selbstdemontage der SPD hat sie voll zu verantworten. Aber die Einseitigkeit der Kritik ist inzwischen unerträglich.

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    Merkel hat einen ganzen Stall voller politischer Gegner, die alle ein Interesse daran haben, ihr öffentlich Wortbruch vorzuwerfen. Alle lästern über unsere stromlinienförmige Kanzlerin, aber keiner kann den Finger heben und sagen: Damals hat sie das und das konkret VERSPROCHEN - GETAN hat sie dann aber anderes. Nun, und genau das ist das Kunststück, das sie politisch überleben läßt - im Gegensatz zu Frau Y.: Sie wird einfach nicht konkret! Die Koalitionsaussage (auch die negative) der Frau Y. war dummerweise konkret (und noch dümmererweise gab es Alternativen, die frau nicht ernsthaft verfolgte, weil frau nicht mit Widerstand rechnete. Und am allerdümmsten war, dass der wähler Frau Y. anmerkte, dass ihr Ehrgeiz nur noch in eine Richtung ging - auf den MP-Sessel, alles andere war ihr egal.)

    Wenn ein Vergleich aus der Bundespolitik passt, dann eher der mit Schröder am Abend der Wahl 2005 - der redete sich auch um Kopf und Kragen. Aber er begriff es, und er zog selbst die Konsequenzen.

    • tom310
    • 15.01.2009 um 1:46 Uhr

    wurde Herr Koch in allen Prozessen freigesprochen und die CDU hat die Strafe bzgl. des Verstoßes gegen die Parteienfinanzierung bezahlt.
    Der Rest ist Nachtreten, oder was würden Sie sagen, wenn sie jeden Strafzettel jährlich nochmal bezahlen müssten? Oder zahlen müssen, obwohl niemand Ihnen eine Schuld nachweist.
    Der ersten Sätze ihres Kommentars sind juristisch sogar sauber verwertbar. Hoffen Sie mal, dass es keiner mitbekommt: im Internet gibt es viele hungrige Juristen, die sich über leicht verdientes Geld freuen.

    Merkel hat einen ganzen Stall voller politischer Gegner, die alle ein Interesse daran haben, ihr öffentlich Wortbruch vorzuwerfen. Alle lästern über unsere stromlinienförmige Kanzlerin, aber keiner kann den Finger heben und sagen: Damals hat sie das und das konkret VERSPROCHEN - GETAN hat sie dann aber anderes. Nun, und genau das ist das Kunststück, das sie politisch überleben läßt - im Gegensatz zu Frau Y.: Sie wird einfach nicht konkret! Die Koalitionsaussage (auch die negative) der Frau Y. war dummerweise konkret (und noch dümmererweise gab es Alternativen, die frau nicht ernsthaft verfolgte, weil frau nicht mit Widerstand rechnete. Und am allerdümmsten war, dass der wähler Frau Y. anmerkte, dass ihr Ehrgeiz nur noch in eine Richtung ging - auf den MP-Sessel, alles andere war ihr egal.)

    Wenn ein Vergleich aus der Bundespolitik passt, dann eher der mit Schröder am Abend der Wahl 2005 - der redete sich auch um Kopf und Kragen. Aber er begriff es, und er zog selbst die Konsequenzen.

    • tom310
    • 15.01.2009 um 1:46 Uhr

    wurde Herr Koch in allen Prozessen freigesprochen und die CDU hat die Strafe bzgl. des Verstoßes gegen die Parteienfinanzierung bezahlt.
    Der Rest ist Nachtreten, oder was würden Sie sagen, wenn sie jeden Strafzettel jährlich nochmal bezahlen müssten? Oder zahlen müssen, obwohl niemand Ihnen eine Schuld nachweist.
    Der ersten Sätze ihres Kommentars sind juristisch sogar sauber verwertbar. Hoffen Sie mal, dass es keiner mitbekommt: im Internet gibt es viele hungrige Juristen, die sich über leicht verdientes Geld freuen.

  6. Hier zeigt es sich wieder, wer nicht Wort hält wird barsch abgestraft.
    Hoffendlich ist dieses Lehrstück heilsam für unsere Volksvertreter.

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    • th
    • 14.01.2009 um 20:01 Uhr

    Alle Erfahrung mit den übrigen Politikern - es gibt ja nicht nur Frau Ypsilanti - beweisen das Gegenteil.

    • th
    • 14.01.2009 um 20:01 Uhr

    Alle Erfahrung mit den übrigen Politikern - es gibt ja nicht nur Frau Ypsilanti - beweisen das Gegenteil.

  7. 8. Hm.

    Merkel hat einen ganzen Stall voller politischer Gegner, die alle ein Interesse daran haben, ihr öffentlich Wortbruch vorzuwerfen. Alle lästern über unsere stromlinienförmige Kanzlerin, aber keiner kann den Finger heben und sagen: Damals hat sie das und das konkret VERSPROCHEN - GETAN hat sie dann aber anderes. Nun, und genau das ist das Kunststück, das sie politisch überleben läßt - im Gegensatz zu Frau Y.: Sie wird einfach nicht konkret! Die Koalitionsaussage (auch die negative) der Frau Y. war dummerweise konkret (und noch dümmererweise gab es Alternativen, die frau nicht ernsthaft verfolgte, weil frau nicht mit Widerstand rechnete. Und am allerdümmsten war, dass der wähler Frau Y. anmerkte, dass ihr Ehrgeiz nur noch in eine Richtung ging - auf den MP-Sessel, alles andere war ihr egal.)

    Wenn ein Vergleich aus der Bundespolitik passt, dann eher der mit Schröder am Abend der Wahl 2005 - der redete sich auch um Kopf und Kragen. Aber er begriff es, und er zog selbst die Konsequenzen.

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