Krieg in Nahost UN stoppt Gaza-Hilfen

Weil israelische Soldaten einen Hilfskonvoi beschossen, setzt die UN ihre Aktivitäten aus. Trotz aller Bemühungen um eine Waffenruhe droht der Konflikt sich auszuweiten

Ein palästinensisches Mädchen vor einem Lkw der UN-Hilfsorganisation UNRWA im Flüchtlingslager Rafah (Dezember 2007). Die Bevölkerung des Gaza-Streifens hängt schon lange von Nahrungsmittelhilfen ab

Ein palästinensisches Mädchen vor einem Lkw der UN-Hilfsorganisation UNRWA im Flüchtlingslager Rafah (Dezember 2007). Die Bevölkerung des Gaza-Streifens hängt schon lange von Nahrungsmittelhilfen ab

Trotz verstärkter Bemühungen um eine Waffenruhe droht, fast zwei Wochen nach Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen, eine Ausweitung des Konflikts. Der Norden Israels wurde am Donnerstag auch aus dem Libanon mit Raketen beschossen. Hoffnungen, bei Gesprächen in Kairo könne der blutige Konflikt schnell gelöst werden, zerschlugen sich. Der UN-Sicherheitsrat setzte seine Bemühungen um eine gemeinsame Linie fort.

Die zweite Feuerpause im Gazastreifen wurde im Gegensatz zum Vortag von beiden Seiten nicht konsequent eingehalten. Sie sollte den Hilfsorganisationen ermöglichen, die Zivilbevölkerung mit den nötigsten Hilfsgütern zu versorgen. Noch kurz davor beschossen israelische Soldaten im nördlichen Gazastreifen einen Konvoi des UN-Hilfswerks UNRWA. Der Fahrer starb, ein Helfer erlitt Verletzungen, wie UNRWA-Sprecher Adnan Abu Hasna in Gaza sagte. Nach bislang unbestätigten Informationen soll er an seinen Verletzungen gestorben sein. Die Organisation kündigte daraufhin an, sämtliche Aktivitäten im Gazastreifen mit sofortiger Wirkung zu stoppen, bis ausreichende Sicherheitsgarantien abgegeben seien.

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Der Angriff erfolgte in der Nähe des nach Israel führenden Grenzübergangs Erez. Die Lastwagen seien mit UN-Flaggen gekennzeichnet, die Fahrer mit UN-Westen ausgestattet gewesen, der Konvoi mit dem israelischen Militär abgestimmt, fügte der Sprecher hinzu. Das israelische Militär wollte diesen Vorfall zunächst nicht kommentieren. Auch später, während der Feuerpause, soll ein Fahrzeug mit internationalen UN-Mitarbeitern von Israelis beschossen worden sein.

Die israelische Armee gab an, die Hamas habe nach gut einer Stunde die Waffenruhe gebrochen. Aus dem Gaza-Streifen seien mehrere Raketen abgefeuert worden. Auch ein israelischer Polizeisprecher bestätigte, mindestens vier Raketen seien eingeschlagen, darunter in den Städten Aschkelon und Sderot. Israel warf der Hamas auch vor, Hilfsgüter für die eigene Versorgung beschlagnahmt zu haben.

Die dreistündige Feuerpause war um 13 Uhr Ortszeit (12 Uhr MEZ) in Kraft getreten. Während des Tages sollten etwa 100 Lastwagen mit Hilfsgütern in den Gaza-Streifen fahren und 500.000 Liter Treibstoff geliefert werden. Etwa 300 Menschen mit ausländischem Pass sollten zudem während der kurzen Waffenruhe den Gaza-Streifen verlassen können. Hilfsorganisationen beschreiben die humanitäre Situation im Gaza-Streifen als dramatisch und menschenunwürdig und kritisierten Israel scharf. Das Rote Kreuz beklagte, seinen Mitarbeitern sei tagelang der Zugang zu Verwundeten verwehrt worden.

Raketen aus dem Libanon

Vor der Feuerpause hatten sich die Kämpfe ausgeweitet. Schon am Donnerstagmorgen schlugen drei Katjuscha-Raketen aus dem Libanon im Norden Israels ein. Eine traf ein Altersheim in der nordisraelischen Stadt Naharija und verletzte drei Menschen leicht. Ein weiteres Geschoss schlug im Kibbuz Mazuba ein und eine Rakete im offenen Feld, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Bewohner im Norden Israels seien aufgefordert worden, vorerst in der Nähe von Schutzräumen zu bleiben. Schulen sagten für Donnerstag den Unterricht ab. Laut libanesischer Berichte schoss Israel fünf Mörsergranaten zurück.

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