Joe Frazier Alis ewiger Rivale
Joe Frazier hat Millionen begeistert, er besiegte Muhammad Ali. Heute lebt der 65-Jährige verarmt in einem Ein-Raum-Appartement über seinem Fitnesscenter.
Die North Broad Street im Norden von Philadelphia ist keine schöne Gegend. Die Häuser sind heruntergekommen, viele stehen leer. Das Gebäude mit der Hausnummer 2917 fällt im Einheitsgrau der Nachbarschaft kaum auf. Dennoch unterscheidet es sich von allen anderen. Es ist ein Haus mit Historie, die Heimat eines Helden. "Joe Frazier’s Gym" steht mit schwarzen Großbuchstaben über den fünf Fenstern im Erdgeschoss geschrieben.
Hinter der mittleren Glasscheibe hängt ein Poster vom Besitzer und zeigt ihn in typischer Boxerpose. Es ist Joe Frazier, einer der größten Boxer aller Zeiten. Seine Schwergewichtskämpfe in den siebziger Jahren gegen George Foreman und besonders Muhammad Ali sind Klassiker. Frazier war Idol und Identifikationsfigur. Wenn er im Ring stand, standen in Deutschland die Box-Begeisterten mitten in der Nacht auf und setzten sich vor den Fernseher. Die Fans liebten seine Art zu boxen. Er war keiner dieser Schwergewichtstypen, die in den ersten Runden nur herumtänzelten, um den Gegner auszugucken. Frazier war mit dem ersten Gong hellwach und offensiv – und verdiente sich so seinen Spitznamen "Smokin’ Joe" (Volldampf-Joe).
Frazier hat Millionen begeistert und Millionen verdient. Heute wird er 65 Jahre alt und lebt verarmt in einem Ein-Raum-Appartement direkt über seinem Fitnesscenter. Er sei zu naiv und generös gewesen, habe falschen Leuten vertraut, betont er. Natürlich hätte er mehr aus seinem Namen machen müssen: mehr herumreisen, präsent sein, sich zeigen. Stattdessen war er jedoch oft in seiner Muckibude, hat Nachwuchsboxer trainiert. Und das macht er auch noch heute. Zwar ist das Fitnesscenter, das 1968 eigens für ihn eröffnet wurde, längst nicht mehr rentabel, müsste komplett renoviert werden. Aber das würde rund sechs Millionen Dollar kosten. Geld, das Frazier nicht hat.
Ali und Foreman, seine einstigen Kontrahenten, sind Multimillionäre. Ali hat für eine Dokumentation über sein Leben 50 Millionen Dollar bekommen, Foreman verdient als erfolgreicher Businessmann mit eigener Firma jährlich 120 Millionen. Frazier konnte nicht einmal eine der insgesamt sechs Operationen zahlen, die nötig waren, nachdem er 2002 direkt vor seinem Fitnesscenter einen Autounfall hatte. Larry Holmes, sein ehemaliger Weggefährte und Schwergewichtsweltmeister wie er, half aus – und zwar gerne. "Joe ist mein Freund. Selbst wenn ich nur noch vier Dollar hätte, würde er zwei davon bekommen", sagt Holmes.
Um etwas Geld zu verdienen, trainiert Frazier heute einige Nachwuchsboxer in seinem Gym. 1973, in seiner Blütezeit, hatte er die Immobilie gekauft. Jetzt müsste er sie eigentlich dringend verkaufen, lehnt dies jedoch ab. Dabei konnte er 2007 kaum die Steuern dafür zahlen. Die Stadt Philadelphia drohte mit Klage und verlangte die Nachzahlung von 127.000 Dollar. Dabei war Frazier einst der berühmteste Sohn der Stadt.
- Datum 12.01.2009 - 22:45 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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