Konjunkturhilfen Müntefering sauer auf Merkel
Die CDU streitet kurz vor dem Koalitionstreffen zum zweiten Konjunkturpaket über ihren Kurs. SPD-Chef Müntefering reagiert verärgert auf das Hin und Her in der Union
Umstritten in der Union wie in der Koalition sind weiterhin die geplanten Steuersenkungen und der Rettungsfonds für Firmen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) forderte seine Partei auf, sich rasch vom Versprechen umfangreicher Steuersenkungen nach der Bundestagswahl zu verabschieden. Denn spätestens 2010 drohe Deutschland wegen der geplanten Konjunkturprogramme gegen die Verschuldungsgrenze der Europäischen Union zu verstoßen, sagte Oettinger dem Handelsblatt .
Damit ab er würde die CDU ihr zentrales Anliegen aufgeben, mit dem sie bei der Bundestagswahl um Wählerstimmen werben will. Die CDU-Führung, angeführt von Kanzlerin Angela Merkel, hatte bis Jahresanfang Steuersenkungen noch vor der Wahl abgelehnt, um mit dem Versprechen einer umfangreichen Steuerreform in den Wahlkampf zu ziehen. Dann hatte Merkel jedoch dem heftigen Drängen der CSU und deren Vorsitzenden Horst Seehofer nachgegeben, zur Konjunkturstützung doch schon jetzt den Eingangssteuersatz zu senken und die sogenannte kalte Progression zu mildern. Das bringt ihr nun Ärger in den eigenen Reihen ein.
Ihr Parteivize Christian Wulff hatte am Wochenende ebenso wie der Haushaltspolitiker Kampeter vor "Steuersenkungen auf Pump" gewarnt, deren Wirkungen auf die Konjunktur ohnedies zweifelhaft sind. Oettinger argumentiert nun, wenn es die Sorge gebe, dass Deutschland spätestens 2010 gegen die Verschuldungsgrenze verstoße, "dann sollten wir uns von der Idee, schon zum 1.1. 2010 umfangreiche Steuersenkungen in Aussicht zu stellen, rasch verabschieden". Es komme darauf an, was die nächste Regierung beschließe. "Wer die Maastricht-Kriterien einhalten will, hat Sitz und Stimme im Bundestag, um dafür zu sorgen."
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bekräftigte, der Schwerpunkt des zweiten Konjunkturpakets müsse bei Investitionen liegen. Zudem gehe es darum, die Kaufkraft vor allem in unteren und mittleren Einkommensgruppen zu stärken, "auch bei Menschen, die in Hartz IV sind; deren Geld geht unmittelbar in den Konsum". Heil schloss Steuersenkungen nicht aus. Entscheidend sei aber, dass es keine Steuergeschenke für Reiche gebe. "Wir wollen, dass das Geld eher in den Kaufladen in Deutschland als auf die Bank nach Luxemburg getragen wird."
Die SPD möchte den Eingangssteuersatz senken, wovon vor allem die unteren Einkommensgruppen profitieren würden. Außerdem fordert sie eine befristete Steuererhöhung für die oberen Einkommensgruppen – was die Union wiederum ablehnt.
SPD-Chef Franz Müntefering äußerte sich verärgert über die Rolle der CSU und Merkels. "In einer Koalition muss man Kompromisse schließen. Trotzdem ärgert es, wenn die Regionalpartei CSU sich so aufführt", sagte er der Bild -Zeitung. Er halte das Verhalten von Seehofer "für ziemlich eitel". "Die Kanzlerin hätte die CSU viel früher in die Schranken weisen müssen." Immerhin sei es der SPD gelungen, "wozu die Kanzlerin nicht fähig war", nämlich Seehofer und die CSU "auf den harten Boden der Tatsachen" zurückzuholen.
- Datum 12.01.2009 - 13:12 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, lg
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Wer soll das Schauspiel den noch ernst nehmen? Das Grundproblem ist doch, das dem Normalverdiener immer weniger von seinem Bruttolohn in der Tasche bleibt. Daran haben alle politischen Akteure fleissig in den letzten Jahrzehnten mitgearbeitet. In wechselnden Konstellationen, aber immer im gleichen Tenor. Der Staat braucht immer mehr Geld für immer weniger Leistung. Der Bund der Steuerzahler singt jährlich ein Lied davon. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Ohne grundlegende Neubesinnung des Staates und seiner Vertreter auf das notwendige und nicht auf das wünschenswerte wird das Gemeinwesen über kurz oder lang kollabieren. Das Fingerhackel der Parteien jetzt ist genau so wichtig und unterhaltsam wie "Ich bin ein Star, holt mich hier raus". Einfach nur lächerlich
Bin neugierig wann die Zeit kommt das wir für Essen und Sach-marken in die Arbeit gehen sollen.Soviel Geld welches
die Regierung zum Fenster rauswirft kann man beim besten Willen nicht erwitschaften!
Wenn schon die Bedürftigen entlastet werden sollen, und wer will das nicht, dann wäre es doch gut, die 7%-ige Steuer auf die Lebensmittel zu senken oder ganz darauf zu verzichten. Das ist gerecht, erreicht wirklich jeden und hilft der deutschen Wirtschaft, oder zumindest der europäischen.
mit welchem Partner er die Regierung trägt. Die Union besteht aus der CDU und einer Provinzpartei (CSU).
Die CSU gebärdet sich populistisch. Wer aus BY kommt, weiss, dass Seehofer vor jedem Publikum eine andere Rede hält. Wie Absalom in der Bibel. Jedem recht geben. Wie lange es sich die anderen bieten lassen..... weiss ich allerdings nicht.
Wenn in Seehäfen 30 % weniger umgeschlagen werden, die Industrieaufträge um 6-8 % einbrechen, bei Handwerk und Gastronomie ebenso, dann müßte schnell etwas Wirkungsvolles geschehen.
Die sichersten Methoden wären:
* Steuergutschrift;
* mehr NETTO vom Brutto ( würde allerdings bei der Rentenversicherung ansetzen, bei den Krankenkassen befürchte ich Mitnahmeeffekte der Kassen),
* höheres Kindergeld
* Mindestlöhne ( komme gleich darauf zurück)
* gnadenloser Kampf gegen alle Formen der Wirtschaftskriminalität
* Erhöhung von BAföG, Wohngeld und Unterstützungssätze für Hartz IV-Empfänger.
All dies würde sehr schnell wirken. Investitionsförderung, Geld an Kommunen würden erst nach einem Jahr wirken. Steuerliche Maßnahmen kämen Leuten mit hohem Grenzsteuersatz überproportional zugute.
Nur ein Wort zum Mindestlohn: Warum ist es möglich, im Königreich Dänemark, mit einem liberalen Ministerpräsidenten einen Mindestlohn von 11 Euro und 38 Stunden Wochenarbeitszeit zu haben. Selbst ein Landarbeiter, der Kühe milkt oder die Ställe ausmistet.
Und für Deutschland behaupten Leute, angeblich zu den klügsten Köpfen gehörig ( Prof. Sinn), dies könne unsere Wirtschaft nicht tragen.
Meine unwesentliche Meinung ist: Eine Firma, die keinen auskömmlichen Lohn erwirtschaften kann, ist für mich eine bedeutungslose "Klitsche". Meine weiteren zwingenden Schlußfolgerungen hierzu möchte ich nicht niederschreiben....
Jedenfalls ist Wirtschafts- und Finanzpolitik in Zeiten wie diesen, wo eine konservative Führungsschicht im Bankenapparat ( allerdings nur eine Minderheit ), weinen so großen Schaden für das Volksganze angerichtet haben. Denn darüber mag sich niemand Illusionen machen: Die Zeche hierfür zahlen die Normalbürger, kleinen Leute, Niedrig- und Durchschnittsverdiener. Die anderen können sich eher "rauswinden". Man sieht es ja auf der Liste der Liechtenstein-Steuerbetrüger: Ein who is who der Großkopfeten und des gehobenen Mittelstandes. Ergo Leute, die aus Gier und niederen Motiven dem Staat ( bibl.: Kaiser ) vorenthalten, was ihm zusteht.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren