Hessen-Linke Lust an der Selbstzerfleischung

"Stasimethoden", Mobbing, böse Vorwürfe: In Hessens Linkspartei gärt es kurz vor der Wahl, viele Mitglieder treten aus. Gefährdet das den Wiedereinzug in den Landtag?

Marjana Schott ist richtig wütend. Sie sitzt in einem Cafe im nordhessischen Kaufungen und brüllt so laut, dass der Kellner zusammenzuckt: "Wer meint, dass er nicht gut vertreten ist und gehen möchte, soll das machen!" Später, etwas beruhigt, fügt sie hinzu: "So bedauerlich das im Einzelfall auch sein mag...", um dann allerdings wenige Minuten später die nächste Schimpfkannonade loszulassen.

Schott ist momentan die wohl umstrittenste Politikerin der hessischen Linkspartei. Im Dezember stand die ehemalige Vizepräsidentin des Landtags schon einmal in den Schlagzeilen, weil sie Mitarbeiter zum Billigtarif eingestellt hatte. Mit dem Betrag, der eigentlich für eine Stelle in ihrem Abgeordnetenbüro vorgeshen war, hatte sie gleich vier Mitarbeiter finanziert – auf Hartz-IV-Niveau.

Anzeige

Inzwischen ist die Liste der Vorwürfe gegen Schott weiter angewachsen, vorgebracht vor allem vom Ortsverband Baunatal, der vergangene Woche fast geschlossen aus der Partei ausgetreten ist. Die Baunataler sagen, Schott und die restliche Parteiführung hätten missliebige Mitglieder beleidigt, gemobbt und sogar bespitzelt. In ihrer Austrittserklärung beklagen sie "elitäre Kaderbildung" und "fehlende Basisdemokratie". "Stasi-Machenschaften" nannte es eine inzwischen ebenfalls zurückgetreten Kassler Kreistagsabgeordnete.

Man könnte den parteiinternen Zoff als Polit-Posse abtun, würde es zur Zeit nicht an allen Ecken und Enden der hessischen Linkspartei gären, die am kommenden Sonntag um ihren Verbleib im Landtag bangen muss. Im vergangenen Januar war sie mit 5,1 Prozent ganz knapp in das Landesparlament in Wiesbaden eingezogen, und wäre nicht die Wahl der SPD-Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti an vier Abgeordneten aus deren eigenen Reihen gescheitert, wäre die hessische Linke als Tolerierungspartner jetzt sogar indirekt an der Landesregierung beteiligt.

Nun sehen aber Umfragen sie gerade bei fünf Prozent, womöglich auch aufgrund der internen Querelen. Für die Bundespartei, die in dem Wahlerfolg in Hessen einen wichtigen Schritt zur Etablierung auch im Westen sah, wäre ein Scheitern am kommenden Sonntag ein herber Rückschlag.

Um zu erfahren, wie desolat die Lage in der noch jungen Landespartei ist, muss man nur zum Telefon greifen. Überall gibt es Unmut, der in einer Schonungslosigkeit geäußert wird, wie man sie von den etablierten Parteien kaum kennt. Der Ortsvorsitzende der Wetterau, der ebenfalls diese Woche austreten will, ruft gar dazu auf, seine Partei nicht zu wählen. "Wir dürfen mit solchen Menschen nicht in den Landtag einziehen“, sagt Helge Welker. "Ich hoffe, dass wir es nicht schaffen“.

Leser-Kommentare
    • Manu84
    • 12.01.2009 um 11:35 Uhr

    Die Anzahl an simplen Schreibfehlern in diesem Artikel ist für eine Zeitung wie die Zeit peinlich; wird ein Artikel eigentlich nciht mal gegengelesen, bevor er online gestellt wird? Evtl. nicht mal mit einem Korrekturprogramm überprüft? Naja.

    Auch wenn die Umfragen die Linken bei nur um die 5 % sehen, ich glaube nicht dass sie sich um ihren Verbleib im Landtag ernsthafte Sorgen machen müssen.Wahrscheinlich wird ein gewisser Teil der eher links orientierten SPD-Wähler zur Linken wechseln nach den Querelen des letztes Jahres, und die Partei über die 5%Hürde heben.

  1. Aus denen kann nix werden. Keine Verbindungen zu den Towers in Mainhattan oder zu Fraport. Von Eon & Co. ganz zu schweigen. Wie sollen da Konten in Liechtenstein zustande kommen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • borisk
    • 12.01.2009 um 13:59 Uhr

    aber Sie müssen sich darüber keine Gedanken machen. Die Stalinisten haben während der 40 Jahre ihrer absoluten Herrschaft so viel Geld des deutschen Volkes geraubt, und dieses Geld nach der Wende mit netter Hilfe ihrer linken Freunde im Westen so gut eingelegt, dass sie sich am keineswegs finanzielle Sorgen machen müssen. Eher geht die FDP pleite als diese mörderische Bande.
    (Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion/jk)

    • borisk
    • 12.01.2009 um 13:59 Uhr

    aber Sie müssen sich darüber keine Gedanken machen. Die Stalinisten haben während der 40 Jahre ihrer absoluten Herrschaft so viel Geld des deutschen Volkes geraubt, und dieses Geld nach der Wende mit netter Hilfe ihrer linken Freunde im Westen so gut eingelegt, dass sie sich am keineswegs finanzielle Sorgen machen müssen. Eher geht die FDP pleite als diese mörderische Bande.
    (Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion/jk)

  2. wird nicht von Jedermann verstanden.
    Selbstzerfleischung wird es zum Glück gerade deshalb nicht geben.
    Ihr Artikel ist wunderbar und spricht für die Linken.
    Ich wäre auch enttäuscht, wenn diese Partei sich mit Verrätern und den Interessen von
    Großkapital einlassen würde.
    Für mich ist dies der eigentliche Grund, warum eine Partei wie die SPD dem Untergang geweiht ist. Ich hoffe, daß die Grüne Basis das auch bald kapiert.
    #+#=##

  3. Mobbing? Welches Mobbing könnte man in diesem Artikel mal drauf eingehen?

    Stasi-Methoden bzw. Bespitzelung? Könnte man in diesem Artikel mal Beispiele nennen und nachprüfen?

    Könnte man mal Eintritte und Austritte gegenüberstellen und mit anderen Parteien vergleichen?

    Liebe Zeit-Redaktion.

    Ich halte das was sie hier machen für erbärmlichen Journalismus. Das sind doch immerhin Fragen die sie sich ein Journalist stellen sollte. Oder haben Sie bereits jeden Informationsanspruch verloren und wollen Meinungsmache betreiben?

    MfG

    Andreas

    • borisk
    • 12.01.2009 um 13:59 Uhr

    aber Sie müssen sich darüber keine Gedanken machen. Die Stalinisten haben während der 40 Jahre ihrer absoluten Herrschaft so viel Geld des deutschen Volkes geraubt, und dieses Geld nach der Wende mit netter Hilfe ihrer linken Freunde im Westen so gut eingelegt, dass sie sich am keineswegs finanzielle Sorgen machen müssen. Eher geht die FDP pleite als diese mörderische Bande.
    (Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion/jk)

    Antwort auf "Nicht politikfähig"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn Sie den Schaum von Ihrem Mund weggewischt haben, sollten Sie Ihre Wortwahl überprüfen. "Mörderische Bande" für die Partei "Die Linke" ist schon mehr als grober Unfug. Wenn es irgendwelche Gelder "eingelegt" gäbe - "Spiegel", BILD und ZEIT hätten es schon lange genüsslich aufgegriffen und millionenfach verbreitet. Nur haltlose Abstrusitäten, die Sie verbreiten. Aber gut geBILDet, die Meinung.

    Wenn Sie den Schaum von Ihrem Mund weggewischt haben, sollten Sie Ihre Wortwahl überprüfen. "Mörderische Bande" für die Partei "Die Linke" ist schon mehr als grober Unfug. Wenn es irgendwelche Gelder "eingelegt" gäbe - "Spiegel", BILD und ZEIT hätten es schon lange genüsslich aufgegriffen und millionenfach verbreitet. Nur haltlose Abstrusitäten, die Sie verbreiten. Aber gut geBILDet, die Meinung.

  4. Wenn Sie den Schaum von Ihrem Mund weggewischt haben, sollten Sie Ihre Wortwahl überprüfen. "Mörderische Bande" für die Partei "Die Linke" ist schon mehr als grober Unfug. Wenn es irgendwelche Gelder "eingelegt" gäbe - "Spiegel", BILD und ZEIT hätten es schon lange genüsslich aufgegriffen und millionenfach verbreitet. Nur haltlose Abstrusitäten, die Sie verbreiten. Aber gut geBILDet, die Meinung.

    Antwort auf "Danke für Ihre Sorge"
  5. 7. Gut so

    Es ist doch sehr schön, wenn die Linken nichts ins Parlament kommen. Vor allem schön für die SPD, die nun erkennen mag, welcher Kelch an ihr vorübergegangen ist, an dem Frau Y. so gerne genippt hätte...

  6. dass die Linke in Hessen selbst mit der Steilvorlage nichts anfangen kann, welche ihr Frau Y. geliefert hat - oder hochgradig bedenklich. Sicher, das sind nicht alles Polit-Profis, und ähnliche Töne konnte man manchmal auch bei den frühen Grünen hören - aber die waren eben deshalb erfolgreich, weil sie diese zwielichtigen Existenzen und "Polit-Desperados" a la Dittfurth und Co. irgendwann vor die Tür gesetzt haben. Die halten sich jetzt bei der Linken schadlos...

    Fazit: Koch wird wohl (un)verdienterweise siegen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "...zwielichtigen Existenzen und "Polit-Desperados" a la Dittfurth und Co..."
    Nur weil Frau Ditfurth sich nicht hat korrumpieren lassen, ist sie eine zwielichtige Existenz? Und jetzt mal aus Ihrem Nickname schlussfolgernd, dass Sie gar wirklich ein "Exsöldner" sind? - Ihre Beiträge lassen fast darauf schließen. Wäre das dann eine weniger zwielichtige, gar brav-bürgerliche Existenz?
    Da lobe ich mir doch die "Zwielichtigen".

    "...zwielichtigen Existenzen und "Polit-Desperados" a la Dittfurth und Co..."
    Nur weil Frau Ditfurth sich nicht hat korrumpieren lassen, ist sie eine zwielichtige Existenz? Und jetzt mal aus Ihrem Nickname schlussfolgernd, dass Sie gar wirklich ein "Exsöldner" sind? - Ihre Beiträge lassen fast darauf schließen. Wäre das dann eine weniger zwielichtige, gar brav-bürgerliche Existenz?
    Da lobe ich mir doch die "Zwielichtigen".

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service