Nahost-Konflikt Der Sisyphus-Job

Fast schon vergessen: Tony Blair ist der Nahost-Beauftragte von UN, EU, USA und Russland. Ein Posten, den er aufgeben sollte. Ein Kommentar

5. Dezember 2008: Tony Blair als Nahost-Beauftragter in Ramallah bei Mahmoud Abbas, den Fatah weiterhin als ihren Präsidenten ansieht

5. Dezember 2008: Tony Blair als Nahost-Beauftragter in Ramallah bei Mahmoud Abbas, den Fatah weiterhin als ihren Präsidenten ansieht

Tony Blair ist der ewige Optimist. Auch jetzt bleibt er davon überzeugt, dass sich eine Lösung für den Nahost-Konflikt findet und dass er einen wichtigen Beitrag dazu leisten kann. Diese Einschätzung wird nicht überall geteilt.

Aus den Vereinten Nationen sind kritische Stimmen zu vernehmen. Man bemängelt das Fehlen eines Reports vor dem Weltsicherheitsrat, man fragt sich, wo Blair war, als die Eskalation des Konfliktes begann, und man hält dem früheren britischen Premier vor, dass er bis heute noch nicht ein einziges Mal in Gaza war. Manches an der Kritik ist unfair. Sein geplanter Besuch in Gaza im letzten Jahr wurde in letzter Minute abgeblasen, weil es Dschihadisten angeblich auf ihn abgesehen hatten und niemand seine Sicherheit garantieren konnte.

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Doch Blair sollte sich selbst fragen, ob er nicht besser daran täte, den Job als Vermittler aufzugeben. Nach gut 18 Monaten als Sonderbotschafter des Quartetts von UN, USA, EU und Russland hat er nicht gerade eine berauschende Bilanz vorzuweisen. Gewiss kann ihm niemand Mangel an Engagement vorwerfen.

Beseelt von der Vorstellung, die nordirischen Lehren ließen sich auf den Nahost-Konflikt anwenden, hatte Blair sich voller Energie auf die Aufgabe gestürzt: Er knüpfte Kontakte zu den Spielern des Nahost-Dramas, versuchte Todfeinde ins Gespräch miteinander zu bringen und drängte Amerika, die EU und die UN zu großzügiger Wirtschaftshilfe für die Palästinenser. Auch muss man Blair zugutehalten, dass er sich seit Langem schon für eine Zweistaatenlösung einsetzt und George Bush dazu bewegen konnte, sich als erster amerikanischer Präsident dafür offiziell auszusprechen.

Doch das war es dann schon. Es gibt wenig konkrete Erfolge, von ein paar Lichtblicken abgesehen. Im Westjordanland, in Bethlehem und Jenin, übernahmen Palästinenser mehr direkte Verantwortung. Ansonsten sieht es nicht gut aus. Die jüdischen Siedlungen dort wachsen weiter, die Kontrollposten der israelischen Armee mögen notwendig sein, aber sie verhindern den erhofften ökonomischen Aufschwung im Fatah-regierten Westjordanland.

In Gaza war die Situation schon vor Beginn der militärischen Aktion der Israelis schier hoffnungslos. Die Chancen, Hamas vom islamistischen Weg und dem erklärten Ziel der Vernichtung Israels abzubringen, mussten stets als gering eingeschätzt werden. In dieser Hinsicht ist Blairs Analyse der verfahrenen Situation realistischer als die vieler europäischer Politiker.

Leser-Kommentare
  1. Sonst könnte die tiefe Kluft zwischen offizöser Schreibe der Zeit und der mehrheitlichen Lesermeinung wieder zu offensichtlich werden. (siehe Umfrage im Stern von heute)

    Und Zitat :
    "Ansonsten sieht es nicht gut aus. Die jüdischen Siedlungen dort wachsen weiter, die Kontrollposten der israelischen Armee mögen notwendig sein, aber sie verhindern den erhofften ökonomischen Aufschwung im Fatah-regierten Westjordanland."

    Noch Fragen, warum der brave Herr Abbas mit seiner erfolglosen Appeasementpolitik bei den Palästinensern unten durch ist ?

    • colca
    • 14.01.2009 um 16:47 Uhr

    Der gute 30-Minuten-Tony (für jüngere Foristen: Siehe Bedrohungslügen in Vorbereitung des Überfalls auf den Irak 2002/2003) war ohnehin eine glatte Fehlbesetzung für dieses Amt.
    Frieden in Nahost kann nur erreicht oder besser erzwungen werden, wenn man beide Konfliktbeteiligten den gleichen harten Sanktionen unterzieht, ihre Wege zur Bewaffnung austrocknet und ihnen den Geldhahn abdreht. Bis sich beide Seiten bereiterklären, den unzähligen UNO-Resolutionen Folge zu leisten, Grenzen und Existenzrechte anzuerkennen, geraubtes Land zurückzugeben und vom Bombenterror zu lassen und fortan zwar nicht freundschaftlich, aber friedlich nebeneinander zu leben.
    So etwas bringt die Weltgemeinschaft aus allseits bekannten Gründen nicht zustande - und am allerwenigsten Tony Blair, Bushs [...].
    So wird sich halt die Gewalt und die Gegengewalt in endlosen Spiralen weiterdrehen, zum Schaden beider Seiten.
    Am Ende wird dieser Konflikt wohl demographisch entschieden.

    [Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  2. Sehr geehrter Blurred,
    würden die Diskutanten beim Thema Nahost etwas mehr Aufmerksamkeit auf Umgangston und Fairness legen, würden wir die Kommentarfunktion liebend gerne angeschaltet lassen. Aber ich hoffe, dass dieser Thread uns davon überzeugt, dass auch sachlich und konstruktiv debattiert werden kann, zumal es vorwiegend um die Vermittlerrolle Tony Blairs geht.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

  3. Hier wird von Notwendigkeit der Selbstverteidigung geschrieben. Dort über Anti-Semitismus. An anderer Stelle über Deutschlands geschlossene Unterstützung aus historischen Gründen.

    Nirgendwo etwas über den Völkerrechtsbruch Israels oder über die Tatsache das Israel den Waffenstillstand gebrochen hat (geschweige denn dessen Prämissen überhaupt erst einzuhalten). Nirgendwo etwas über die gezielten Bombardements von Einrichtungen der UN oder des roten Kreuzes.

    Das soll objektive Berichterstattung sein? Für mich ist das eher hetzerische Propaganda.

    [Anmerkung: Bitte missbrauchen Sie nicht Ihr Gastrecht im Forum der ZEIT. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hanau
    • 17.01.2009 um 6:22 Uhr

    pro-israelischer Propaganda?"

    Koennen Sie lesen? Das Gegenteil ist wahr.
    Weil Sie und Ihre Gleichgesinnten, die Leser derr ZEIT gut vertreten.

    Sie erklaeren sich taeglich nicht nur als Feinde der Juden sondern als Feinde Amerikas. Was Ihr Recht ist, aber solche Falsch-Aussagen nicht entschuldigen.

    Wir, Amerika sind Ihr Feind, da wir das andere Land sind, dass Ihre Vertriebenen aufgenommen hat. Wir, wie die Palestinenzer und nicht nur sie (wie es Ahmadineshad und viele Palestinzer behaupten) bezahlen weiter fuer das Verbrechen Europa's in den dreissiger und vierziger Jahren.

    • hanau
    • 17.01.2009 um 6:22 Uhr

    pro-israelischer Propaganda?"

    Koennen Sie lesen? Das Gegenteil ist wahr.
    Weil Sie und Ihre Gleichgesinnten, die Leser derr ZEIT gut vertreten.

    Sie erklaeren sich taeglich nicht nur als Feinde der Juden sondern als Feinde Amerikas. Was Ihr Recht ist, aber solche Falsch-Aussagen nicht entschuldigen.

    Wir, Amerika sind Ihr Feind, da wir das andere Land sind, dass Ihre Vertriebenen aufgenommen hat. Wir, wie die Palestinenzer und nicht nur sie (wie es Ahmadineshad und viele Palestinzer behaupten) bezahlen weiter fuer das Verbrechen Europa's in den dreissiger und vierziger Jahren.

  4. Tony Blair ist ungeiegnet als Vermittler:
    Seine rechtsextreme Schwägerin machte in Gaza wilde Islamistenpropaganda.
    Die Zeitungen, die Blairs Partei nahe stehen im UK sind üble antiisraelische Hetzorgane (Daily Mail, Guardian).
    Ein bisserl Neutralität sollte sein.

    P.S. Den Polzeipräsidenten von Duisburg würde ich auch keine Vermittlungsrolle zugestehen. Am Samstag wird der Mob in seiner Stadt 70 Jahre nach der Reichsprogromnacht wieder wüten!
    Und die Tagessschau wird von einer friedlichen Demo reden...

    • Daaje
    • 14.01.2009 um 18:44 Uhr

    Es ist ja kaum möglich, den Ausdruck "Israeli" oder "Palästinenser" zu schreiben, ohne das einem irgendwas aus irgendeinder Richtung vorgeworfen wird. In jedem Fall wird irgendeine "Fraktion" das Geschriebene entsetzlich und verzerrend finden, und dies auch laut kund tun. Am Ende ist man ein Nazi. Das hat eine für mich faszinierende Dimension: Egal, ob man etwas Pro-Israelisches oder etwas Contra-Israelisches sagt: Ein Nazi ist man am Ende ohnehin; und einer mit mangelnden Geschichtskenntnissen obendrein.

    Manchmal wird man auch etwas differenzierter als Zionist oder als Terroristenversteher bezeichnet. Nützt das was? Wenn ja: Wem?

    Wie kommt das eigentlich, dass diese Debatte nicht ohne diese wechselseitig paralysierende Vorwürfe auskommt?

    • colca
    • 14.01.2009 um 18:56 Uhr

    In der ZEIT ist anschaulich demonstriert, warum bislang jeder Vermittlungsversuch im Nahen Osten scheiterte - auch die kläglichen Bemühungen eines Tony Blair.

    Das Interview mit dem Arzt palästinensischer Herkunft zeigt, wie aus Frustration, Unrecht, Erniedrigung und Ressentiment Hass entsteht, der in Gewalt mündet.
    http://www.zeit.de/online...

    Das Interview mit Prof. Dershowitz demonstriert, wie Paranoia und Hybris dafür sorgen, dass Israel seine überwältigende Militärmacht so skrupellos, aber auch dumm einsetzt.
    http://www.zeit.de/online...

    Angesichts solcher ineinander verbissenen, verbohrten Konfliktparteien gibt es keinen anderen Weg, als beide Parteien zum Frieden zu zwingen.
    Noch ist dieser endlose Konflikt für die Weltgemeinschaft nur lästig - wenn auch die Opfer daran sterben. Er vergiftet aber langfristig das Verhältnis zwischen der sogenannten westlichen Welt und den arabischen Völkern. Das macht ihn für alle gefährlich.
    Meines Erachtens müssen die guten Beziehungen zwischen über 1 Milliarde Menschen mehr wert sein, als das endlose Gezänk der 12 Millionen Palästinenser und Juden um das selbe Stück Land.

  5. "As long as young people feel they have got no hope but to blow
    themselves up you are never going to make progress
    ", meinte einmal die Frau des Vermittlers. Diese einfühlsame Aussage war nicht an ihre Mitbürger, anlässlich erfolgter oder versuchter Terroranschläge in London, Irak oder Afghanistan, gerichtet, sondern an Juden, als sie von den Arabern ("Palästinenser"?) gebombt und verbrannt wurden.

    Cherie ist nicht Tony. Aber Cherie wäre nach ihrer Meinung gar nicht gefragt, wenn sie nicht die Frau von Tony wäre, der damals britischer Premierminister war. Und Tony hat nicht zu erkennen gegeben, dass es Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und seine Frau gab. Ganz im Gegenteil, er ist später sogar zu Religion seiner Frau konvertiert.

    Ob jemand, der zu Hause (und auch 8000 km weit weg davon) Terror bekämpft, aber ausgerechnet und ausschließlich von Juden verlangt, dem Terror nachzugeben, ein geeigneter Vermittler ist, wage ich zu bezweifeln. Aber ich kann mich irren.

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