Kreditgarantien "Das macht am besten der Finanzminister"

Der Bund plant einen Kreditschirm für Unternehmen. Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Walter über die Verlockung leichtfertiger Darlehensvergabe und die Rolle staatlicher Banken

Mit bis zu 100 Milliarden Euro will die Große Koalition in der Wirtschaftskrise Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen unterstützen. Der Bund will das Geld nicht ausgeben, sondern Privatbanken als Sicherheit anbieten, um die Darlehensvergabe zu erleichtern. Der Grund: Wegen der Finanzkrise haben viele Institute ihre Konditionen derart verschlechtert, dass Firmen nur noch schwer an die benötigten Überbrückungskredite kommen. Norbert Walter, Geschäftsführer der Deutsche Bank Research und Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe, hält den Kreditschirm für Unternehmen grundsätzlich für sinnvoll, mahnt aber eine sorgfältige Kontrolle an.

ZEIT ONLINE: Professor Walter, der Bund will einen 100-Milliarden-Fonds auflegen und damit die Kreditvergabe an Unternehmen absichern. Begünstigt nicht ein solcher Fonds eine leichtfertige Darlehensvergabe durch die Banken?

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Norbert Walter: Man könnte unterstellen, dass das die Absicht dieses Fonds ist. Damit sind wir mitten im Problem. Riskante unternehmerische Projekte sind mit Eigenkapital immer besser abgesichert als mit Fremdkapital. In solchen Fällen sollte Liquidität also von privaten Eigenkapitalbesitzern oder Sponsoren kommen.

ZEIT ONLINE: Kurz gesagt, der Fonds ist ein Fehler?

Walter: So einfach ist das nicht. Wir haben keine Alternativen. Bevor etwa durch den Bankrott eines Endabnehmers ein Lieferant Pleite geht, ist es besser, dem Lieferanten durch einen Überbrückungskredit Zeit zur Anpassung zu verschaffen. Das betrifft etwa die Autozulieferer, denen wegen des Rückgangs der Autozulassungen die Aufträge wegbrechen. Für Unternehmen, die ihre Produkte konjunkturbedingt derzeit nicht absetzen können, sind staatliche Kreditgarantien eine sinnvolle Hilfe.

ZEIT ONLINE: Wie sollte der Staat konkret helfen?

Walter: Kreditgarantien sollten nur unter möglichst direkter staatlicher Kontrolle gewährt werden. Das macht am besten der Finanzminister, kontrolliert vom Parlament. Es wäre falsch, die Vergabe von Garantien aus der unmittelbaren Budgetkontrolle herauszulösen und an staatliche Banken oder gar, wie in einer Reihe westlicher Volkswirtschaften, an die Zentralbank zu geben. Insgesamt ist bei Eingriffen wie dem staatlichen Bürgschaftsfonds allergrößte Vorsicht geboten.

ZEIT ONLINE: Die staatliche Bank KfW soll ja nun mit der Ausgabe der Kreditbürgschaften an die privaten Institute beauftragt werden ...

Walter: Die KfW ist von der parlamentarischen Kontrolle viel zu weit entfernt. Der Banken-Rettungsfonds ist möglicherweise die geeignetere Institution für die Garantievergabe. Seine Arbeit wird direkt durch einen Parlamentsausschuss kontrolliert.

ZEIT ONLINE: Für Unternehmen, die die Kreditbürgschaften in Anspruch nehmen, sollen strenge Regeln gelten. Droht dem Unternehmensfonds das gleiche Schicksal wie dem für die Banken, den kaum ein Institut in Anspruch nimmt?

Walter: Das relativiert sich beim Bankenfonds derzeit. Es wird auch Unternehmen geben, die die strengen Vergütungs- und Ausschüttungsbedingungen akzeptieren, weil es ihnen an Alternativen mangelt. Das Risiko dabei ist: Wer den Fonds in Anspruch nimmt, zeigt damit dem Markt und insbesondere potenziellen Investoren, dass ihm kein anderer Zugang zu neuem Eigenkapital und anderer Fremdfinanzierung offensteht. Das führt zur Stigmatisierung.

Mit Norbert Walter sprach Tilman Steffen.

 
Leser-Kommentare
  1. Millionen einfache Krisenopfer, die dieser Würgestaat in den Ruin getrieben hat, müssen ihr letztes Vermögen geben, um nur das Existenzminimum in Form von Harz IV zu bekommen. Privilegierte Branchen, in denen die Reichsten des Landes sitzen, bekommen Milliarden vom Staat. Diese Politik verschleppt reguläre Gesundungsprozesse der Wirtschaft. Motivation: Politiker machen sich zu Kapitalisten, besonders den "solialen" Politikern schmeckt diese Luxus-Luft. Pervers. Asozial. Kurzsichtig. Strukturell katastrophal schädlich. So gehts von der Rezession in die Mega-Krise. Die "Privatisierungen" von Post und Bahn haben große Verschlechterung gebracht. Diese Branchen hatten gute Anteile von traditioneller, gewachsener Staatswirtschaft. Und auf der anderen Seite kauft er sich bei Banken ein. Unfassbar.

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    • self22
    • 10.01.2009 um 22:15 Uhr

    ..es bringt nichts, wenn am Ende der Krise nur noch amerikanische und englische Banken mit nennenswerter Größe existieren. Das würde uns auch nicht gut bekommen. Aber gefallen tut mir das auch nicht, es ist wahrlich ein Übel, aber wir sind halt nicht auf einer Insel.

    • self22
    • 10.01.2009 um 22:15 Uhr

    ..es bringt nichts, wenn am Ende der Krise nur noch amerikanische und englische Banken mit nennenswerter Größe existieren. Das würde uns auch nicht gut bekommen. Aber gefallen tut mir das auch nicht, es ist wahrlich ein Übel, aber wir sind halt nicht auf einer Insel.

    • self22
    • 10.01.2009 um 22:15 Uhr

    ..es bringt nichts, wenn am Ende der Krise nur noch amerikanische und englische Banken mit nennenswerter Größe existieren. Das würde uns auch nicht gut bekommen. Aber gefallen tut mir das auch nicht, es ist wahrlich ein Übel, aber wir sind halt nicht auf einer Insel.

    Antwort auf "Staats-Kapitalismus"

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