Aufklärung aus dem All Satelliten im Dienst der Menschenrechte
Immer häufiger dienen Organisationen wie Amnesty International Fotos aus dem Orbit als Beweis für Gräuel. Die Bilder zu beschaffen aber ist mühsam
Für den georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili war die Offensive der eigenen Armee im Fünf-Tage-Krieg im August eine "Präventivmaßnahme", um "die Heimat und friedliche Bürger zu schützen". Für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International war der Angriff auf die südossetische Hauptstadt Zchinwali einer, der sich vor allem gegen die abtrünnige Zivilbevölkerung dort richtete und nicht, wie behauptet, gegen die russische Armee. Saakaschwili hat für seine Version keine Beweise, Amnesty schon .
Das ist nur einer von mehreren aktuellen Fällen , die belegen, wie wichtig Satellitenbilder inzwischen für die Arbeit von Menschenrechtsgruppen sind.
"Satellitenbilder sind ein sehr mächtiges Werkzeug. Sie erlauben uns, Informationen von Orten zu bekommen, an die wir normalerweise nicht gelangen können", sagt Peter Bouckaert, Emergencies Director bei Human Rights Watch. Immer häufiger versuchen HRW, Amnesty International und andere deswegen, solche Bilder einzusetzen, um Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren.
Das aber ist eine ziemliche Herausforderung. Und nicht einmal wegen der Kosten für die Fotos. Auf dem freien Markt, auf dem sich auch Menschenrechtsorganisationen bedienen, kosten Satellitenbilder derzeit zwischen 200 und 2000 Dollar. Je nachdem, ob sie im Archiv vorhanden sind, oder ob ein Satellit extra zu der Region gesteuert werden muss, um die es geht.
Das sei "durchaus erschwinglich und auch nicht teurer, als einen Fotografen zu dem entsprechenden Ort zu schicken", schreibt Lars Bromley, Leiter der Abteilung Geospatial Technologies bei der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in einer Email. Die AAAS ist die weltweit größte Wissenschaftsgesellschaft, sie gibt unter anderem das Magazin Science heraus. Und sie ist eine von zwei Organisationen, die für Menschenrechtler Satellitenbilder besorgen und auswerten (Nummer zwei ist zu den Vereinten Nationen gehörende Unosat).
Die Finanzierung sei nicht das Problem, sagt auch Bouckaert. Zumindest, wenn man nur ein paar Bilder brauche. Eine ganze Region wie Darfur über längere Zeit zu überwachen , kann dagegen 100.000 Dollar kosten. Doch sind große Organisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch in der Lage, auch das zu bezahlen. Vor allem, da die Ergebnisse so beeindruckend sind. Probleme, gezielt Spenden für solche Projekte zu bekommen, haben nach eigener Aussage weder Human Rights Watch noch die AAAS.
"Sehr viel größere Schwierigkeiten haben wir damit, Bilder ausreichend hoher Auflösung zu bekommen und die Expertise bereitzustellen, um diese gründlich auswerten zu können", sagt Bouckaert.
Doch gilt es zuerst, viel banalere Probleme zu bewältigen. Das größte ist, den richtigen Ort zu finden. Die wohl wichtigste Datenbasis überhaupt, heißt es in einer Studie der AAAS zu dem Thema, seien Listen mit Ortsnamen. Schließlich bezögen sich die meisten Berichte von Gräueltaten auf ein bestimmtes Dorf oder auf eine konkrete Stadt. Das Vorhandensein genauer GPS-Koordinaten dagegen, die es zu Steuerung eines Satelliten braucht, sei eher ungewöhnlich. "Der Prozess, den Ort eines Angriffs basierend auf Berichten von Zeugen genau zu lokalisieren, bleibt vergleichsweise mühsam und schwierig, auch aufgrund der Notwendigkeit, Namen aus den örtlichen Sprachen und Dialekten ins Englische zu übersetzen." Dazu komme, dass es nicht immer detaillierte Karten gebe. "Grundsätzlich kann die Lokalisierung eines bestimmten Dorfes allein anhand von Zeugenberichten extrem schwierig, ja oft unmöglich sein", heißt es in der Studie.
- Datum 09.01.2009 - 19:05 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Bie besten und genauesten Bilder nützen wenig, wenn sie nicht von Profis aufbereitet und verbreitet werden. Kriege werden seit langem von Werbeagenturen vorbereitet, durch "embedded journalism" begleitet. Die Meinungsindustrie sorgt für das gewünschte BILD in den Köpfen. Weinende Kinder bevorzugt. Dass jeden Tag über 20tausend Kinder Hungers oder mangelnder hygienischer Versorgung wegen krepieren, interessiert vielleicht vor Weihnachten kurz, es ist halt der Preis unserer Freiheit = Marktwirtschaft - den sie bezahlen müssen.
"Menschenrechte" sind zu einem Begriff geworden, der jeweils von interessierter Seite mit anderem Inhalt versehen wird.
Sie verhungern zum Frommer der Gier des Grosskapitals.
_________________________________________________
In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
______
Sie verhungern zum Frommer der Gier des Grosskapitals.
_________________________________________________
In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
______
Sie verhungern zum Frommer der Gier des Grosskapitals.
_________________________________________________
In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
______
Organisationen wie AI, HRW und AAAS verdienen hohe Anerkennung für ihre Initiative und für die Aufarbeitung von dem Bildmaterial, das in dem Artikel erwähnt wird. Ihr Augenmerk ist um so bemerkenswerter, weil die Erdbeobachtungssatelliten nicht unbedingt zur Ueberwachung von Menschenrechten entwickelt und eingesetzt worden sind. Die Anwendung belegt jedoch, dass Menschenrechtsverletzungen eine geografische Dimension erreicht haben, die sich offensichtlich mittels der Fernerkundung durch Satelliten aus dem All messen lässt. Die Bilder der Pressefotografen vom menschlichen Leiden 'vor Ort' mögen zwar für den Betrachter eindringlicher sein, können aber nicht unbedingt dessen horrendes Ausmass belegen. Nun ist es allerdings bedauerlich, dass es ist bislang nur in ganz seltenen Fällen gelungen ist, Satellitenbildaufnahmen als legales Beweismittel auch vor Gericht geltend zu machen. Da besteht erheblicher Nachholbedarf. Dabei ist die Satellitenbildtechnologie ziemlich ausgereift. Wie so oft, wenn sie zur Vorbereitung und Ausübung von staatlich legitimierter Kriegsführung und -überwachung benutzt wird, sollte sie auch zum Nachweis von Menschrechtsverletzungen einsetzbar und rechtlich legitimiert sein. Bleibt zu hoffen, dass letzteres in Zukunft besser gelingt!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren