Medizinexperiment Kurz bevor die Puste ausgeht
Ärzte messen auf dem Mount Everest den niedrigsten Sauerstoffgehalt im menschlichen Blut. Der Rekordversuch soll Schwerkranken helfen – wie ist allerdings noch nicht klar

© Paula Bronstein/Getty Images
Der Mount Everest ist mit 8848 Metern der höchste Berg der Welt und liegt im Himalaja-Gebirge. Britische Ärzte nahmen sich unterhalb des Gipfels auf 8400 Metern Blut ab – im Dienste der Wissenschaft
Minusgrade und luftige Höhen schrecken manche Mediziner offenbar nicht ab, wenn es darum geht, der Forschung einen Dienst zu erweisen. Unterhalb des Gipfels des Mount Everest, in etwa 8400 Metern Höhe, wagten Ärzte vom University College London einen Selbstversuch: Einige Mitglieder der Expedition nahmen ihre Sauerstoffmasken ab und harrten zwanzig Minuten in der frostig-dünnen Luft aus. Anschließend ließen sie ihre Hosen runter, um aus der Oberschenkelarterie Blut zu entnehmen.
Etwas tiefer auf 6400 Metern Höhe, wurde anschließend der Sauerstoffgehalt von vier Blutproben untersucht. Das Ergebnis ist ein Rekord: Im Schnitt ermittelten die Wissenschaftler einen Wert von 3,28 Kilopascal (kPa) Sauerstoff in ihrem Blut. Der niedrigste Wert lag bei 2,55 kPa, schreiben die Forscher im New England Journal of Medicine.
In extremen Höhen sinkt der Sauerstoffdruck in den Arterien und damit der Anteil des lebensnotwendigen Gases im Blut. Gesunde Menschen haben einen Sauerstoffdruck zwischen 12 und 14 kPa. Mit einem Wert weniger als acht kPa gilt ein Mensch bereits als ernsthaft krank. Die gemessenen Blutwerte der Forscher seien außergewöhnlich niedrig, sagte der Leiter der Gruppe Mike Grocott nach der Expedition. "Bei Patienten sehen wir solche Werte nur, wenn sie kurz vor einem Herzstillstand stehen oder bereits einen erleidet haben".
Grocott und sein Caudwell Xtreme Everest Team hoffen mit ihrem Versuch auf dem höchsten Berg der Welt schwer kranken Menschen helfen zu können. Schließlich zeigen die Ergebnisse, welch extremen Sauerstoffmangel der menschliche Körper aushalten könne. Allerdings gibt es schon einen Unterschied zwischen lebensbedrohlich Kranken und gesunden Bergsteigern.
- Datum 08.01.2009 - 13:36 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, 8.1.2009 - 12:48 Uhr
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Werter Herr Stockrahm,
So verdienstvoll und heroisch aufopfernd die Londoner Ärzte ihren Blutsauerstoff jenseits der "Todeszone" maßen, sie hatten sich vorher aufgesättigt und danach erschöpft ausgeatmet, so seltsam mutet an, das dass Kohlendioxid, das zweite Atemgas, nicht genannt wurde und auch von pH und Basenpuffern nicht die Rede war.
Diese Faktoren spielen nämlich bei akuten und chronischen Atemwegserkrankungen und intensiven Problemen mit der Atmung ebenfalls eine entscheidende Rolle.
Vielleicht steht das ja im Fachartikel und nicht auf der Webseite der Expedition?
Grüße
Christoph Leusch
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren