Interventionen Schmidt gegen Einmischung in anderen Staaten
Der Altkanzler lehnt Interventionen in Krisenländern ab, selbst aus humanitären Gründen. Denn sonst drohe irgendwann ein Dritter Weltkrieg
"Es gibt eine Reihe von Staaten, wo man aus Gründen der Mitmenschlichkeit eigentlich eingreifen müsste, nicht nur große Staaten wie den Kongo, auch kleine wie Simbabwe oder Somalia", sagte der ZEIT-Herausgaber und ehemalige Bundeskanzler dem ZEITmagazin . "Aber wenn wir uns überall einmischen wollten, wo himmelschreiendes Unrecht geschieht, dann riskierten wir den Dritten Weltkrieg."
Für Schmidt gibt es immer mehrere Möglichkeiten der Einmischung. Dazu gehöre auch die militärische Intervention. "Aber kaum eine besitzt wirklich positive Erfolgsaussichten. Es ist unausweichlich ein Element der conditio humana, dass es Grausamkeit, Verfolgung und Unterdrückung immer wieder gibt", sagte er und fügte hinzu: "Die Menschen werden vielleicht eines Tages einsehen, dass man Gewalt nicht mit Gewalt ausrotten kann."
Zur gegenwärtigen Lage im Osten des Kongos sagte Schmidt: "Wenn der Westen sich hier aus Motiven der Mitmenschlichkeit ernsthaft einmischen will, dann müsste er es in ganz großem Maßstab tun, mit Zehntausenden von Soldaten und mit sehr vielen zivilen Helfern. Dann würde sich aber, leider Gottes, sehr schnell herausstellen, dass die entsendenden Staaten mit dieser Mission zugleich auch imperiale und ökonomische Motive verknüpfen. Sie sehen das auch in Afghanistan."
- Datum 14.01.2009 - 15:07 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 11
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... aber die (von ihm oder von Ihnen?) angeführten Gründe betrachte ich mit Skepsis.
Ulrich Ladurner hat in seinem Afghanistan-Kommentar
http://kommentare.zeit.de...
geschrieben
Das liegt auch daran, dass keiner beschreiben kann, wie ein Sieg in Afghanistan denn aussähe.
Nur, wenn man genau dies tun kann, besteht eine Möglichkeit, dass ein Militäreinsatz Erfolg versprechend ist. Schon deshalb, weil dadurch die benötigten Mittel definiert werden. (Umgekehrt: Deshalb wird es auch in Ex-Jugoslawien nichts.)
Und dies ist das typische Kennzeichen dafür, dass Dilettanten im sicheren Berlin fremde Leute Krieg spielen lassen.
Hauptsache, nicht sie und ihre Kinder, sondern andere müssen den Kopf hinhalten - oder, in Zeiten des Minenkrieges, die Beine.
es gibt viele,viele Laender die noetig Hilfe brauchen um die Lebensqualitaet fuer die Menschen dort zu verbessern aber diese Laender sind wie viele Drogensuechtige, denen kann man auch nur helfen wenn sie sich bewusst werden dass sie Hilfe brauchen.
Ohne das Eingreifen der Alliierten in den zweiten Weiltkrieg, hätte ich mit Sicherheit keine so wundervollen 66 Jahre verlebt.
Helmut Schmidt säße jetzt als Stadthalter wahrscheinlich irgendwo in Sibirien.
Vielen Dank Amerika!
dass Deutschland Amerika den Krieg erklärt hat, oder?
Ausserdem ist das ein sehr schönes Beispiel für meine These. Ein Sieg in Europa? Deutschlands unbedingte Kapitulation.
Nun, das Kriegziel forderte schon immense Mittel ....
Ob seine These richtig ist oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Soviel politische Erfahrung und Hindergrund wie Helmut Schmidt habe ich nicht. Ich tendiere zu seiner Meinung, halte aber auch die Aussage des Kommentators für richtig, der darauf hinweist, dass der zweite Weltkrieg ohne das Eingreifen der Alliierten zu keinem guten Ende für Deutschland gekommen wäre.
Doch es gibt auch andere Möglichkeiten, als militärisch einzugreifen. Wirtschaftliche Abschottung, Einfrieren von Geldern, Ächtung der Machthaber bzw. Verantwortlichen, um nur einige zu nennen. Doch das funktioniert in der Regel nicht so gut, und zwar ausnahmslos, weil es an Konsquenz fehlt. Da führen unsere Politiker doch lieber Krieg als Geschäfte zu unterbinden, die der jeweiligen Wirtschaft finanzielle Einbußen beschert. Und Deutschland reiht sich nahtlos ein.
Um Denker
Menschen, die sich dort ohne Waffen den Menschen und ihren Nöten widmen. Geradezu skandalös, daß es Menschen auch dieses Landes sind, die den Menschen ihres Landes das Leben schwer machen. Und ja, dazu gehört auch die Politik. Waffen zu bauen ist schlimm genug. Sie auch noch einzusetzen umso schlimmer. Doch am schlimmsten ist es zu behaupten, wir wären unschuldig !
Danke Helmut (Loki), für Deine (Eure) beherzte, wohlüberlegte Warnung...
Danke an die Redaktion für diesen Lichtblick !
Ich gebe dem Altkanzler Helmut Schmidt nur zum Teil Recht.
Richtig ist, dass wir uns nicht wie ein Teebeutel überall rein hängen sollten. Besonders ist es verheerend, wenn wir uns in einen Bürgerkrieg einmischen.
Gut, dass der Gerhard damals beim bevorstehenden Irakkrieg zum Bush
sinngemäß gesagt hat: "Mit uns nicht!"
Harald Kaufmann sagt bzw. fragt völlig zu Recht: "Was haben Deutsche am Hindu zu suchen?" Meine Antwort lautet: "Nichts!" Genauso wenig hatten wir Deutsche Anfang der 40er Jahre etwas in Warschau, Moskau, London, Paris usw, zu suchen gehabt. Viele -auch ich- sind froh, dass damals die Amis
nicht gesagt haben: "Da halten wir uns raus!"
Helmut Schmidt und alle anderen sollten sich bei solchen Äusserungen
beide Seiten der Medallie anschauen.
Man muss Kompromisse machen und immer wieder
neu nach dem besten Weg suchen.
Vorallem darf ohne das Mandat der UNO kein Einmarsch erfolgen.
Bush hat ja die *UNO* zu einem "Debattierclub" disqualifiziert.
Das darf nie wieder geschehen. Bloß gut,
dass er bald nichts mehr zu sagen hat.
Alles wird gut
Erhard
Schade, dass Helmut Schmidt in "Auf eine Zigarette" die Kritik an der SPD nicht heraus lässt.
Andererseits bewundere ich seine Loyalität in Zeiten der Beliebigkeiten.
Schade, dass Helmut Schmidt in "Auf eine Zigarette" die Kritik an der SPD nicht heraus lässt.
Andererseits bewundere ich seine Loyalität in Zeiten der Beliebigkeiten.
Es ist völkerrechtlich problematisch, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen.Aber es hat immer sogenannte Friedensmissionen der Vereinten Nationen gegeben.Da agieren diese Truppen wie eine internationale Schutztruppe oder Polizeieinheit.
Es gibt im globalen Maßstab viele Krisenregionen. Wieviele Truppen würden gebraucht, um überall auf der Erde den Einsatz von Waffengewalt zu unterbinden?Zur Zeit übersteigt dass die persönlichen und finanziellen Ressourcen der Mitgliedsstaaten.Oft, wie im Fall des zerfallenen ehemaligen Jugoslawien stehen auch unterschiedliche Interessen gegeneinander und Schuldzuweisungen an eine Partei schaffen neues Unrecht.
Die Medien tragen bei Konflikten oft ein gehöriges Maß an Mitschuld durch einseitige, parteiische Berichterstattung, die ein Klima in den Entsendestaaten von Militär schafffen, das einen Militäreinsatz der breiten Öffentlichkeit für geboten erscheinen lässt, obwohl er keineswegs geeignet ist, den Konflikt zu lösen sondern eine Dauerpräsenz fremder Truppen erfordert.
Es ist also jeweils genau zu prüfen, ob der Einsatz einer internationalen Schutztruppe geeignet ist, eine Region in einem fremden Staat zu befrieden, der nicht unter das Verteidigungsversprechen im Angriffsfall laut Statut der NATO fällt.
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