Podolski verlässt Bayern München Nicht kompatibel mit dem System Hoeneß

Der Fall Podolski ist einer von vielen Fehleinkäufen, die Uli Hoeneß’ Personalpolitik zu verantworten hat. Ein Kommentar

Ivica Olic wird kommen, Lukas Podolski wird gehen. Übliche Praxis im Profifußball, ein Stürmer für den anderen. Bayerns Manager Uli Hoeneß versucht noch, Podolskis Preis in die Höhe zu treiben, um zumindest die 2006 investierten zehn Millionen Euro wieder einzunehmen. Doch es lässt sich nicht verkennen: Podolski hat in München drei wichtige Entwicklungsjahre verschenkt, und auch der FC Bayern ist schuld daran, er sollte von einem Transfer-Flop sprechen.

Der Fall Podolski ist einer von vielen Fehleinkäufen, die Hoeneß’ Personalpolitik zu verantworten hat. Die Ausgangslage ist vor jedem Transfer stets dieselbe: In erster Linie geht es um die Erweiterung sportlicher Qualitäten – für den Verein und für den Spieler. Ein Lockruf aus München kommt in der eitlen Branche einem Ritterschlag gleich.

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"Man muss Ellenbogen zeigen", sagt Thorsten Fink, zwischen 1997 und 2003 Bayern-Profi. Er selber tat dies, obwohl zunächst nur als Ergänzungsspieler verpflichtet, und schaffte es im Gegensatz zu vielen anderen zur Stammkraft. Die Integration neuer Spitzenkräfte klappte dann am besten, wenn ganze Spielergruppen von anderen Vereinen gekauft wurden. Fink kam einst zusammen mit Michael Tarnat von der damaligen Talentschmiede Karlsruher SC, von wo Hoeneß auch Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Oliver Kreuzer und Michael Sternkopf verpflichtet hatte. Da bediente er sich nicht nur der exzellenten Spielerschulung der Badener, sondern sicherte sich gleich ein ganzes Integrationsprojekt. Der KSC erholte sich von diesem Raubbau nicht und rutschte zwischenzeitlich in den Amateurfußball.

Negativ hingegen fällt die Bilanz beim Abwerben prominenter Akteure vom Rivalen Werder Bremen aus. Weder Andreas Herzog noch der französische Feingeist Valérien Ismael oder der widerspenstige Charakterkopf Torsten Frings wurden in Bayern glücklich. Ein Beleg dafür, dass es manchen Spielern nicht genügt, viel Geld zu bekommen.

Einerseits prägt das großfamiliäre Anspruchsdenken die seit knapp 30 Jahren währende Hoeneß-Ägide positiv. Andererseits wird genau dies zur Gefahr, falls sich ein Spieler nicht so einfach der heilen Bayern-Welt fügt. Wie Lukas Podolski. Nicht kompatibel mit der vom Verein teuer erkauften und zur Not auch autoritär verordneten Fügung unter das System Hoeneß. "Wir brauchen Typen, die an der Aufgabe FC Bayern wachsen. Der eine oder andere hat da ein Problem", hat Hoeneß vor Jahren gesagt. "Erst nach den Transfers schauen wir, ob es passt."

Hoeneß macht natürlich auch vieles richtig und hat gelungene Transfers vorzuweisen. Er hat bisweilen ein Gespür für kommende Größen. Das war bei Scholl so, der fast zu seinem Ziehsohn wurde. Und bei Oliver Kahn, dessen Ehrgeiz wohl nur von Hoeneß selbst zu toppen war. Auch die beiden Superegos Stefan Effenberg und Lothar Matthäus hatten Erfolg. Superstar Michael Ballack verabschiedete sich aus München mit dem Verweis darauf, dass Bayern international keine wirkliche Topadresse sei.

Von Ivica Olic wird außer Tore schießen viel verlangt werden. Der Wechsel zu Bayern erfordert mehr als das sportliche Anpassen an allerhöchste Vorgaben. Das wird auch der Familienmensch Olic erfahren. Münchens Spieler müssen auch als Protagonisten einer riesigen Marketing- und Medienmaschine dienen. Der kroatische Stürmer hat einen Vertrag bis 2012, er wird das Ende der Hoeneß-Ära miterleben.

Hoeneß werde sich, sagt er, 2010 in den Aufsichtsrat zurückziehen und das operative Geschäft einem anderen überlassen. Es heißt, ein "würdiger" Nachfolger sei noch nicht in Reichweite. Vielleicht wird einiges besser, wenn der Nachfolger von Uli Hoeneß keine Kopie von Uli Hoeneß wird.

 
Leser-Kommentare
  1. Werter Herr Sonnleitner,

    aus Ihrer derart einseitigen Sicht der Dinge spricht offensichtlich der Hass auf den Erfolg des FC Bayern München. Objektiv betrachtet sollte man sehen, dass zu einer erfolgreichen Integration immer zwei gehören und dass es Herr Podolski bei 3 Trainern inklusive seines früheren Mentors Klinsmann nicht geschafft hat sich durchzusetzen.
    Dass "Prinz Poldi" trotz seiner gern geäußerten Selbstüberschätzung nicht zu einem Spitzenverein wechseln möchte, sondern zum Underdog nach Köln spricht für sich. Möge er dort glücklich werden, ein großer Fußballer wird er jedenfalls nicht.
    Im übrigen wird der FC Bayern vermutlich in etwas die gleiche Ablösesumme zurück bekommen, die er einst investiert hat. Also kann auch aus finanzieller Sicht nicht unbedingt von einem Fehleinkauf gesprochen werden. Zuguterletzt sei die Frage erlaubt, warum der FC Bayern deutsche Titel in Serie gewinnt und als einziger deutscher Verein - wenigstens an guten Tagen - einigermaßen in der Lage ist international mitzuhalten, wenn Uli Hoeness so schlechte Arbeit leistet und ständig Fehleinkäufe tätigt.
    Daher bitte ich Herrn Sonnleitner sehr seine Artikel besser zu recherchieren bzw. objektiv zu gestalten und seine subjektive Abneigung gegen den FC Bayern nur in einschlägigen Fankreisen zu äußern.

    Vielen Dank!

  2. Das Theater, das Podolski aufgeführt hat, war einfach lächerlich. Der hat nur geweint, weil er gegenüber wirklichen Top-Spieler wie Luca Toni oder Miro Klose nicht einen ungerechtfertigten Vorzug bekam.
    Bei Bayern mussten schon ganz andere auf der Bank sitzen. Podolski hat nur herumgeheult, anstatt eine Leistung zu bringen, die es wert ist, von Anfang an aufgestellt zu werden.

    Und das System Hoeneß ist vollkommen richtig. Etwas anderes als seine Beibehaltung würde ich als Fan nicht gutheißen. Das Bayern-Management ist eine Klasse für sich. Hoffentlich führen irgendwann Scholl und Kahn den Verein im Hoeneß-Geist weiter.

    • zetti
    • 13.01.2009 um 15:40 Uhr

    Als einziges Mittel um das von Herrn Sonnleitner erkannte Problem der Fehleinkäufe mit tragischen Folgen für Spieler und deren ursprüngliche Vereine kann da doch nur eine Ergänzung im Sportmedizinischen Bereich sein: Ein psychiatrisches Gutachten des betreffenden Sportlers zur künftigen Entwicklungsfähigkeit in der bösen Hoeneswelt.

    Man könnte da ja im Strafvollzug fündig werden, wo dies ja auch Grundlage zur Endscheidung für Begnadigung, bzw. der weiteren Verbringung im geschlossenen psychiatrischen Vollzug von Triebtätern ist.

    Super- oder?

    Zetti

  3. Wenn der FC Bayern bei dem geplanten Transfer von Poldi mehr als Euro 10 Mio. erlöst, dann hat der FC Bayern nicht sehr viel verkehrt und nicht sehr viel Geld kaputt gemacht.

    Wenn die Bayern einen Spieler 'kaufen' und dadurch vom Markt nehmen, dann steht er anderen Clubs, den stärksten Wettbewerbern in der Liga, nicht zur Verfügung.

    Poldi war auch eine Option, um mit ihm bei einem Transfer zu einem der finanzstarken Clubs, eine gute Rendite zu erzielen.

    Vielleicht hätte das Bayern-Management sogar erkennen können, daß Poldi und ganz besonders seine Partnerin, der Mutter des gemeinsamen Kindes, in der Fremde, weg vom heimischen Clan, Probleme bekommen könnten. Nur, es wäre kein Argument gewesen, ein so bedeutendes 'Talent' nicht unter Vertrag zu nehmen.

    Das Problem ist Poldi selbst. Seine Einstellungen und Haltungen taugen offensichtlich nicht, um sich auf der nationalen Top-Ebene des Profifußballs durchzusetzen. Schlecht ist auch der Einfluß, mit dem der ständig aus seiner Familie bzw. seines persönlichen Umfeldes konfrontiert wird. Irgendwie scheint er auch schlecht beraten zu werden und wird nicht mit den Anforderungen, die in der Realität von einem Profi zu erfüllen sind, konfroniert.

    Wenn Poldi jetzt nach Köln zurück geht, dann kommt dieses einer Niederlage gleich - für ihn. Wird er, verwöhnt und stets 'gepampert', sich von diesem Rückschlag je wieder erholen?

    Die Herausforderung Bayern hat Poldi nicht bestanden. Höneß hat, so wie sich die Entwicklung im Moment abzeichnet, keinen Fehler gemacht, wenn Poldi in den rheinischen Karneval zurück kehrt. Bayern war eine Nummer zu groß für den unprofessionellen Poldi!

  4. Ihre recht einseitige Betrachtung des Thema´s "Bayern Transfers" ist Ihre Sache, jedoch sollten Sie zumindest bei den Fakten bleiben:

    Sie schreiben:
    "Negativ hingegen fällt die Bilanz beim Abwerben prominenter Akteure vom Rivalen Werder Bremen aus. Weder Andreas Herzog noch der französische Feingeist Valérien Ismael oder der widerspenstige Charakterkopf Torsten Frings wurden in Bayern glücklich. Ein Beleg dafür, dass es manchen Spielern nicht genügt, viel Geld zu bekommen."

    Fakt ist jedoch das Thorsten Frings nicht von Werder Bremen zum FCB gewechselt ist sondern umgekehrt! Wenn sie Ihrer Bayern Aversion schon freien Lauf lassen müssen, würde ich Sie bitte wenigstens vorher gründlich zu recherchieren!

    Beste Grüße

  5. Natürlich ist Ulis Transferpolitik vor allem deswegen erfolgreich, weil immer wieder anderen Vereinen die besten Spieler weggekauft werden und man sich so in der Liga Vorteile verschafft (international ist Bayern seit 2001 ja wahrlich kein großes Licht mehr). Am Beispiel Schalke, die ja ähnlich vorgehen, kann man allerdings sehen, dass das nicht direkt zum Erfolg führt, sondern man schon sorgfältig auswählen muss. Bayern kann es sich dennoch erlauben, ja es kalkuliert meiner Ansicht nach gar mit ein, dass die Hälfte der Neuzugänge eh auf der Bank versauert und bestenfalls zu Kurzeinsätzen kommt. Spieler wie Vahid Hashemian, Tobias Rau, oder Jan Schlaudraff haben das am eigenen Leib erfahren und sind in der fußballerischen Versenkung verschwunden. Am Fall Lukas Podolski, dass eine solche Politik auch persönliche Konsequenzen haben kann. Vielleicht war das bei Rau, Schlaudraff und Co. auch so, da hat es nur keine Sau interessiert. Und Poldi hat in Köln die Unterstützung seiner Familie, dass kann mehr wert sein als alles Geld aus der Hoeneßschen Wurstfabrik. Aber so einen Gedankengang kann man der gemeine Bayern-Fan kaum nachvollziehen. Sonst wär er ja 60er.

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    Es ist sehr wohl nachzuvollziehen, dass man eine vertraute Umgebung mit Familie etc. einem evtl. höheren Gehalt oder besseren beruflichen Perspektiven vorzieht. Nur deshalb haben beispielsweise die Herren Lahm und Schweinsteiger beim FC Bayern verhandelt statt in England oder Spanien ihr sportliches Glück zu suchen.
    Im Falle Podolski nervt jedoch dessen präpubertäres Gehabe gewaltig. Kein vernünftiger Bayern-Fan hätte was dagegen einzuwenden gehabt, wenn Herr P. offen und ehrlich zugegeben hätte was Sache ist ohne die Schuld bei anderen zu suchen. So wurde der Wechsel von Torsten Frings zurück nach Bremen im übrigen auch gesehen, nachdem dieser einfach zugegeben hat, dass ihm dort das Umfeld besser tut und er sich wohler fühlt. Das macht ihn durchaus sympathisch.

    Es ist sehr wohl nachzuvollziehen, dass man eine vertraute Umgebung mit Familie etc. einem evtl. höheren Gehalt oder besseren beruflichen Perspektiven vorzieht. Nur deshalb haben beispielsweise die Herren Lahm und Schweinsteiger beim FC Bayern verhandelt statt in England oder Spanien ihr sportliches Glück zu suchen.
    Im Falle Podolski nervt jedoch dessen präpubertäres Gehabe gewaltig. Kein vernünftiger Bayern-Fan hätte was dagegen einzuwenden gehabt, wenn Herr P. offen und ehrlich zugegeben hätte was Sache ist ohne die Schuld bei anderen zu suchen. So wurde der Wechsel von Torsten Frings zurück nach Bremen im übrigen auch gesehen, nachdem dieser einfach zugegeben hat, dass ihm dort das Umfeld besser tut und er sich wohler fühlt. Das macht ihn durchaus sympathisch.

  6. Es ist sehr wohl nachzuvollziehen, dass man eine vertraute Umgebung mit Familie etc. einem evtl. höheren Gehalt oder besseren beruflichen Perspektiven vorzieht. Nur deshalb haben beispielsweise die Herren Lahm und Schweinsteiger beim FC Bayern verhandelt statt in England oder Spanien ihr sportliches Glück zu suchen.
    Im Falle Podolski nervt jedoch dessen präpubertäres Gehabe gewaltig. Kein vernünftiger Bayern-Fan hätte was dagegen einzuwenden gehabt, wenn Herr P. offen und ehrlich zugegeben hätte was Sache ist ohne die Schuld bei anderen zu suchen. So wurde der Wechsel von Torsten Frings zurück nach Bremen im übrigen auch gesehen, nachdem dieser einfach zugegeben hat, dass ihm dort das Umfeld besser tut und er sich wohler fühlt. Das macht ihn durchaus sympathisch.

    Antwort auf "Ulis Transferpolitik"
  7. ... keiner hat dem Poldi verboten, in München ordentliche Leistungen abzuliefern. Wenn man ihn benötigte und er das Vertrauen bekam - versagte doch meist die Einstellung. Er wurde viel zu früh hochgejubelt und konnte im Vergleich zu Stammspielern nur mit köllschen Sprüchen glänzen. Doch das reicht in München nicht. Es kann auch nicht am Trainer gelegen haben - bei keinem konnte er überzeugen und sich durchsetzen. Er sollte doch vielmehr vor der eignen Haustür kehren oder sich eingestehen, daß die Einstellung und seine sportliche Leistung für einen Spitzenclub bisher nicht ausreichend waren. Ich war von ihm immer enttäuscht, wenn ich ihn live im Stadion gesehen habe.

    Zur Neiddebatte um Uli mal keinen Kommentar - er macht seit Jahren einen klasse Job. Wenn wir im BL-Fußball mehr solcher Leute über einen längeren Zeitraum in den Managmentetagen gehabt hätten, müßten international nicht immer nur die Bayern die Kohlen aus dem Feuer holen.

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