Amtseinführung Obama Kalte Zeiten für mächtige Männer
Manche Vereidigungen waren sehr frostige Veranstaltungen, andere sehr hitzig. Schließlich wird der mächtigste Mann der Welt offiziell eingeführt.
Die Amtseinführung von Präsidenten ist tief in der US-Tradition verwurzelt. Seit 1937 findet sie regulär an einem 20. Januar statt. Der Amtseid, wie ihn George Washington am 30. April 1789 in New York erstmals leistete, ist in der Verfassung genau festgeschrieben. Viele seiner Nachfolger setzten aber eigene Akzente.
Der Demokrat Thomas Jefferson wurde am 4. März 1801 als erster Präsident in Washington vereidigt. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit ritt er 1805 zu den Klängen einer Militärkapelle vom Capitol zum Weißen Haus. Normalerweise finden die Amtseinführungen im Freien statt. So auch am 4. März 1841, als William H. Harrison während eines eisigen Sturms ohne Mantel eine 90 Minuten lange Rede hielt. Dabei holte er sich eine Lungenentzündung und starb genau einen Monat später.
Auch als Ronald Reagan 1985 seine zweite Präsidentschaft begann, war es mit etwa minus 14 Grad Celsius sehr kalt. Deswegen fand die Zeremonie unter dem Dach des Capitols statt. Als der Demokrat John F. Kennedy am 20. Januar 1961 den Eid leistete, hatten sich vor dem Capitol in Washington etwa 60.000 Menschen versammelt. Sie und Millionen Fernsehzuschauer hörten den wohl berühmtesten Satz einer ersten Präsidentenrede: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst."
Wie an ersten Amtstagen üblich, begann der 20. Januar 2001 für den Republikaner George W. Bush mit Gebeten und endete mit Bällen am Abend. Am Rande der Feierlichkeiten protestierten Tausende dagegen, dass Bush und nicht sein demokratischer Gegenkandidat Al Gore nach einem langen juristischen Gerangel die Wahl gewonnen hatte.
Der US-Präsident gilt schließlich als der mächtigste Mann der Welt. Denn er steht an der Spitze des weltweit einflussreichsten Staates und führt einen gigantischen Apparat von Behörden. Nach der Verfassung der Vereinigten Staaten ist er Staats- und Regierungschef in einem, außerdem Oberkommandierender der Streitkräfte. Damit kann er in eigener Entscheidung Truppen in einen Krieg schicken und muss erst nach 90 Tagen dem US-Parlament Rechenschaft darüber ablegen. Er hat auch die Kontrolle über die zahlreichen Atomwaffen der USA.
Gesetzesvorlagen aus dem Kongress kann der erste Mann im Staat mit einem Veto blockieren. Zudem ernennt der US-Präsident die Richter des Obersten Gerichts, des Supreme Court, die über zahlreiche wichtige verfassungsrechtliche und gesellschaftspolitische Fragen entscheiden. Die Machtfülle des Präsidenten wird allerdings durch das Prinzip der "Checks and Balances" begrenzt. Die Gewaltenteilung zwischen den politischen Institutionen soll der Konzentration von Macht und deren Missbrauch vorbeugen.
Der Präsident kann innerhalb einer Amtsperiode nur einmal wiedergewählt werden. Einzige Möglichkeit, einen US-Präsidenten gegen seinen Willen abzusetzen, ist ein Amtsenthebungsverfahren oder "Impeachment". Dafür braucht der Senat eine Zwei-Drittel-Mehrheit.
- Datum 16.01.2009 - 16:27 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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