Großer Beifall brandete auf, als die Musiker mit ihren Instrumenten die Bühne der Berliner Staatsoper betraten. Die Welle der Sympathie, die ihnen entgegenschlug, machte sie sichtlich verlegen, ihre Gesichter blieben ernst. Geplant war dieser Auftritt ursprünglich nicht. Wegen der Kämpfe im Gaza-Streifen musste das West-Eastern Divan Orchestra jedoch kurzfristig die Stationen seiner Jubiläumstournee ändern.

Zehn Jahre nach seiner Gründung sollte das Orchester aus Israelis, Arabern, Iranern, Spaniern und Türken in diesem Monat erstmals in Katar und der ägyptischen Hauptstadt Kairo auftreten. Da die dortigen Behörden aber eine ausreichende Sicherheit nicht garantieren konnten, gaben die Musiker stattdessen zwei kurzfristig angesetzte Sonderkonzerte in Berlin, die flugs ausverkauft gewesen waren.

Kraftvoll und leidenschaftlich spielten sie unter Leitung von Daniel Barenboim Brahms' Vierte Sinfonie und Beethovens Fünfte, die sie im Sommer 2005 bereits bei ihrem legendären Konzert in Ramallah im Westjordanland aufgeführt hatten. Das Berliner Publikum dankte es ihnen mit stehenden Ovationen.

"Jeder in diesem Orchester spielt um sein Leben", hatte Barenboim zuvor erklärt. Dass Musizieren mehr ist als nur ein Beruf, wird in diesem Kreis besonders deutlich. 1999 brachten der israelisch-argentinische Dirigent und der inzwischen verstorbene palästinensische Literaturwissenschaftler Edward Said erstmals junge israelische und arabische Musiker zu einem Workshop in Weimar zusammen.

In Anlehnung an Goethes Gedichtsammlung West-östlicher Divan gründeten die beiden Freunde daraufhin ein Orchester, um Brücken zwischen Völkern zu schlagen, die sich nie richtig kennenlernen konnten. Barenboim betont stets die humanistischen Ziele seines Projekts, das er als unpolitisch verstanden wissen will. Und doch sind hier Kunst und Politik aufs Engste miteinander verbunden.

Diskussionen über die politische Situation im Nahen Osten gehören ebenso zum Alltag des Orchesters wie Proben und Konzerte. "Vor allem in diesen Tagen sitzen wir viel vor dem Fernseher, um zu beobachten, wie sich die Lage im Gaza-Streifen entwickelt", berichtet der israelische Geiger Guy Braunstein, der erster Konzertmeister bei den Berliner Philharmonikern ist. Einig zeigt sich das Orchester darin, dass der Nahost-Konflikt nicht auf militärischem Weg zu lösen sei und dass für Israelis und Palästinenser gleiche Rechte gelten müssten. In anderen Punkten gingen die Meinungen aber stark auseinander, manchmal gebe es sogar Streit, sagt Braunstein. Zugleich sei den Musikern bewusst, dass sie gerade jetzt gemeinsam auftreten und Zusammenhalt beweisen müssten.