Der Klimaschutz ist ihm wichtig. Selbst in seiner Antrittsrede beschwört der neue amerikanische Präsident Barack Obama die erneuerbaren Energien als "neue Grundlage für Wachstum": "Wir werden die Kraft von Sonne, Wind und Boden nutzen, um unsere Autos zu fahren und Fabriken mit Strom zu versorgen", kündigte er an.

Keine Frage: Mit Obama findet ein Richtungswechsel in der amerikanischen Umwelt- und Klimapolitik statt. Er will die USA unabhängiger von Ölimporten aus instabilen Regionen machen und die Treibhausgas-Emissionen reduzieren, erwägt gar eine Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls. Um seine Klimaschutzziele zu erreichen, setzt er allerdings auch auf die Atomkraft.

Die Klimaschutzziele ohne Atomkraft zu erreichen, hält Obama für unrealistisch. In seinem Plan "New Energy for America" legt er dar, dass der Anteil des CO2-freien Atomstroms an der Stromerzeugung einfach zu hoch sein, um auf ihn zu verzichten. Berechnungen des Time-Magazins zufolge sparen die amerikanischen Meiler schon heute fast soviel CO2 ein, wie die amerikanische Autoflotte emittiert.

"Obama ist nicht wirklich ein Gegner der Atomenergie", sagt Claudia Kemfert, Energieexperten des DIW. "Er will zwar die erneuerbaren Energien stark ausbauen. Aber einhundert Prozent Erneuerbare in den kommenden 15 Jahren, so wie es Al Gore kürzlich vorschlug, sind schwer zu erreichen." Für Obama sei die Kernenergie eine Brückentechnologie. Neue Kernkraftwerke will er nur bauen, wenn radioaktives Material sicher aufbewahrt werden kann, auch um den weltweiten Handel damit zu verhindern.

Mit 104 Meilern – das ist Weltrekord – produzieren die USA rund ein Drittel des weltweiten Atomstroms und etwa ein Fünftel des amerikanischen Strombedarfs. Der Großteil der Kraftwerke steht in den Industriezentren an der Ost- und Südküste. Die meisten stammen aus den 60er und 70er Jahren. Das jüngste Kraftwerk wurde erst 1996 fertig gestellt, nach 23 Jahren Bauzeit. Zwar wurden die Meiler laufend modernisiert  und verbessert – inzwischen haben sie sogar im internationalen Vergleich eine sehr hohe Auslastung. Doch ihre Grundbauweise gilt inzwischen als veraltet. "Das ist Steinzeit-Technologie", kritisiert der internationale Atomexperte und Träger des alternativen Nobelpreises, Mycle Schneider. "Will man jetzt das Klimaproblem lösen, muss man eine Technologie wählen, die schnell und billig ist – Atomkraft aber ist langsam und teuer."

Auch wenn seit mehr als dreißig Jahren in den USA kein neues Kernkraftwerk gebaut wurde, geben Kraftwerksbauer trotzdem nicht ihre Hoffnungen auf eine Renaissance der Atomkraft auf. Der Aufsichtsbehörde NRC liegen zurzeit Anträge von 21 Firmen zum Bau von 34 Atomkraftwerken vor. Der japanische Toshiba-Westinghouse-Konzern will 2016 in Georgia den ersten, neuen Meiler mit einer Kapazität von 1100 Megawatt bauen. Erst Ende Dezember beantragte der französische Atomkonzern Areva den Bau einer zwei Milliarden-Dollar teuren Uran-Anreicherungsanlage in Idaho.