Klimaschutz Endlich aufräumen!

Unsere Erde wird immer schmutziger und wärmer. Thomas L. Friedman will uns erzählen, wie wir das ändern können. Leider nicht sehr überzeugend.

Der Pulitzer-Preisträger Thomas L. Friedman will die Welt retten, eine grüne Revolution von oben! Nun: Zuerst die USA, dann den Rest der Welt. Das wird nicht einfach, ruft er seinen amerikanischen Landsleuten zu. Wir müssen uns zusammenraufen, alle an einem Strang ziehen, “nation-building im eigenen Land“ betreiben. Dann wird es endlich was mit dem Klima. Nebenbei können die USA auch ihre wirtschaftliche und moralische Vormachtsstellung ausbauen. Man müsse nur jetzt schnell anfangen, sonst werde es ungemütlich auf der Erde, auf ewig.

Doch kein Grund zu verzagen, Friedman weiß, was wir tun müssen. Es steht alles in seinem Buch Was zu tun ist. Eine Agenda für das 21. Jahrhundert.

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Bislang war sein Thema die wirtschaftliche Seite der Globalisierung. In seinem Wirtschaftsbestseller Die Welt ist flach beschrieb er die enge globale Vernetzung heutiger Produktionsketten und  eine neue globale Mittelschicht, die die Möglichkeiten des Internet zum ökonomischen Aufstieg nutzt. Alles wachse zusammen, alle gewinnen. Ein Stammplatz im Managerhandgepäck war seinen Büchern sicher.

Jetzt ist Friedman auf den Nachteil der Globalisierung gestoßen: Sie geht zulasten der Umwelt. Denn vielen Menschen geht es immer besser (jedenfalls den durchschnittlichen Menschen), und sie verlangen nach einem westlichen Lebensstil. Der kostet aber eine Menge Energie. Weil die aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird, geht das Klima zuschaden. Wir kennen das. Friedman zitiert die Erklärung von Ted Turner, dem Medienmogul: "Zu viele Menschen verbrauchen zu viel Zeug." Soweit die Problemdiagnose.

Erst nach dem Abschnitt "Ökologie der  Globalisierung" wird es spannender. Friedman zeigt, dass ein niedriger Ölpreis mit Demokratisierung zusammenhängt. Ein steigendes Preisniveau stärkt hingegen autokratische Tendenzen. Je mehr der Westen für Öl bezahlt, desto radikaler und gewalttätiger wird der Islamismus. Auch ohne die Klimaerwärmung müssten die USA deswegen ihre Abhängigkeit von Ölimporten reduzieren. Sonst sei der Kampf gegen den Terror nicht zu gewinnen.

Friedmans Fazit: Wir müssen grün werden, am besten morgen. Damit würde der islamistische Terror besiegt und zugleich die Wirtschaft gestärkt, denn grüne Technologie werde zwangsläufig ein globaler Exportschlager sein.

Lösungen gäbe es genug, sie müssten nur angewendet werden. Friedman verlangt einen grünen Präsidenten, der die Energielobby ignoriert und endlich strenge Gesetze erlässt. Ach, könnte die USA doch nur ein Tag lang China sein, hofft er, dann könnte man alles verordnen, den Markt richtig einstellen und Mindestpreise einführen. Dann könne man erzwingen, dass die längst vorhandenen umweltschonenden Alternativen auch eingesetzt werden. Der Fürst soll’s richten, nicht das grüne Gewissen der Bürger.

Friedman plädiert für höhere Energieeffizienz, Strom aus erneuerbaren Ressourcen, mehr Geld für grüne Technologien. Es soll ein intelligentes Stromnetz geben, das die Waschmaschine nur außerhalb der Hauptlastzeiten anschaltet. Der Treibstoffverbrauch der Autos soll gedeckelt werden, schneller als 90 km/h darf nach Friedmans Willen eh keiner mehr fahren. Alle technischen Geräte müssten aus recycelten Materialen hergestellt sein, alle Häuser besser gedämmt. Bessere öffentliche Verkehrsmittel wünscht er sich auch. Das ist alles so nett, so richtig nett, so ungeheuer nett, dass man sogar seine geforderten 100 neuen Atomkraftwerke abnickt.

Friedman nutzt alle rhetorischen und didaktischen Kniffe, sein Buch liest sich anstandslos flott, aber es wird schnell öde. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil es aus einer Handvoll ausgewalzter Zeitungskolumnen besteht. Seine Stilmittel funktionieren wunderbar in der Meinungsspalte der New York Times, auf 5000 Zeichen. Aber über die Distanz von mehr als 500 Seiten werden sie rasch fad. Der Inhalt von Was zu tun ist? hätte auch auf 20 Seiten gepasst, die restlichen 520 sind gefüllt mit einer unendlichen Parade von nur lose verknüpften Anschauungshappen.

Von indonesischen Hausmädchen kommt Friedman auf Abholzung der Urwälder, von Elchen im Yellowstone-Nationalpark über Systemtheorie auf Toyotas Hybridmotoren. Alles auf einer Seite! Zwischendurch werden Scharen von Experten durch die Kapitel getrieben, nur um zu belegen, dass Energiesparlampen tatsächlich Energie sparen. Dazu noch Urlaubserinnerungen, Filmanspielungen, eine Sprache wie im Comic ("Peng! Einfach so! sind Plastiktragetaschen verboten") oder im Werbefernsehen ("Sie haben richtig gehört: 1,2 Liter auf 100 km"). Das soll gelehrt und anschaulich zugleich sein, wird aber schnell anstrengend, wenn jedes Argument leider im Anekdotenwirbel verschwindet.

Auch die klaren Momente des Buchs gehen so unter, die guten Ideen. Wie die Erklärung, warum die Wirtschaft keine Umweltschutzagentur sein kann. Was also zu tun ist? Wir warten weiter auf eine Antwort.

Lesen Sie hier das "Pro" zu Thomas L. Friedmans Buch. Von Elisabeth von Thadden

 
Leser-Kommentare
  1. Was wissen wir von der Erde? Sie umreist die Sonne - damit schwanken die Jahreszeiten. Die Sonne atmet/pulsiert - damit schwankt zusätzlich die von der Erde aufgenommene Energie. Das Sonnensystem umkreist das galaktische Zentrum - diverse Felder wirken sich zusätzlich aus.

    Wenn wir dafür sorgen wollen, dass die Erde ein blühender, grüner Ball ist, der vor Leben überquillt und ideale Lebensbedingungen bietet, wird uns langfristig ohnehin nichts übrig bleiben als zu lernen wie sich das Klima lenken lässt. Wobei Sorge zu tragen sein wird, dass Veränderungen nie endgültiger Natur sind und zurückgenommen werden können - jeder kann schließlich Fehler machen.

    Dazu gehört es auch die Menge der Gifte in der Umwelt zu reduzieren. Der Mensch ist, wie jedes Lebewesen, ein elektroCHEMISCH gesteuertes Wesen. Wenn also Chemikalien sich in natürliche Prozesse mischen die dort nichts verloren haben, wer weiß was das aus uns oder zukünftigen Generationen macht? Es gibt mehr als genug Negativbeispiele in der Geschichte.

    Wer soll das bezahlen? Was ist uns ein sorgenfreieres Leben wert?

    • Hugo_P
    • 20.01.2009 um 11:51 Uhr

    Das mit der intelligenten Verteilung energieintensiver Prozesse (Waschmaschine...) ist ne gute Idee, weil damit läßt sich die sogenannte Grundlast (Strom, der immer zur Verfügung steht, sich aber grade in der Nacht "totläuft") erheblich zurückfahren. Dann brauchts auch keine AKW mehr.
    Wasserstoff als Massenphänomen wäre fatal, weil da geht die Ozonschicht vor die Hunde.
    Autos mit unter 3L Sprit sind heute schon möglich; für viele Sachen im "Individualverkehr" würd auch sowas reichen, was BMW mal gebaut hat; also dieses Moped mit Kabine drumrum (im Regen fahren ist wirklich nicht toll!) und da kann mensch mit 1-2 L hinkommen oder mit E-Motor.
    An sinnvoller=effizienter Energiespeicherung muß noch geforscht werden, aber auch da gibts schon gute Ansätze. Stromerzeugung ist nicht das Problem, die Verteilung und Speicherung für eine halbwegs kontinuierliche Grundlast plus Spitzenlastabfangung ist es.

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