Musikpresse Protestknüller

Niemand hört Heinz-Rudolf Kunze zu, außer Gott und der "Titanic". Das Satiremagazin freut sich über sein neues Lied. Außerdem im Echolot: Der Thrash-Metal von Kreator ist wieder en vogue

Jede Woche spiegelt das Echolot, worüber die Feuilletons und Fanzines schreiben

Jede Woche spiegelt das Echolot, worüber die Feuilletons und Fanzines schreiben

Das Jahr ist drei Wochen alt, und noch immer ist die Hauptfrage der Musikjournalisten nicht geklärt: Welche ist die Platte des Jahres 2009? Noch waren sie nicht zu lesen, klassische Sätze wie: "Schon jetzt das Album des Jahres!" Nicht einmal ein vorsichtiges "Könnte die Platte des Jahres sein". Was nicht weniger unnötig ist, handelt es sich meist um Alben, die zum Jahresende im CD-Stapel des Rezensenten ganz unten gelandet sind. Wenn er sie nicht gar in den Secondhand-Laden gebracht hat.

Doch der Januar ist kein Wonnemonat der Musikindustrie, man erholt sich von den Strapazen des Weihnachtsgeschäfts und leckt seine Wunden. In den Chefetagen sinniert man von den Möglichkeiten der digitalen Distribution, Plattenhändler spielen Mau-Mau mit ihrem einzig verbliebenen Stammkunden. In solch einer Atmosphäre herrscht keine Euphorie, da wird kaum etwas veröffentlicht.

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Für solche Fälle hat der Musikkritiker den Plan B in der Tasche. Er schreibt Altgedientes in den Himmel, und das tun am besten auch alle seiner Kollegen, damit es glaubhafter wird.

Nun schlägt die Stunde einer Band, die 20 Jahre in der Nische gedröhnt hat. Endlich kann man sie zum Kult erklären! Der Thrash-Metalband Kreator wird diese Ehre zuteil. Statt Metal Hammer und Rock Hard widmen sich nun die Spex und das Feuilleton dem erhärteten Klang. Warum auch nicht? Aber warum ausgerechnet jetzt und im Chor?

In der taz stammelt Andreas Hartmann: "Auch musikalisch wird am letzten Album angeknüpft und sich, so wie zuletzt Metallica, die wie Kreator Anfang der Achtziger als Thrash-Metal-Band begonnen haben, bevor sie auch mal sanftere Töne anschlugen, wieder an den eigenen Wurzeln orientiert." Die Intro ruft den Schulterschluss zwischen "Indie und Thrash-Metal" aus und befragt Thees Uhlmann von Tomte. Der findet’s super. Aber auch Hintergrundinformationen stehen im Intro: "Produziert wurde dieses (Album) beim Berliner Indie-Must-Have Moses Schneider" – Capiche?

Leser-Kommentare
  1. ... wurde durchaus schon erwähnt: Animal Collective (bevor dann gleich die zweite erscheint...) http://www.taz.de/1/leben...

  2. @ transomat:
    Ja, das neue Animal Collective-Album ist der erste Hype des Jahres. Aber der Nervfaktor dieser elektronischen Katzenmusik mit Beach Boys-Flair ist doch ziemlich hoch. Wenn das schon die Platte des Jahres sein soll, dann kann man 2009 musikalisch getrost abschreiben. Auch mich wundert dieser absolute Einklang in der deutschen wie internationalen Popjournaille. Schreibt da einer vom anderen ab? Animal Collective und Kreator - neuerdings scheint es äußerst schick zu sein, dem schlechten Geschmack zu huldigen.

  3. Hype hin, Hype her.
    Kreator kann man auch anders besprechen:

    http://getaddicted.org/archiv/kreator/3s2b_hordes_of_chaos.php

    Grüße,
    Mathes

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