Bei der Einführung des elektronischen Reisepasses und Ausweises war eine alle erfassende Fingerabdruckdatenbank die große Sorge der Gegner und Datenschützer. Bislang schien sie abgewendet. Doch nun wird sie wohl doch kommen – wie so viele solcher Sicherheitskonzepte über den Umweg EU. Am Mittwoch hat das Europa-Parlament einer Verordnung zugestimmt, die die Ausgabe biometrischer Ausweisdokumente in Europa regelt  – auch für Kinder.

Mit der Verordnung wird die Regelung "eine Person – ein Pass", die in Deutschland bereits gilt, zum europaweiten Grundsatz erhoben. Es ist somit nicht mehr möglich, Kinder in den Pässen der Eltern einzutragen. Sie benötigen ab 2012 immer einen eigenen.

Die neuen Vorgaben, in erster Lesung mit 594 Ja-Stimmen, 51 Gegenstimmen und 37 Enthaltungen angenommen, enthalten gleich zwei problematische Punkte. Mit ihnen werden einerseits biometrische Pässe für alle EU-Bürger vorgeschrieben, die zwölf Jahre oder älter sind. Künftig müssen dadurch auch Kinder, die den Schengenraum verlassen wollen, zwei ihrer Fingerabdrücke speichern lassen.

Im Gespräch ist dieser Plan schon lange. Auf europäischer Ebene lief gar ein Forschungsprogramm namens Biodev II, das unter anderem feststellen sollte, ab welchem Alter Fingerabdrücke so ausgeprägt sind, dass sie als unveränderliches Merkmal zur Identifizierung taugen. In einem Zwischenbericht (PDF) hieß es, dass bereits bei Sechsjährigen die Qualität ausreichend sei, um die Abdrücke mit hoher Erfolgsquote wiedererkennen zu können.

Entsprechend hatte die EU-Kommission genau dies gefordert. Die höhere Altersgrenze wird nun vom Parlament als Fortschritt und guter Kompromiss verkauft. In der Verordnung steht jedoch, die Altersgrenze sei vorläufig und soll noch einmal überprüft werden. Eine Studie solle abschließend klären, ob auch Fingerabdrücke jüngerer Kinder geeignet seien. Im Zweifel kann also die Altersgrenze noch sinken.

Für Deutschland allerdings wird sie damit erst einmal steigen. Hierzulande können Eltern freiwillig einen biometrischen Pass für ihre Kinder beantragen, wenn diese sechs Jahre oder älter sind. Wie das deutsche Beispiel zeigt, gibt es in den politischen Gremien der Mitgliedsländer kaum Einspruch gegen die Erfassung von Kindern. Einzig Dänemark will die Verordnung vorerst nicht umsetzen.