Westhilfe im Gasstreit Putin wirbt bei Merkel für ein Konsortium
Unter Kontrolle von EU-Beobachtern soll russisches Gas testweise geliefert werden. Zahlen sollen nach dem Vorschlag Putins erstmal Westkonzerne
Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierten am Freitagabend, es könne im Gasstreit endlich eine Lösung geben. Merkel sagte nach dem Treffen mit Putin, es könne eine Testphase unter Einbeziehung der EU-Beobachter geben, um die Weiterleitung des russischen Gases nach Westeuropa rasch sicherzustellen.
Putin sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz, er habe gute Gespräche mit den Hauptabnehmern E.on Ruhrgas, ENI und Gaz de France geführt. Er glaube, dass man zu Vereinbarungen kommen könne, um die Blockade in der Ukraine zu beenden. Allerdings hieß es bei E.on Ruhrgas, es bestehe weiterer Gesprächsbedarf.
Der russische Ministerpräsident hatte zuvor seinen Vorschlag zur Bildung eines Konsortiums mit Beteiligung westlicher Konzerne erläutert, das das sogenannte "technische Gas" von Russland kaufen soll, dass zum Transport der eigentlichen Gaslieferungen nach Europa benötigt wird. Die Ukraine wiederum würde das Gas dann von diesem Konsortium erwerben. Die Kosten dafür wurden zuvor von Putin für das erste Quartal 2009 auf 730 Millionen Dollar (555 Millionen Euro) beziffert.
Die Kanzlerin äußerte die Hoffnung, dass ein Weg gefunden werde. Eine sehr schnelle Lösung sei nötig. Der Testversuch sollte gestartet werden. "Die Zeit drängt", sagte Merkel. Eine Lösung sei auch im Sinne von Russland und dem russischen Konzern Gazprom, weil es sonst einen Vertrauensverlust gebe.
Wegen des Streits fließt seit Jahresanfang kein Gas mehr nach Westeuropa. Einige Staaten in Südosteuropa sind sehr stark betroffen, Teile der Bevölkerung können nicht mehr versorgt werden.
Für Samstag ist in Moskau ein Treffen Putins mit der ukrainischen Regierungschefin Julia Timoschenko geplant. Auch Vertreter der EU reisen an.
- Datum 06.05.2009 - 15:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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