Waffenruhe in Gaza Wer ist der Sieger?
Hamas lenkt ein und stimmt einer einwöchigen Feuerpause im Gaza-Streifen zu. In Israel aber wird schon diskutiert, ob sich der Krieg überhaupt gelohnt hat

© Mohammed Abed/AFP/Getty Images
Die tagelangen Bombardements haben in Gaza-Stadt ein Schneise der Verwüstung geschlagen. In diesem Haus kam Hamas-Innenminister Said Siam ums Leben
Um zwei Uhr Ortszeit in der Nacht zum Sonntag trat die von Israel einseitig verkündete Waffenruhe in Kraft. Zwar wurde sie nur wenige Stunden später schon wieder gebrochen, als militante Palästinenser erneut Raketen Richtung Israel abfeuerten und sich Gefechte mit israelischen Soldaten lieferten. Doch am Nachmittag schließlich stimmten auch alle militanten Palästinensergruppen einschließlich der radikal-islamischen Hamas nach dreiwöchigem Krieg einer einwöchigen Feuerpause zu.
Beide Seiten sahen somit eine wichtige Bedingung erfüllt: Israel, dass es seine Truppen erst abzieht, nachdem Hamas den Raketenschuss auf Israel eingestellt hat. Hamas wiederum will die Waffen erst endgültig ruhen lassen, wenn Israel seine Truppen binnen der gesetzten Frist vollständig abzieht.
Doch unabhängig von diesen Details ziehen die Israelis nun bereits eine erste Bilanz der 22 Tage währenden Militäroffensive. Im Zentrum steht dabei die schwierige Frage, wie sich Sieg und Niederlage in einem solchen assymetrischen Krieg überhaupt definieren lassen.
In seiner Pressekonferenz vor Mitternacht hatte Ministerpräsident Ehud Olmert die tatsächlichen oder vermeintlichen Erfolge aufgelistet. Er gab sich dabei sehr siegesicher: Die Hamas sei schwer getroffen worden, sowohl was ihre militärischen Fähigkeiten angehe, aber auch die Infrastruktur ihres Regimes. „Ihre Anführer sind in den Untergrund gegangen. Viele von ihnen wurden getötet. Die Raketenfabriken wurden zerstört. Die Schmuggelwege, durch Dutzende von Tunneln hindurch, wurden bombadiert.“
Die gesetzten Ziele seien mehr als erreicht worden, betonte nach ihm auch Verteidigungsminister Ehud Barak. Beide vermieden es allerdings, diese Ziele konkret zu umschreiben. Bisher war immer nur vage die Rede davon gewesen, „die Sicherheit“ für die von Hamas-Raketen terrorisierte Bevölkerung im Süden des Landes nachhaltig zu verbessern.
Dass die Ziele der Regierung nie genau definiert wurden, hat Vor- und Nachteile. Da sie nicht so hochgesteckt waren wie im Libanonkrieg 2006 – damals war die Rede von der Zerstörung der Hisbollah - kann jetzt auch niemand enttäuscht sein. Zugleich aber wurde so Raum geschaffen für interne Auseinandersetzungen innerhalb der Regierung.
Premier Olmert, Aussenministerin Zipi Livni und Verteidigungsminister Barak waren sich während der drei Wochen der Offensive oft nicht einig über den weiteren Verlauf der Militäroperation: Während Olmert über einen Regimewechsel in Gaza und die Entmachtung von Hamas nachdachte, warnten die anderen beiden vor den unberechenbaren Risiken einer solchen Zielsetzung. Letztlich haben sich Barak und Livni durchgesetzt.
Die einseitig verkündete Waffenruhe bedeutet, dass Israel mit seiner harschen Militäroperation langfristig auf das Prinzip Abschreckung setzt. Hamas hingegen besteht neben der Öffnung der Grenzübergänge auf dem vollständigen Rückzug der israelischen Soldaten binnen einer Woche.
Die radikal-islamische Organisation stellt allein schon ihr Durchhaltevermögen der Bevölkerung im Gazastreifen als Erfolg dar. Das gehört für sie zum Image-Kampf, der in diesem Krieg eine so grosse Rolle spielte. Und sollte Israel tatsächlich die Übergänge wieder durchlässiger machen, wie es ja auch all jene internationalen Parteien fordern, die sich derzeit aktiv an Israels Seite für ein Ende des Waffenschmuggels nach Gaza einsetzen, könnte Hamas dies ebenfalls als Erfolg auf ihrem Konto verbuchen.
Und die Hamas hat noch weiteres erreicht, was ihr wichtig war: Nämlich internationale Legitimität (durch den UN-Sicherheitsrat) und Sympathien (als Opfer). Sie kontrolliert zudem weiter den Gazastreifen und hält auch den von ihr entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit immer noch gefangen.
Angesichts all dieser Erfolge aus Sicht von Hamas muss nun die israelische Regierung ihren Bürgern – drei Wochen vor den Wahl – darlegen, dass sich der Waffengang dennoch gelohnt hat. Auch um den Preis großer internationaler Empörung über die hohe Zahl an getöteten palästinensischen Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder.
Ein zentrales Argument aus Sicht der israelische Regierung sind die diplomatischen Erfolge. Dazu gehört ein internationales Arrangement, das künftig den Waffenschmuggel von Ägypten nach Gaza verhindern soll. Aussenministerin Zipi Livni hatte zu diesem Zweck am Freitag in Washington mit ihrer Noch-Kollegin Condolezza Rice eine Vereinbarung unterzeichnet, die eine bessere Überwachung dieses 15km langen sogenannten Philadelphiakorridors garantieren soll.
Zweieinhalb Jahre nach dem Krieg gegen die Hisbollah und nach drei Wochen Krieg gegen die Hamas hegt in Israel indes niemand mehr Illusionen, dass sich solche assymetrischen Auseinandersetzungen überhaupt klar gewinnen lassen. Für viele gilt deshalb die Waffenruhe, so wackelig sie auch sein mag, als ein richtiger Schritt in Richtung einer – hoffentlich – allmählichen Beruhigung des Konflikts.
- Datum 07.05.2009 - 13:49 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Zitat:
Für die meisten gilt deshalb die Waffenruhe, so wackelig sie auch sein mag, als ein richtiger Schritt in Richtung einer – hoffentlich – allmählichen Beruhigung des Konflikts.
Und dafür wurden von Israel mal eben 400 Kinder umgebracht ?
Was für eine ruhmreiche Armee ! Was für ein glorreicher Sieg !
So etwas nennt sich Kollektivbestrafung - und genau dafür ist Deutschland von einem italienischen Gericht gerade verurteilt worden.
Die dahinter stehende Ideologie ist obszön.
die sich nicht nach den Maßstäben der Menschlichkeit lösen lassen.
Der Krieg gegen Deutschland im 2. Weltkrieg gehörte auch dazu. Damals wurden ebenfalls Frauen und Kinder im Bombenkrieg zu Tausenden getötet, was allerdings nichts an der Legitimation der Alliierten geändert hat und auch nicht haben konnte.
Wenn Kollektive gegeneinander kämpfen, gibt es nur die Devise mitgefangen mitgehangen. Das ist sehr bitter, aber Realität.
Viele Menschen glauben, das die schrecklichen Zustände vermeidbar wären, wenn man nur auf kriegerische Mittel verzichten würde, vor allem wenn "Unschuldige" dadurch betroffen sind.
Doch das Gegenteil ist der Fall, ohne kollektive Haftung ist Frieden unmöglich! Das beweist die Hamas und Al Kaida täglich aufs Neue. Solange unser Mitleid diese Realität verdrängt, wird es in Israel niemals Frieden geben, weil die Agressoren nicht besiegt oder geächtet werden können. die Opfer die täter schützen, nur weil sie dem eigenen Volk angehören.
Die 400 toten Kinder sind real von der Hamas und nicht von Israel getötet worden, das zu erkennen setzt aber emotionsloses nüchternes logisches Denken voraus, was naturgemäß bei den entsetzlichen Vorgängen schwer fällt.
Berthold Grabe
die sich nicht nach den Maßstäben der Menschlichkeit lösen lassen.
Der Krieg gegen Deutschland im 2. Weltkrieg gehörte auch dazu. Damals wurden ebenfalls Frauen und Kinder im Bombenkrieg zu Tausenden getötet, was allerdings nichts an der Legitimation der Alliierten geändert hat und auch nicht haben konnte.
Wenn Kollektive gegeneinander kämpfen, gibt es nur die Devise mitgefangen mitgehangen. Das ist sehr bitter, aber Realität.
Viele Menschen glauben, das die schrecklichen Zustände vermeidbar wären, wenn man nur auf kriegerische Mittel verzichten würde, vor allem wenn "Unschuldige" dadurch betroffen sind.
Doch das Gegenteil ist der Fall, ohne kollektive Haftung ist Frieden unmöglich! Das beweist die Hamas und Al Kaida täglich aufs Neue. Solange unser Mitleid diese Realität verdrängt, wird es in Israel niemals Frieden geben, weil die Agressoren nicht besiegt oder geächtet werden können. die Opfer die täter schützen, nur weil sie dem eigenen Volk angehören.
Die 400 toten Kinder sind real von der Hamas und nicht von Israel getötet worden, das zu erkennen setzt aber emotionsloses nüchternes logisches Denken voraus, was naturgemäß bei den entsetzlichen Vorgängen schwer fällt.
Berthold Grabe
Blöde Frage: "Wer ist der Sieger?"
Die ohnmächtige Internationale Community, die UNO, Europa ist auf jeden Fall der beschämte Verlierer !
Ansonsten empfehle ich die Analyse des israelischen Friedenskämpfers Uri Avnery:
"Warum Israel den Krieg nicht gewinnen und die Hamas ihn nicht verlieren kann
Die Gründe der israelischen Regierung („Der Staat muss seine Bürger gegen die Qassam-Raketen schützen“) war wie die reine Wahrheit akzeptiert worden. Die Ansicht der anderen Seite, dass die Qassams nur eine Antwort auf die Belagerung seien, die 1,5 Millionen im Gazastreifen an die Grenze des Verhungerns bringt, wurde überhaupt nicht erwähnt."
Von Uri Avnery
http://www.sonnenseite.co...
...denn Verlierer sind alle Palästinenser und Israelis. Die Frage, ob sich ein Krieg lohnt, ist unzulässig. Ein Krieg kann sich nie lohnen, auch wenn vermeintlich Frieden erreichen werden soll. Tote, Zerstörungen, Hass, Aussichtslosigkeit sind Kriegsergebnisse die in Frieden nicht münden können. Lediglich kritischer Rationalismus von Israelis und Palästinenser kann zu einem friedlichen Zusammenleben in Palästina führen; und da gibt es lediglich eine Lösung: Zwei Staaten neben- und miteinander in Toleranz. Wann? Fragen für Jehovah und Allah...
..., daß Isarael noch auf Jahre hinaus nicht reif ist für echte Demokratie (immerhin sind die Palästinenser mehrheitlich legitime israelische Bürger mit Wahlrecht, auch wenn die Ausgrenzung in Ghettos sie daran hindert, dieses Recht wahrzunehmen),
und daß die internationale Gemeinschaft (mit Ausnahmen wie Venezuela), insbesondere EU und UN, völlig unfähig sind internationale Krisen erfolgreich zu verhindern oder zu lösen.
Wenn man bedenkt, daß Israel über einsatzfähige Atombomben verfügt (im Gegensatz zu Iran, Irak, Afgjanistan oder Nord-Korea) wird einem Angst und Bange.
In Abwandlung eines Heinrich Heine Wortes könnte man auch sagen: "Denk ich an Israel in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht..."
offenbar fuer Sie zu den Friedensbringern....
offenbar fuer Sie zu den Friedensbringern....
ich sehe das so: allein, dass die Hamas einer vollkommen überlegenen Armee getrotzt hat, ist ein Sieg, mit dem keiner (zumindest ich nicht) gerechnet hat!
Trotz ständiger Siegesmeldungen ("1500m vom Stadtzentrum entfernt stehen bereits die israelischen Panzer") keine Einnahme von Gaza-Stadt, von Khan Junis usw..
Eigentlich beschämend für solch eine Armee.
Aber sicher gut für den Frieden in der Region und sicher auch gut für die Menschheit, die wieder mal sieht: Die besseren Schießeisen sind nicht alles!
Eine Mücke kann eben einem Elefanten mehr zu schaffen machen als umgekehrt!
man in solchen Kategorien denkt, auf beiden Seiten, ist man weit entfernt von einem Frieden.
Frieden setzt voraus, dass dem Gegner die Chance, gegeben wird das Gesicht zu wahren und als gleichberechtigter Partner mit gleichwertigen Interessen diese in Verhandlungen zu vertreten.
So gibt es bestenfalls kurz eine erschöpfte Ruhe, aber irgendwann bricht sich der durch diese militärischen Massaker und Zerstörungen enorm gesteigerte Hass erneut Bahn.
Sayyid Qutb: Unser Kampf mit den Juden
Von ihrem ersten Tag an waren Juden die Feinde der muslimischen Gemeinschaft. Die Juden waren es, die die Polytheisten aufhetzten, ihnen Versprechen machten und mit ihnen gegen die muslimische Gemeinschaft konspirierten. Die Juden waren diejenigen, die einen Krieg der Gerüchte, der verdeckten Konspiration und des Verrats innerhalb der muslimischen Reihen führten, so wie sie auch Zweifel und Verdächtigungen über den Islam verbreiteten und zu Verfälschungen des muslimischen Glaubensbekenntnisses und zu falschen Behauptungen gegen seine Führer anstifteten.
Quelle: http://www.matthiaskuentz...
Zum einen hat die Hamas den Eindruck bei den Palästinensern hinterlassen, dass Sie als einzige zu Widerstand (gegen die Völkerrechtswidrige Aushungerung Gazas) gegen Israel fähig sind. Abbas und seine Fatah werden als Unterstützer Israels nun endgültig als Kollaborateure gebrandmarkt sein.
Zum anderen hat Israels Feldzug nur einen Sinn gehabt, nämlich jeglichen Widerstand der Freiheit beraubten Palästinenser gegen rassistische Israelische Herrschaft abzuwürgen. Die Unmoral dieses Vorhabens ist durch die Opferbereitschaft der Hamas wieder mal sehr transparent geworden. Insbesondere wie sehr Israel auf die internationale Gemeinschaft pfeifft und wie gerne es Moslems quält. Wie bei dem Libanonfeldzug, als Israel wegen seiner Grausamkeiten und damit verbundener internationaler Aufmerksamkeit zu einem Waffenstillstand genötigt war, insbesondere besonders deutlich durch den Abwurf von 1 Million Streubomben nach einem beschlossenen Waffenstillstand, hat sich auch in diesem Feldzug insbesondere durch Angriffe auf Schulen, Krankenhäuser und UN Hilfdgutdepos die gleiche Notwendigkeit gezeigt.
Summa Sumarum hat die Aufmerksamkeit dazu geführt, dass international in der Presse endlich wieder darauf Aufmerksam gemacht werden konnte, dass Israel den Palästinensern keinen Frieden anzubieten bereit ist, bei dem es nicht auf Raub-, Tötungs- und Herrschrecht über Palästinenser zu verzichten bereit ist, ohne dass das Feststellen solcher Fakten mit Antisemitimusvorwürfen gegen Redaktionen kaschiert werden konnte. Man hat auch sehen können, dass Israelischem Morden hier mit großer Toleranz, insbesondere von der Kanzlerin begegnet wurde. Man hat wieder mal gesehen, dass Völkerrecht für Israel ein Fremdwort ist und dass die UN nicht bereit ist, Israel dies Abzuverlangen. Also hat man in der arabischen Welt beobachten können, dass all die Vorwürfe der Islamisten diesbezüglich bestätigt worden sind.
Traurig, aber die Förderer des Islamismus sind die Radikalen Mordbefürworter und Tolerierer aus unseren Hemisphähren, ganz besonders dann, wenn Israelischem Rassismus soviel Unterstützung gebilligt wird, wie es durch Israels brutale Feldzüge immer deutlich wird.
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