Israel, das steht nach fast drei Wochen Krieg in Gaza fest, ist gut im Zerstören, aber schlecht im Heilen. Denn das ist bisher das Ergebnis dieses Krieges: Eintausend Tote, viele Tausend Verletzte, vertriebene Palästinenser, eine unbekannte Zahl von gefallenen und verwundeten Israelis und ein noch kaputteres Gaza, vielleicht ein brüchiger Waffenstillstand. Aber keine Chance für Frieden im Nahen Osten, sondern - nach einer kurzen Pause - die Gewissheit von noch mehr Hass, von neuen Kriegen, neuen Toten und neuer Zerstörung.

Wie nur hat sich die einzige Demokratie und stärkste Militärmacht im Nahen Osten in diese Sackgasse manövriert? Die Antwort ist so einfach wie deprimierend: Israel hat es immer wieder versäumt, militärische Erfolge in politische umzuwandeln. Keine seiner Regierungen war nach militärischen Siegen zu substanziellem politischem Entgegenkommen gegenüber den Palästinensern wirklich bereit. Auch während der Verhandlungen über eine Zwei-Staaten-Lösung – von Oslo bis Annapolis - ließen sie kräftig weiter israelische Siedlungen auf Palästinenser-Gebieten zu.

Sie schwächten damit nicht nur die Glaubwürdigkeit ihrer Friedensbereitschaft, sie untergruben auch das Ansehen ihrer Verhandlungspartner. Auf die folgende Radikalisierung der Palästinenser hatte die israelische Führung dann immer nur ein Argument: Mit Terroristen verhandelt man nicht. Und immer nur eine, die militärische Antwort. Anstatt jene Kräfte zu stärken, die für einen Ausgleich mit Israel eintreten, stärkte sie fortwährend diejenigen, die dagegen agierten.

Gewiss, gegen Raketenangriffe wie die der Hamas auf Israel, muss jede Regierung vorgehen. Aber wer die Ursache des jüngsten Gaza-Konflikts darauf reduzieren will, blendet bewusst die Vorgeschichte aus. Denn es war ja nicht so, als hätte alles erst mit den Raketen der Hamas begonnen. Vielmehr hat Israel jahrelang versucht, die Autorität der Hamas durch einen immer engeren Würgegriff um Gaza auszuhöhlen: Gelder, die Gaza zustanden, wurden einbehalten, die Übergänge blockiert, jeglicher Handel aus dem Gaza-Streifen verhindert, der Meereszugang gesperrt.

Kein Wunder, wenn Gaza ein Hungerland und Armenghetto war, lange bevor die israelische Militärmacht vor drei Wochen zuschlug und dem winzigen, belagerten Landstrich noch mehr Hunger und Verwüstung zufügte.