Deutschland bei der Handball-WM Die Schwächen des Titelverteidigers
Pessimisten rechnen damit, dass Deutschland bei der Handball-WM in der Vorrunde scheitert. Das Nationalteam leidet unter den Fehlern der Bundesliga
Noch ist Deutschland Handball-Weltmeister, doch wenn am 1. Februar das WM-Turnier in Kroatien endet, wird der Titel höchstwahrscheinlich Ex-Handball-Weltmeister lauten. Seit dem Erfolg im Jahr 2007 in Deutschland haben viele etablierte Spieler ihre Karriere im Nationalteam beendet: Torwart Henning Fritz, Kreisläufer Christian Schwarzer, Rechtsaußen Florian Kehrmann und vor allem Spielmacher Markus Baur. Handballer von höchster Qualität.
Teil des Weltmeisterteams war auch Michael Kraus. Der Teenie-Schwarm ist ein dynamischer und unberechenbarer Schütze. Ob er auch ein Stratege ist und Markus Baur ersetzen kann, sollte sich bei diesem Turnier zeigen. Nun hat er sich jedoch am Oberschenkel verletzt. Ob und wann er einsatzbereit ist, ist unklar.
Verletzungen gehören zum Sport, im Handball sind sie aus zwei Gründen fast unvermeidlich: Erstens gibt es sehr viele Spiele. Jedes Jahr findet ein großes Turnier statt, in Olympia-Jahren sogar zwei. Dabei treten die Teams im Durchschnitt mindestens alle zwei Tage an. Dazu kommen Erste Liga und Europapokal.
Zweitens ist Handball eine Extremsportart. Der Franzose Nikola Karabatic, den viele für den weltbesten Spieler halten, hat in einem Interview mit der FAZ gesagt: "Beim Handball kannst du nicht ohne Schmerzen spielen und ohne Schmerzen leben." Der Publizist Peter Richter schreibt: "Handball ist sechzig Minuten Rennen gegen eine Mauer." Viel Kampf und Schmerz, wenig Ästhetik. Kann es, so Richters Schluss, eine deutschere Sportart geben?
Handball ist in der Tat eine Kernsportart Deutschlands. In manchen Regionen gibt es mehr Handball- als Fußballvereine. Durch den WM-Gewinn vor zwei Jahren erhofften sich die Handballfans einen Aufschwung: bessere Fernsehverträge, lukrativeres Sponsoring für ihren Sport. Die Position zwei in der Liste der deutschen Massensportarten sollte erobert und ausgebaut werden.
Doch einige Klubs haben sich als Folge der WM-Euphorie überschätzt und übernommen. Die HSG Nordhorn, Gewinner des EHF-Pokals, kann angeblich viele Spielergehälter nicht zahlen. Der Traditionsklub TuSEM Essen steht durch die zweite Insolvenz innerhalb von vier Jahren seit Monaten als Absteiger aus der Bundesliga fest – und muss dennoch die Saison zu Ende weiterspielen. Auch beim Bundesligisten HV Stralsund kursiert ein Insolvenzgerücht. Die Bundesliga, neben Spanien die stärkste der Welt, leidet ohnehin an ihrer festen Hierarchie: Der THW Kiel ist praktisch jetzt, zur Saisonhälfte, schon Meister.
- Datum 21.01.2009 - 10:14 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 16.01.2009
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