Landtagswahl Kulturkampf in Hessen
Warum die politischen Lager in dem Land so unversöhnlich sind – ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder
ZEIT ONLINE:
In Hessen gab es in der Vergangenheit nicht nur oft sehr knappe Wahlausgänge, sondern immer wieder besonders verbissene Auseinandersetzungen zwischen den politischen Lagern, wie auch im vergangenen Jahr. Woher kommt diese Schärfe der politischen Schlachten gerade in diesem Bundesland?
Wolfgang Schroeder:
Der Ursprung reicht zurück bis Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre. Damals traten viele neue Mitglieder in die SPD ein. Sie wurde dadurch über Nacht von der Arbeiterpartei zu einer stark ideologischen, akademischen, dienstleistungsorientierten Partei, gerade in Hessen. In der gleichen Zeit hat die CDU der damals im "roten Hessen" regierenden SPD den Kampf angesagt. Da sind zwei Bataillone auf einander zugestürmt. Auf der einen Seite die CDU als Kampfverband, so wie sie sich bis heute versteht, gegen eine SPD, die von Hessen aus die kulturelle Revolution ausrief.
ZEIT ONLINE:
Liegt es daran, dass die hessische SPD bis heute besonders links und die CDU dort besonders konservativ ist?
Schroeder:
Ja, das hat seine Wurzeln in dieser kulturkampfartigen Situation. Damals sprach Holger Börner vom Ende der Fahnenstange. Das war die gleiche Haltung, wie wir sie später bei Gerhard Schröder erlebt haben
mit seiner „Basta-Haltung“
.
ZEIT ONLINE:
Warum haben die beiden Lager diese Gräben in Hessen nie verlassen, während doch sonst in der Bundesrepublik spätestens nach 1989/90 die alten politischen Schlachtordnungen meist überwunden wurden?
Schroeder:
Weil es kaum eine andere Arena gab, wo diese Rechts-Links-Ordnung von beiden Seiten so konserviert wurde. In Hessen wurden zudem Stellvertreterkriege ausgetragen, etwa bei den Auseinandersetzungen um die Startbahn West, um die Bildungspolitik oder die Atomkraft. Auch die Debatten um die Ausrichtung der SPD wurden besonders in Hessen geführt.
ZEIT ONLINE:
Erklärt das auch die Blockade im vergangenen Jahr, die Unfähigkeit aufeinander zuzugehen, um nach einem schwierigen Wahlergebnis eine Regierung zu bilden?
Schroeder:
Ja, das lag an diesen alten Mustern, die eigentlich als überwunden galten, aber dann in dieser besonderen Situation wieder auflebten.
ZEIT ONLINE
: Also lieber politischer Stillstand, als Brücken zu schlagen in das "feindliche" politische Lager?
Schroeder:
Beide Seiten, die SPD wie die CDU, haben in Hessen hinsichtlich des Umgangs mit dem politischen Gegner kein pragmatisches Politikverständnis. Gegenüber dem anderen Lager vertreten sie jeweils eine Philosophie des Alles oder Nichts. Entweder wir bekommen unser Konzept durch, oder wir gehen lieber in die Opposition. Dazwischen gibt es nichts.
ZEIT ONLINE:
Nicht einmal Gespräche ...
Schroeder:
Ja, deshalb auch bei der SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti die große Bedeutung des "Politikwechsels". Statt zu sagen, was sie konkret anders, besser machen will, hat sie ihre ganzheitliche Vorstellung von einer politischen Rundumerneuerung ins Zentrum gerückt. Man hatte vor einem Jahr ja den Eindruck, von Hessen aus wird die Energiefrage, die Bildungsfrage und die Armutsfrage für die ganze Welt gelöst.
- Datum 21.04.2009 - 09:15 Uhr
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Und täglich grüßt die Märchentante, webt die ZEIT an der unendlichen Geschichte der "unfähigen" Andrea Ypsilanti, die gewagt hat, sich gegen Schröder, Clement und Steinfering zu stellen:
"... deshalb auch bei der SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti die große Bedeutung des "Politikwechsels". Statt zu sagen, was sie konkret anders, besser machen will, hat sie ihre ganzheitliche Vorstellung von einer politischen Rundumerneuerung ins Zentrum gerückt."
Der Politik"wissenschaftler" Wolfgang Schroeder hätte einfach nur wissenschaftlich arbeiten müssen, anstatt weiter an der Gebetsmühle zu drehen. Einfach das SPD-Wahlprogramm lesen können, das ein Jahr lang, Woche für Woche, also 52mal, konkret einen jeweils anderen Punkt des geplanten Politikwechsels benannt hat. Es ist natürlich einfacher in den bekannten ZEITgesang einzustimmen ...
Was das Parteiprogramm sagt und wie sich die Spitzenkandidaten äußert ist ja zweierlei. Ich hatte auch den Eindruck das Ys Äußerungen immer etwas schwammig sind und wenig konkret. Wenn es tatsächlich so ist, dass dahinter ein konkretes Programm stand, hätte sie ja auch mal konkreter werden können. Wobei die Frage ist, ob das geholfen hätte...
wenn sich heute auch nur eine partei bei der wahlbeteiligung als sieger feiern lässt, beweisen sie das die wahlbeteiligung gerechtfertigt war.
Ob Frau Ypsilanti "Fähig" oder "unfähig" ist, wird am Ergebnis Ihres politischen Handelns zu messen sein, nicht an irgendwelchen Ideen, Phantasien, Programmen.
Ich fürchte, Sie wird am Ende dieses Tages nichts, aber auch gar nichts vorzuweisen haben. Aber vielleicht täusch ich mich ja auch. Auf jeden Fall wird das Ergebnis ihrer politischen Leistungsfähigkeit heute auf dem Tisch liegen.
Die Wahlbeteiligung, die wegen der Annäherung an das 50% Niveau von immer überragenderer Bedeutung für die Beurteilung der politischen Situation in Deutschland ist, dokumentiert den Niedergang der demokratischen Zivilgesellschaft und den Aufstieg einer autoritären Funktionärsgesellschaft.
Partikulare Interessen stehen im Zentrum der parteipolitischen Debatten und im Zentrum der parteipolitischen Interessen. Gesamtgesellschaftliche Interessen sind an die Ränder der politischen Aufmerksamkeit gewandert. Ständische Strukturen werden aufgebaut, die Gesellschaft wird strukturell und politisch gewollt in Habenichtse und Besitzende gespalten.
Immer radikalere Forderungen weisen auf die Etablierung einer Feudalgesellschaft, die sich durch Herrschaften und Domestiken formuliert. Die Forderung von Herrn Meister, künftig die Ausgaben für Hausangestellte in voller Höhe von der Steuerpflichtigkeit frei zu stellen, ist dafür ein nicht mehr zu übersehendes Indiz.
Der Umstand, dass wir in Deutschland seit 1982 eine immer extremere Ruinierung des demokratischen und zivilisierten öffentlichen Bildungssystems durch finanzielle Ausplünderung verzeichnen müssen, weist auf diese Zielrichtung hin.
Immerhin ist die strukturelle Verblödung der unteren Bevölkerungsschicht die Grundlage für die Verfügbarkeit einer hinreichend stumpfsinnigen und lethargischen Menschenmasse, die als Arbeitskräftequelle für Hunger- und Sklavenlöhne zur Verfügung steht, exakt das Ergebnis des heutigen, finanziell ausgebluteten öffentlichen Bildungssektors.
Diese Entwicklung wird von den Funktionären der sogen. bürgerlichen Parteien, CDU/CSU-SPD-FDP und sogar von Teilen des Bündnis90/Die Grünen in immer verantwortungsloserer Rücksichtslosigkeit gestützt.
In Deutschland ist das Untertanentum noch immer virulent. Die Basis für den latenen Neonazismus, der inzwischen immer mehr Zulauf unter den jungen Mitbürgern findet, sind die vom öffentlichen Bildungssystem als enthirnte und desinformierte Dumpfbacken ausgeschiedenen Kinder "bildungsferner Schichten."
Diese extremistische Spaltung unserer Gesellschaft gebiert die Gewalt, die zwangsläufig zur Liquidierung der heute in den politischen, wirtschaftlichen und administativen Machtpositionen fungierenden Mitbürger führen wird. Es ist das alte Problem der strukturellen Gewalt, welche die individuelle Gewalt erzeugt.
Eine Gesellschaft, die sich auf die Strukturen einer Clangesellschaft einläßt, schafft die Zustände, die in den bekannten Potentatenstaaten des Nahen und Mittleren Ostens Realität sind. Dass heute die Kunst der Täuschung in der Politik sogar von den Jusos im Bezirk Hamburg-Eimsbüttel und in der Landes-SPD praktiziert und akzeptiert wird, ist das Todesurteil, das über die einst demokratische SPD gefällt wird. Es ist aber auch das Dokument für die Ursachen dessen, was man als Politikverdrossenheit bezeichnet. Ein extremistisches Karrieristensystem, denen nicht nur die Ellenbogen als politisches Werkzeug dienen, sondern eben auch die Kunst der Täuschung, die wir als politische Lüge bezeichnen. Desinformation, Tatsachenverfälschung, Agitation, Propaganda und aktive Bestechung bei Funktionärswahlen durch Belohnung mit kostenlosen Reisen zum Besuch des Bundestages, sind die unübersehbaren Belege dieser Entwicklung.
Wer also will die Funktionäre eines solchen Systems auch noch durch die aktive Teilnahme bei mit deratigen Mitteln verfälschten und manipulierten Wahlen legitimieren? Es werden bis zum Schluss die Profiteure dieses Systems sein, die mit der gleichen Logik und Weltanschauung wie George W. Bush an die "Alternativlosigkeit" dieses Systems glauben und es auch behaupten.
Wie falsch diese Position ist, kann aus der einfachen Tatsache abgelesen werden, dass wir in einer bi-polaren Welt leben, in der es zu allem und jedem eine Gegenposition, also eine Alternative gibt. Mir scheint, diese Alternative zeichnet sich auch schon am Horizont ab. Begriffe wie Multitude, Empire, Präkarianer usw. beginnen die alternative Gesellschaft zu umschreiben. Die Menschen, die an dieser alternativen Gesellschaft beschreiben sind wie immer die Jungen, die einer verläßlichen und berechnenbaren Zukunft entgegen gehen und sich nicht von der heute existierenden Gangster- und Ganovenpolitik und -wirtschaft hinters Licht führen und um das Ergebnis ihrer Arbeit bringen lassen wollen.
Quo vadis Germanie?
Der „Kulturkampf“ wird vor allem in den Medien ausgetragen. So kann man auch sagen, dass die Ypsilanti letztlich einer gigantischen Pressekampagne zum Opfer gefallen ist.
Das sollte ehrlicherweise eingestanden werden.
Das bedeutet mitnichten, dass Frau Y. eine Unschuldsdame war. Ich habe sie ehe nicht gewählt, da mir klar war, dass es genau ihre Politik sein wird, die linke Politik desavouiert. Das hatte sie auch mit der „Linke“ vor, diese vorzuführen, sie, ob ihres opportunistischen Kerns wegen, zu missbrauchen. Meine Kritik galt daher auch dieser Linke, ich habe sogar Herrn van Ooyen (im Rahmen des „Stadtgesprächs“) eine Email gesandt, in der ich ihn ausdrücklich davor warnte, sich auf sowas einzulassen.
Abgesehen davon, dass natürlich diese Email unbeantwortet blieb (wir kennen uns ein wenig, also konnte er diese Post schlecht als Spam identifiziert haben), kam es so, wie ich es befürchtet hatte.
Ohne Not (für die Linke) wird linke Politik zum Gegenstand des öffentlichen (Ge-)Pöbels und des öffentlichen Gezeters. Damit wird die gesamte Linke des öffentlichen Spotts und der Verleumdung preis gegeben. Und selbstredend trägt eine Partei, nämlich „Die Linke“, die Mitverantwortung, wenn ein solches, vom Volk eben nicht gewünschte (und von der Presse genüsslich zelebrierte), und von einer revolutionären Partei (was "Die Linke" nicht ist) nicht benötigte Wahlgetrickse versucht wird, und dann auch noch scheitert (was auch voraus zu sehen war). Ja, sie trägt sogar den größeren Anteil an Verantwortung, denn an
ihr hätte es scheitern müssen, nicht wegen einer solch miesen Presseöffentlichkeit.
Das „Die Linke“ mit einem blauen Auge davon kam, hat sie wohl ihren Stammwählern zu verdanken, immerhin 5 %, das sollte sie sich merken, und die nicht wollen, dass die Rechte davon auch noch profitiert. Verdient hat sie es nicht, das sage ich als Linker.
Linke Politik muss sich als Minderheitenpolitik solange aushalten, solange die Massen davon nicht überzeugt sind. Eine Rechte kann sich Tricksen erlauben, die Linke lebt vom Vertrauen, mehr als alle anderen. Das zumindest hätte auch dieses gescheiterte „SED-Projekt“ doch deutlich gemacht haben sollen. Eine Linke, die trickst, oder sich für Tricks missbrauchen lässt, ist das letzte, was die Leute wollen. Sozialismus kann man den Leuten nicht aufzwingen, den Kapitalismus schon. Und die Linke ist entweder die Alternative, oder der I-Punkt auf dem Schrecken der Klassengesellschaft.
Eine Linke lebt im Übrigen in der Hauptsache von den außerparlamentarischen Aktionen, von den Massenaktionen (mal abgesehen von ihrer theoretischen Klarheit) und nicht mit den Machinationen des bürgerlichen Parlaments.
Das bürgerliche Parlament ist im günstigsten Falle, eine Schule des Klassenkampfes, wenn nicht gar nur eine Tribune hierfür. Das Getrickse dort, ist wohl die Regel, aber es wird von der Presse goutiert, zumindest wenn es bürgerlichen Interessen dienlich ist. (Mit-)Regieren (oder dulden), heißt in gewöhnlichen Zeiten, und in aller Regel, die Massen verraten, dort und auch prinzipiell. Und schauen wir uns doch an, wo „Die Linke“ mitregiert. In Berlin zum Beispiel! Muss ich dazu noch was sagen?
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