CDU-Reaktionen Hauptsache gewonnen
Für die CDU ist der erhoffte Triumph in Hessen ausgeblieben. Trotzdem versucht man in der Berliner Parteizentrale, sich das Ergebnis schön zu reden
Gegen 17:30 herrscht im Konrad-Adenauer-Haus entspannte Vorfreude. Bei hessischer Kartoffelsuppe und Zwiebelkuchen vertreiben sich Mitarbeiter und Mitglieder der CDU die letzte halbe Stunde bis zur ersten Prognose in diesem wichtigen Wahljahr.
An die große Treppe im Foyer haben die christdemokratischen PR-Strategen eine gelbe Stufenleiter malen lassen. Ganz unten steht die Hessenwahl, ganz oben das Zieldatum 27. September, an dem der neue Bundestag gewählt wird. Ein weißer Pfeil zeigt darüber hinaus. Die CDU will auch danach weiter regieren, soll das heißen.
Doch als um 18 Uhr die ersten Zahlen über die Schirme flimmern, bleibt der Jubel in den Kehlen stecken. Ein erschrockenes Raunen geht stattdessen durch den Saal. Nichts ist mit dem erhofften Schwung für den Bundestagswahlkampf: 37,5 Prozent für die CDU – das ist nicht der erwarteteTriumph. Im Laufe des Abends wird diese Zahl sogar noch nach unten korrigiert werden.
In absoluten Zahlen haben die Christdemokraten wegen der niedrigen Wahlbeteiligung – dieses Analyse wird nur Minuten nach der Prognose bekannt – sogar weniger Stimmen erhalten als vor einem Jahr, als der hessische Ministerpräsident Roland Koch für seinen ausländerfeindlichen Wahlkampf bitter abgestraft worden war. Von den vielen Wähler, die er damals verloren hat, konnte die CDU offenbar niemanden zurückgewinnen – trotz des Harakiris der SPD.
Dass der Abend für die CDU nicht in einem Desaster endet, liegt nur am famosen Wahlergebnis der FDP, die mit 16 Prozent ein Traumergebnis holt und damit die Regierungsmehrheit rettet.
Einziger Trost für die CDU-Leute in Berlin: Die SPD, die im vergangenen Jahr mit dem Versuch, ein rot-rot-grünes Bündnis zu schmieden, gleich zweimal auf die Nase fiel, verliert nun noch mehr Prozentpunkte als die CDU 2008. „Die SPD nähert sich der FDP“ sagt der Fernseh-Moderator. Da haben die CDU-Anhänger dann doch einmal Gelegenheit zu klatschen.
„Das schlechte Wetter“ versucht eine junge Frau, die für die Unions-Fraktion arbeitet, eine allererste Analyse. Viele ältere Menschen seien deswegen wohl zu Hause geblieben. Auf dem Bildschirm müht sich derweil der Hesse und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), das Ergebnis in einen Sieg umzudeuten. „Hessen hat gewonnen“, sagt er. Man werde in Wiesbaden die stärkste Regierungsmehrheit seit Jahren haben. In Berlin regt sich bei diesen Worten keine Hand.
- Datum 27.02.2009 - 15:38 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 18.01.2009
- Kommentare 3
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ist das Schmiermittel, mit dem die große Koalition in Berlin funktioniert.
Der Opportunismus der heutigen CDU-Führung steht dem Opportunismus der Schröder-SPD in nichts nach.
Das Land wird von Funktionären, die von Gruppenegoismen wie denen, die z.B. die INSM promoted, zu Schanden lobbyisiert und vermittels der strukturellen Korruption
an die Wand gefahren. Dafür bieten nicht nur die Skandale bei Siemens, Rheinmetall und anderen Konzernen beste Hinweise.
Leider zeichnet sich auch die heutige CDU dadurch aus. Damit ist auch diese Partei zu einer nur noch vorübergehend funktionierenden Funktionärsgruppierung verkommen. Das werden die Wähler spätestens nach den 4 Jahren der schwarz-gelben Koalition in Hessen begreifen.
... hätte bei dem wiederholt schlechten Abschneiden
bei einem Minimum an Selbstachtung und Respekt vor Wählern endlich seinen Hut nehmen müssen. Er ist untragbar und in seiner Gerissenheit, seinem polit. Kalkül und wiederholtem Zündeln am rechten Rand (was war diesmal mit den bösen Ausländern?), ... peinlich, ja unerträglich zugleich.
Dem zweiten Satz aus dem Kommentar Nr. 1 schließe ich mich ausdrücklich an.
MfG
Zack34
Das Schönreden nach Wahlen hat Tradition.
2009 freut sich Hr. Koch über die 37 %, obwohl das nicht mehr als 2008 ist und das 2008er Ergebnis 13% unter 2003 lag. Hr. Koch rechnet vor: Schwarz/Gelb hätte mehr Prozente als die Regierung 2003. 2003 konnte die Regierung allerdings auf die FDP verzichten. Schwarz/Gelb hätte 2003 2% mehr als 2009 gehabt. So lügt man sich die Realität schön.
2008 behauptete Fr. Ypsilanti ständig, sie habe gewonnen. Das tat sie so lange und immer wieder, bis die Partei und auch viele Bürger ihr glaubten. Auch heute tut sie noch so, als ob sie nur Opfer einer Intrige geworden ist. Eigentlich hatte sie gewonnen. Das nennt man Realitätsverlust.
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