Aufsichtsratswahl Hamburger SV "Bernd Hoffmann macht gute Arbeit"

Ralf Bednarek, Chef der HSV-Supporters, über angebliche Putschversuche gegen den Vorstand, seine Auffassung von einer starken Mitgliedschaft und Fans als Kunden. Ein Interview

Ralf Bednarek (34) ist seit Oktober Abteilungsleiter der Fördernden Mitglieder / Supporters Club (kurz: Supporters) des Hamburger SV.

ZEIT ONLINE: Wollen Sie den Vorstand des Hamburger SV putschen, wie es in einigen Zeitungen stand?

Ralf Bednarek: Die Berichte habe ich auch gelesen und mich sehr gewundert. Wir haben nichts gegen Bernd Hoffmann. Wir wollen und pflegen ein gutes Miteinander. Der Vorstand macht gute Arbeit, der Klub steht sportlich und wirtschaftlich sehr gut da. Es wäre vermessen, wenn wir ihn absetzen wollten. Ich kenne keinen, der den Vorstand stürzen will. Am 25. Januar geht es um die Wahl des Aufsichtsrats, der Vorstand selbst steht nicht zur Disposition.

Anzeige

ZEIT ONLINE: Der Aufsichtsrat wird über die Vertragsverlängerung mit dem Vorstand entscheiden.

Bednarek: Die Supporters sind mit Teilen des Aufsichtsrats unzufrieden, deswegen haben wir vier Kandidaten nominiert. Das haben wir bereits vor vier Jahren getan. Politische Ambitionen daraus abzuleiten, ist überzogen. Übrigens, der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Udo Bandow schickt ebenso vier Kandidaten ins Rennen. Da spricht keiner von einem Putschversuch, noch nicht mal von Kritik am Aufsichtsrat. Interessant, dass das mit zweierlei Maß bewertet wird.

ZEIT ONLINE: Es gibt Skeptiker, die nicht mal aus den Reihen des Vorstands stammen, die den Supporters-Kandidaten vorwerfen, Kreide zu fressen: jahrelang kritisieren und jetzt, wo die Wahl ansteht, leise auftreten. Lassen die Supporters nach der Wahl die Katze aus dem Sack?

Bednarek: Da entsteht ein völlig falscher Eindruck. Unsere Kandidaten haben nie den Rücktritt Hoffmanns gefordert. Manfred Ertel, Ingo Thiel, Anja Stäcker und Johannes Liebnau betreiben seit Jahren ehrenamtliche Arbeit und handeln immer im Sinne des Vereins. Selbst in schwierigsten Zeiten sind wir nie so weit gegangen wie andere: Als der HSV vor zwei Jahren Tabellenletzter war, gab es keine Sitzblockaden, sondern wir haben eine Jetzt-erst-recht-Kampagne losgetreten. Es waren die Medien, die dem Vorstand die Entlassungspapiere in die Hand drücken wollten.

ZEIT ONLINE: Die vier Kandidaten wirken sehr handzahm. Bei der Vorstellungsrunde am vergangenen Donnerstag waren alle voll des Lobs für Hoffmann, Dietmar Beiersdorfer und Katja Kraus. Gibt es denn auf einmal gar nichts Kritikwürdiges mehr?

Bednarek: Nicht viel. Der Erfolg gibt dem Vorstand Recht: Wir sind seit sechs Jahren in internationalen Wettbewerben vertreten, UI-Cup eingerechnet. Das Stadion ist so gut wie immer voll. Die Bilanzen stimmen. Es geht um Kleinigkeiten, Liebnau wünscht sich zum Beispiel mehr Wirgefühl, andere eine bessere Kommunikation. Kritik, so scheint es, darf nicht jederzeit und nicht von allen öffentlich geäußert werden. Das sollte sich ändern. Noch einmal: Es geht ausschließlich um den Aufsichtsrat. Der Vorstand steht nicht infrage.

ZEIT ONLINE: Dass Liebnau nun in den Aufsichtsrat will und seinen Job als Vorsänger in der Kurve nicht aufgeben möchte, finden einige Kritiker unmöglich. Darf jemand, der "dem SV Werder Tod und Hass" wünscht, den Verein repräsentieren?

Bednarek: Die Kritik daran teile ich nicht, ich akzeptiere sie aber. Was Liebnau singt, ist zum Teil wahrhaft nicht druckreif. Allerdings sind wir beim Fußball – und nicht in der Oper. Hier gehören Emotionen dazu. Und solange sie sich in Grenzen halten, finde ich das in Ordnung.

ZEIT ONLINE: Welche Aufgaben üben die Supporters im Verein aus?

Bednarek: Wir machen die Stimmung, wir organisieren die Auswärtsfahrten, wir verteilen die Karten – und zwar auch nach dem Faktor, wer wie lange und wie oft dabei ist. Um die Hamburger Vereinsstruktur, die uns Mitgliedern Mitbestimmung einräumt, beneiden uns die Konkurrenten. Nicht nur die aus dem Inland, auf uns schaut Europa. Neulich war die BBC hier, um eine Dokumentation zu drehen, danach eine schwedische Reportergruppe. In Hannover und München gibt es keine Fans, sondern Kunden. Wir in Hamburg haben das Spiel behalten. Hoffmann wollte die Ausgliederung der Profiabteilung, die Mitglieder haben sie vor vier Jahren deutlich abgelehnt. Sie haben sich ihre Rechte am Fußball erhalten. Wenn Sie mich fragen – ich bin nicht für die 50+1-Regel, ich bin für die 100-Regel. So lassen sich unsere Ideale besser durchsetzen.

ZEIT ONLINE: Was sind denn Ihre Ideale? Geht es den Supporters nicht auch schlicht um Posten?

Bednarek: Erstens gehört der Verein seinen Mitgliedern. Zweitens: Erfolg ja, aber nicht um jeden Preis. Wir sind nicht so naiv und glauben, ohne Kommerz auskommen zu können. Wir sind keine Romantiker. Wir wollen Geld verdienen, um Fußball zu spielen. Der Trend geht aber in die andere Richtung: Fußball spielen, um Geld zu verdienen.

ZEIT ONLINE: Sprechen Sie jetzt vom HSV?

Bednarek: Nein, vom Allgemeinen. Beim HSV müssen wir aufpassen, dass wir den Bogen nicht überspannen. Wohin das führt, sehen wir in England: den Niedergang der Fan-Kultur. Heute blicken Engländer und andere neidisch auf Deutschland, das Paradies für Fußballfans: Stehplätze, billige Tickets, gute Stimmung, volle Stadien.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel die HSH Nordbank Arena.

Bednarek: Früher haben wir immer über die Betonschüssel Volksparkstadion gemeckert. Heute sind wir stolz auf unsere Arena. Wie auch immer sie heißt. Dass der Name verkauft wurde, hat den Bau des Stadions erst ermöglicht.

Die Fragen stellte Oliver Fritsch.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service