Online-Wahlkampf Graswurzeln im Netz
Wenn eine Partei im Internet Stimmen sammeln kann, dann wohl die Grünen. Nun müssen sie das Potenzial nur noch nutzen. Teil zwei der Serie
Von allen Parteien, die in diesem Jahr in den Bundestagswahlkampf ziehen, sind es wohl die Grünen, die die größten Hoffnungen auf das Internet setzen. Es werde "ein zentraler Bestandteil unseres Wahlkampfes sein", sagt Robert Heinrich, Leiter der Öffentlichkeitarbeit und für die Onlinekampagne verantwortlich.
Drei Dinge wollen die Grünen-Wahlkämpfer erreichen: Wähler vernetzen, Geld sammeln, Unterstützer finden. Das wollen alle anderen Parteien auch, vermutlich aber haben die Grünen dafür die besten Voraussetzungen.
© datenschutz-ist-buergerrecht.de

Die Seite "Datenschutz ist Bürgerrecht" zeigt, dass sich mit konkreten Themen Menschen mobilisieren lassen
"Wir Grüne kommen aus der Graswurzelbewegung", sagt Heinrich. Soll heißen, seine Partei habe Erfahrung darin, dezentrale Netzwerke aufzubauen und zu nutzen. Was sicher stimmt, begriff sich die Ökopartei doch lange als Organisation, in der die Basis überall mitreden durfte. Zumindest, bis sie in der Bundesregierung angekommen war und die Graswurzel-Bewegten ziemlich unzufrieden mit dem Kurs ihrer Führung wurden.
Die Zeit der Opposition hat diese Einstellung offensichtlich verändert. Inzwischen haben die Grünen erkannt, dass bei Netzwerken wie Attac oder auch dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung ihre ureigne Klientel Politik macht. Dass Attac-Mitgründer Sven Giegold seit Herbst 2008 Grünenmitglied und Kandidat für die Europawahl ist, kann als Zeichen gelten, dass die Partei wieder bereit ist, ihnen zuzuhören.
Das spiegelt sich auch im Internet. Seit Jahren schon ist Datenschutz ein wichtiges Thema, vor allem eines für jene, die sich im Netz bewegen und sich dafür interessieren. Und eigentlich könnte es seit Jahren ein Thema für die Grünen sein. Ist es auch, behauptet Parteichefin Claudia Roth gerne. Sichtbar aber war das lange nicht.
Erst Mitte des vergangenen Jahres änderte sich das, da startete die Seite "Datenschutz ist Bürgerrecht". Die macht vor, was mit dem Netz so möglich ist, wenn man denn will. Es gibt auf ihr ein inzwischen recht gutes Blog zum Datenschutz, es gibt Mitmachaktionen, die den Nutzern etwas bringen oder auch mal den politischen Gegner ärgern, es gibt vor allem Informationen. Die Seite ist – im Gegensatz zur Startseite der Partei – gut gebaut und barrierefrei, der Server speichert keine Daten, und zur Übertragung wird das sichere Protokoll https genutzt. Vorbildlich. Und zeigt, dass sich Interesse noch immer am besten mit Themen wecken lässt.
Spenden kann man dort ebenfalls. Allerdings nur per Überweisung oder per Kreditkarte. Was seltsam ist, denn wer sich für Datenschutz interessiert, ist oft nicht scharf darauf, seine Kreditkartendaten ins Netz zu stellen. Aber man kann ja nicht alles richtig machen, und ändern soll es sich auch noch, wie Heinrich verspricht.
- Datum 04.09.2009 - 17:16 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Wir müssen intelligent und glaubwürdig in den Netzwerken kommunizieren und die Menschen ernst nehmen"
Die Glaubwürdigkeit der Grünen ist allerspätestens durch die Koalition mit der CDU in Hamburg und der daraus folgenden Poltik ein Ammenmärchen. Wenn es einen bedeutenden Wortbruch von Politikern im letzten Jahr gegeben hat, dann diesen.
So etwas kann man zwar in den Meinungsmedien mit Stillschweigen übergehen, aber nicht im Internet.
Ja, ich hab sie auch schonmal gewählt und was war der Erfolg? Ein Koalition mit der Schröder-SPD und immer fein kuschen, wenn es nicht gerade um's Kernthema Umwelt ging.
Nein, nein, der Gang durch die Institutionen hat viele Protagonisten altern und zahm werden lassen, andere zu einfältigen Gockeln gemacht, wie man sie in jeder anderen Partei auch finden kann (ihr wisst schon wen ich meine). Die repräsentative "Demokratie" mit ihren Parteihierarchien und ihrer Abhängigkeit von guter Presse verschleift halt auch den besten Ansatz über kurz oder lang und mit einem "single topic" wie Umweltschutz hat eine Partei sowieso schlechte Karten. Die Grünen leben imho noch vom Trägheitsmoment, ein Protestpartei die irgendwie gut fürs Gewissen ist und nicht so radikal und auch nicht so konservativ wie die CDU, nicht so marode zerissen wie die SPD, nicht so radikal liberal wie FDP, nicht so links wie die LINKE, und nicht so rechts wie die NPD.
"Wir Grüne kommen aus der Graswurzelbewegung"
Wie schön. Wie sehr ihr, liebe Grüne, graswurzelt wenn ihr an der MACHT seid, hab ich gemerkt. Wenn etwa der Ex-Parteipatriarch Fischer sich offen gegen Volksentscheide ausspricht. Aber Macht korrumpiert halt schon immer. Aber bitte, ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Ich wähle sofort grün, wenn die Grünen glaubhaft versprechen Volksentscheide und -begehren in einem entsprechenden Koalitionsvertrag ZWINGEND einzubinden und zwar die bürgerfreundliche Variante mit 2% Quorum und allem drum und dran. Der Internet-Schnick-Schnack dürfte in D niemand vom Hocker hauen, dazu ist die Parteienlandschaft zu grau und die Deutschen zu skeptisch gegenüber Erlösern, mit denen sie geschichtlich gesehen nicht besonders gut gefahren sind.
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