Natürlich gibt es in diesen Stunden und Tagen Wichtigeres als die Kleider der neuen First Lady. Es geht um ein marodes Gesundheitssystem, mangelnde Bildung, eine Wirtschaftskrise und Kriege. Selbst für Michelle Obama wird es Wesentlicheres geben als die Wahl ihres Outfits. Dennoch: Die neue First Lady ist rund 25 Jahre jünger als ihre Vorgängerinnen und lebt einen frischen Stil vor, der unter amerikanischen Designern und Modejournalisten eine Euphorie auslöst, wie es sie seit Jackie Kennedy nicht mehr gegeben hat. Und so, wie sich Michelle Obama für alle Angelegenheiten ihres Mannes interessiert, ist sicher, dass sie auch mit so etwas Nebensächlichem wie ihrer Kleidung eine Aussage treffen will.

Während der Vereidigung trug sie ein limettengrünes Kleid mit passendem Mantel der Designerin Isabel Toledo. Schon während des Wahlkampfs hatte sie regelmäßig Entwürfe der New Yorker Modemacherin getragen. Deren Modelle sind streng geschnitten und sitzen perfekt - ein kontrollierter Stil, Voraussetzung der Garderobe einer Präsidentengattin. Doch haben sie stets ein gewisses Extra: ein Detail im Schnitt oder einen Farbakzent, der das Kleid heraushebt aus dem nur strengen Business-Look, wie ihn beispielsweise Hillary Clinton pflegte.

Michelle Obamas Toledo-Kleid war sogar nahezu glamourös. Der Stoff funkelte in der Januarsonne, und am Ausschnitt glänzte eine üppige Applikation. Klar: An dem Tag, an dem ihr Mann vor Millionen Menschen die Hoffnung feierte, durfte sie selbst auch strahlen. Michelle Obama hat am Dienstag erneut gezeigt, warum sie seit zwei Jahren auf der "Best dressed"-Liste des Magazins Vanity Fairs steht.

Umstritten: das rot-schwarze Kleid von Narciso Rodriguez, das Michelle Obama in der Wahlnacht trug © Joe Raedle/Getty Images

Sicher, es gab auch schon Kritik. So höhnte ein Journalist über das rot-schwarze Kleid des Designers Narciso Rodriguez, das Michelle Obama in der Wahlnacht trug: "Lava-Lampen-Look". Dabei hatte sie mit diesem Outfit etwas Bemerkenswertes getan: Sie hatte dem Glamour der Designerrobe eine höchst entspannte Note hinzugefügt, indem sie sie mit einem schwarzen Strickjäckchen kombinierte. Wie lässig, wie entspannt! Genau darin liegt ihre Kunst. Sie trägt die Designerkleider nicht einfach wie vom Laufsteg. Sie legt selbst Hand an, verändert ein kleines Detail, ergänzt das Modell mit Konfektionsware.

Michelle Obama sagt: Es gehe nicht nur um Geld. Stil besteht darin, die Dinge zu kombinieren, um die eigenen Vorzüge zu betonen. Gut aussehen kann man auch in Kleidern von der Stange. Die amerikanischen Frauen (und Männer) lieben diese Mischung aus Glamour und Lässigkeit. Während des Wahlkampfs trug Michelle Obama einmal ein schwarz-weißes Kleid von Donna Ricci, für umgerechnet 95 Euro. Es war im Nu ausverkauft.