Krieg im Kongo Gemeinsam gegen Hutu-Milizen
Im Osten Kongos liefern sich Milizen und Armeeeinheiten einen blutigen Krieg. Und nun greift auch die Armee des Nachbarlandes Ruandas in die Kämpfe ein

© LIONEL HEALING/AFP/Getty Images
Soldaten der Tutsi-Miliz an einem Checkpoint der kongolesischen Regierung in Goma
Rund 2000 schwer bewaffnete Soldaten der Armee Ruandas beteiligen sich seit gestern an Kampfhandlungen im Kongo. Offiziell befinden sich die ruandischen Soldaten unter dem Befehl der Armee des Kongos. Ziel des gemeinsamen Einsatzes mit Regierungsstreitkräften des Kongos ist es, die Hutu-Miliz zu entwaffnen, die den Osten Kongos seit Mitte der neunziger Jahre destabilisiert. Der Einmarsch ruandischer Soldaten hatte 1996 maßgeblich zum Ausbruch des Bürgerkriegs im Kongo geführt, der bis heute annähernd 5,5 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.
Seit 1994 in Ruanda Hutu-Milizen in wenigen Tagen 800.000 Angehörige des Stammes der Tutsi töteten und sich anschließend in den benachbarten Kongo flüchteten, kommt die Region um den Kivu-See nicht zur Ruhe. Nachdem Tutsi-Milizen in Ruanda die Regierung übernahmen, verfolgten sie die Hutu-Einheiten seit 1996 auch auf kongolesischen Boden. In dem rohstoffreichen Gebiet kommt es seitdem immer wieder zu Gewaltausbrüchen, wie jüngst in Kämpfen zwischen Tutsi-Milizen unter Befehl Laurent Nikundas mit der Armee des Kongos und Hutu-Milizen, in denen mehr als 200 Menschen getötet wurden. Trotz militärischer Erfolge hat Nkunda nun die Kontrolle über seine Kämpfer verloren.
Der ehemalige kongolesische General Nkunda hatte sich 2004 von der kongolesischen Regierung losgesagt und eine Tutsi-Miliz gegründet. Nkunda behauptet, dass die Tutsi im Kongo bedroht seien, und führt seitdem Krieg gegen die Armee Kongos und die Hutu-Miliz Forces démocratique pour la libération du Rwanda (FDLR). Seine nach UN-Angaben ungefähr 6000 Mann starke Privatarmee des Congrès national pour la défense du peuple (CNDP) gilt als diszipliniert und als stärkste militärische Organisation in der Region. In den Bergen Nordkivus erhebt Nkunda Steuern und lässt Minen ausbeuten. Seine Miliz wird von Ruanda unterstützt.
Nach dem Scheitern eines Friedensabkommens vom Januar 2008 rückten Nkundas Einheiten im Herbst bis zur Provinzhauptstadt Goma vor. Die schlecht ausgestattete kongolesische Armee war den CNDP-Truppen ebenso wenig gewachsen wie die Hutu-Milizen. Die im Rahmen der UN-Mission im Kongo stationierten UN-Soldaten verhinderten zwar, dass Nkundas Miliz die Stadt einnehmen konnte, ermöglichten dadurch aber den für Fehlverhalten bekannten kongolesischen Soldaten, die Stadt zu plündern. Kein Wunder, dass die UN-Soldaten keinen guten Ruf im Kongo haben.
- Datum 21.01.2009 - 19:12 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Im Gaza-Massaker der letzten Wochen zeigte sich die Bigotterie offizieller westlicher Sichtweisen, die deutlich zwischen dem Existenzrecht Israels und dem der Palästinenser unterschied.
Im Ruanda-Kongo-Krieg zeigt sich die die Bigotterie unserer westlichen Werte, die Konflikten in der Dritten Welt ungeachtet aller Opferzahlen fast vollständig ignoriert.
Der geringe Nachrichtenwert des Abschlachtens von Ruanda bis Darfur ist ein deutlicher Beleg, dass Menschenrechte und mediale Aufmerksamkeit offensichtlich immer unwichtiger werden, je dunkler die Hautfarbe .
Das liegt nicht zwingend die Hautfarbe. Der aktuelle Israel Konflikt ist im Vergleich mit den Zuständen im Kongo oder Dafur überschaubar. Es gibt klar gezogene Fronten zwischen Israel und den Palästinensern. Seit den 60er Jahren haben sich Menschen ihre Meinung gebildet und ihre Sympathien eher auf die eine oder andere Seite verteilt.
Der Gaza Konflikt ist deshalb medienkompatibel.
Die schnell wechselnden Fronten im Kongo oder in Dafur sind es nicht, obwohl dort Verbrechen an Zivilisten in einem Ausmaß begangen werden, die jeden Vergleich mit dem heutigen Gaza Konflikt lächerlich machen.
Alle drei Konflikte haben aber eins gemeinsam, sie sind wahrscheinlich nicht dadurch lösbar, indem man die Schuld einseitig zuweist.
Das denke ich auch. Der Konflikt im Gaza war, was die mediale Darstellung angeht, relativ simpel. Vor allem gab es auf unterschiedlichen Seiten klare Vorstellungen davon, wer jeweils der Schwache und der Starke ist, wer Täter und Opfer. Daran entzündeten sich eine Menge emotionaler Diskussionen, wer wollte, konnte recht klar Partei ergreifen. Die Situation in Afrika aber ist völlig verworren, die Zahl der Milizen, Kontrollverluste über eigene Kämpfer, plündernde Regierungssoldaten, man kann nur noch durch intensive Beschäftigung mit dem Konflikt die Hergänge rekonstruieren. Trotzdem gibt es am Schluß dann niemanden, für den sich Partei ergreifen liesse. Das Ganze ist ein brodelnder und völlig unkalkulierbar scheinender Hexenkessel, von dem man am liebsten die Finger lassen möchte. Was eigentlich besonders schlimm ist, bei der gigantischen Zahl von Opfern. Es interessiert aber nicht nur die Politik nicht. Auch in diesem Forum merkt man die nicht vorhandene Teilnahme deutlich. Während manche Artikel zu Gaza nach einem Tag 60 oder 100 Foreneinträge vorweisen konnten, tut sich hier auch von Seiten der Leserschaft nichts...
15 Jahre nach diesem schrecklichen Massenmord nach wie vor (und ausgerechnet in der Zeit) vom "Stamm der Tutsi" zu lesen ist beschämend.
Die Zugehörigkeit zur Gruppe der Hutu oder zur Gruppe der Tusti hatte ursprünglich etwas mit der sozialen Stellung zu tun. Mitnichten sind Hutu und Tutsi unterschiedliche "Stämme". Die Bevölkerung Ruandas ist - anders als die der meisten afrikanischen Länder - sprachlich und religiös homogen.
Dazu, dass die Gräben zwischen den Tutsi und Hutu heute so groß sind, haben maßgeblich die deutsche und belgische Kolonialverwaltung beigetragen, indem Sie die Hutu-Mehrheitsbevölkerung mithilfe der Tutsi-Oberschicht ausgeuteten.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren