Kopfverletzungen Kaputt ist kaputt
Nicht nur auf der Skipiste sind Hirn und Schädel in Gefahr: Das Risiko von Traumata und bleibenden Schäden ist beinahe allgegenwärtig. Und meistens wird es unterschätzt
Nicht mehr lange, dann schmilzt der Schnee auf den Pisten und mit ihm vermutlich die Erinnerung an den schweren Unfall von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus. Sein Zusammenstoß mit einer Skiläuferin aus der Slowakei, die an den Folgen ihrer schweren Kopfverletzungen starb, hat eine Debatte über die Sicherheit auf Skipisten ausgelöst: Ist es überhaupt verantwortlich, ohne Kopfschutz über den Schnee zu jagen? Auf keinen Fall, sagten die Experten. Eher nicht, räumten die Wintersportverbände ein. "Tragt Helme!", forderten deshalb auch Politiker und Zeitungen. Nun, für den nächsten Skiurlaub werden sich das bestimmt einige vornehmen.
Ob ein Helm in den Ferien ausreicht, ist derweil eine andere Frage. Zwar nimmt die Zahl der besonders brachialen Kollisionen gerade auf den Pisten zu, und jedes zehnte Unfallopfer trifft es dabei am Kopf. Das sind immerhin 6000 lädierte Skifahrerschädel pro Jahr. Doch das Risiko fällt im Alltag eher größer aus: Tatsächlich sind schwere Kopfverletzungen die Todesursache Nummer eins unter Erwachsenen jünger als 40 Jahre. Im Jahr 2007 verunglückten in Deutschland zum Beispiel fast 80.000 Radfahrer, und allein 85 Prozent aller Fahrradunfälle führen zu einer Verletzung am Kopf.
Da die Unfallgegner im Straßenverkehr zudem immer stabilere Autos sind, nimmt auch hier die Ziffer besonders heftiger Zusammenstöße zu. "Sie müssen sich den Radfahrer wie einen Pfeil vorstellen – und der Kopf ist die Pfeilspitze", sagt Ullrich Meier, Direktor der Abteilung für Neurochirurgie am Unfallkrankenhaus Berlin (UKB). Und nicht einmal per pedes sei der Kopf zwangsläufig sicher: "Ein Schädel-Hirn-Trauma kann man sich auch durch einen einfachen Sturz zuziehen, vor allem, wenn Alkohol im Spiel ist", erklärt Meier. "Dann fehlt die Reaktionsfähigkeit, man stützt sich nicht mehr ab und der Kopf prallt direkt auf den Boden".
Wer Glück hat, kommt nach einem solchen Aufprall mit einer Platzwunde oder einer kleinen Beule davon – und vielleicht noch mit einer leichten Gehirnerschütterung. Die ist zwar unangenehm, weil der Stoß dem Gehirn einen kleinen Blackout beschert und die Betroffenen häufig ein paar Tage unter Übelkeit, Erbrechen und Kopfweh leiden. Schäden an der Hirnsubstanz bleiben nach Aussage von Ullrich Meier aber nicht zurück.
- Datum 21.01.2009 - 18:11 Uhr
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Es gab mal Zeiten, da haben ZEIT-Journalisten recherchiert und nicht irgendwo abgeschrieben. Wer heute immer noch mit der längst widerlegten Ente "85%" kommt, entlarvt sich als Abschreiberling.
Und wer meint, vom Skiunfall (Geschwindigkeiten jenseits 60-70 km/h) eines Politikers auf Radfahrer im Alltag (10-15 km/h) überleiten zu müssen, entlarvt sich als völlig ahnungslos von der Materie.
Hier hat es dann vermutlich auch kaum noch Sinn, auf Statistiken aufmerksam zu machen, die in Ländern mit Fahrradhelmpflicht (Australien, Neuseeland) mehrmals erhoben wurden. Die zeigten, dass sich durch die Helmpflich überhaupt nichts am Anteil "schwerverletzte" oder "tote Radfahrer" im Unfallgeschehen geändert hatte. Nur die Anzahl der Radfahrer wurde mit der Helmflicht halbiert, die anderen fahren heute Autos... Tolle Wurst!
Aber der 85%-Fraktion ist das egal, sie verbreitet ihre urbane Legende weiter und jede Woche fällt irgendwo in irgendeiner Redaktion jemand darauf herein...
Ist euch das denn überhaupt nicht peinlich?
dass hier "Kopfverletzungen" und wirkliche Kopfverletzungen mal aufgedröselt würden. Wen interessieren in diesem Zusammenhang blutige Kinne und ausgeschlagene Zähne? Da würden die heißgeliebten Helme sowieso nicht helfen.
Und warum diese Einschränkung auf Sport und Verkehr? Verletzen sich Menschen auf Treppen nicht mehr die Köppe? Und wieso wird nicht gesagt, wieviele Autofahrer den diese berühmten Kopfverletzungen davontragen? Autofahrerhelme, anyone?
Und seit wann müssen Radfahrer auf ihre Köpfe aufpassen? Das ist gottverdammtnochmal der Job der Autofahrer! (Zumindest, wenn eins beteiligt ist)
Also bitte, das nächste Mal vernünftige Zahlen (nicht irgendwelche hingesemmelten 80000*0,85 Kopfverletzungen im Zusammenhang mit der "Todesursache Nr. 1"). Aber das würde ja Recherche bedeuten. Die bezahlt die Helmlobby nicht.
"Und seit wann müssen Radfahrer auf ihre Köpfe aufpassen? Das ist gottverdammtnochmal der Job der Autofahrer!"
... Beim Fahrstil so manchen Radfahrers muss man sich fragen, ob der überhaupt einen Kopf hat: fährt wie eine gesengte Sau, guckt nicht links oder rechts. Aber die Autofahrer sollen gefälligst auf seinen Kopf aufpassen! Und die Fußgänger sollen gefälligts darauf achten rechtzeitig den Weg frei zu machen.
Autofahrer sind auch nur Menschen und können nicht jede Gefährdung schon im vorraus riechen. Es ist ziemlich dämlich aus Eitelkeit auf den Helm zu verzichten und ziemlich unfair den Autofahrern die komplette Verantwortung aufzuhalsen!
Ist halt cool ohne Helm und Verantwortung auf'm Rad durch die Botanik zu rasen.
"Und seit wann müssen Radfahrer auf ihre Köpfe aufpassen? Das ist gottverdammtnochmal der Job der Autofahrer!"
... Beim Fahrstil so manchen Radfahrers muss man sich fragen, ob der überhaupt einen Kopf hat: fährt wie eine gesengte Sau, guckt nicht links oder rechts. Aber die Autofahrer sollen gefälligst auf seinen Kopf aufpassen! Und die Fußgänger sollen gefälligts darauf achten rechtzeitig den Weg frei zu machen.
Autofahrer sind auch nur Menschen und können nicht jede Gefährdung schon im vorraus riechen. Es ist ziemlich dämlich aus Eitelkeit auf den Helm zu verzichten und ziemlich unfair den Autofahrern die komplette Verantwortung aufzuhalsen!
Ist halt cool ohne Helm und Verantwortung auf'm Rad durch die Botanik zu rasen.
Wiedermal die tolle Studie mit 85%..... da steht auch drin, das ueber 70% der Verletzungen am Körper auch durch den Helm unterbunden werden... spätestens dann weiss man wie es um die Qualität steht.
Nix gegen Helme, die schützen sicherlich, aber dieser Helmzwang hat in erster Linie eine ganz einfach Folge: Es fahren weniger Leute Rad, signifikant weniger, daß haben die offiziellen Zahlen in Australien und manchen US-Staaten ergeben. Und -jetzt kommt der Clou!- die Totenzahlen gehen nach oben. Dies kommt durch den mehrfach erwiesenen Zusammenhang, das ein hohes Radfahreraufkommen die Sicherheit erhöht, weil Autofahrer mehr auf Sie bedacht sind.
Auch ich würde bei Helmpflicht (die in den Niederlanden, wo ich wohne wohl eh nie kommt) auch das Rad stehen lassen. Und zwar aus Eitelkeit, sowohl beim Fahren, wie auch nachher im Job, wo ich einfach nicht mit Helmet-Hair auftauchen will. Davon abgesehen sollte man erst den Australiern folgen und eine Helmpflicht beim Autofahren untersuchen.
Klingt irre? Nein, Autofahrer sterben mehr als 20x häufiger an Kopfverletzungen als Radfahrer (und zwar relativ, nicht absolut gerechnet). Selbst Fußgänger erwischt es öfter als Radfahrer. Anstatt der logischen Helmpflicht für alle wäre Eigenverwortung wohl angebrachter.
"Und seit wann müssen Radfahrer auf ihre Köpfe aufpassen? Das ist gottverdammtnochmal der Job der Autofahrer!"
... Beim Fahrstil so manchen Radfahrers muss man sich fragen, ob der überhaupt einen Kopf hat: fährt wie eine gesengte Sau, guckt nicht links oder rechts. Aber die Autofahrer sollen gefälligst auf seinen Kopf aufpassen! Und die Fußgänger sollen gefälligts darauf achten rechtzeitig den Weg frei zu machen.
Autofahrer sind auch nur Menschen und können nicht jede Gefährdung schon im vorraus riechen. Es ist ziemlich dämlich aus Eitelkeit auf den Helm zu verzichten und ziemlich unfair den Autofahrern die komplette Verantwortung aufzuhalsen!
Ist halt cool ohne Helm und Verantwortung auf'm Rad durch die Botanik zu rasen.
Also, erst mal war nicht die Rede von "bösen" Autofahrern, sondern von ganz normalen. Genau die gefährden nämlich die Köpfe anderer Menschen, deren Köpfe sonst nicht so in Gefahr wären. Ich finde es schlicht asozial, die Verantwortung dafür den Opfern aufzudrücken, Fußgänger, Radfahrer, oder (am häufigsten!) andere Autofahrer.
Typisch übrigens mal wieder, den "Fahrstil der Radfahrer ... gesengte Sau" zu erwähnen, aber Autofahrer "sind auch nur Menschen". Soso. Und ehrlich: Im Zusammenhang mit Radfahrern von "Eitelkeit" und "Unfairness" zu sprechen, ist ja wohl ein Witz - es sei denn, SIe laufen blind durch die Welt. Wenn ich diese Eigenschaften auf unseren Straßen sehe, dann eigentlich immer in Autos, selten auf Rädern oder zu Fuß.
Also, erst mal war nicht die Rede von "bösen" Autofahrern, sondern von ganz normalen. Genau die gefährden nämlich die Köpfe anderer Menschen, deren Köpfe sonst nicht so in Gefahr wären. Ich finde es schlicht asozial, die Verantwortung dafür den Opfern aufzudrücken, Fußgänger, Radfahrer, oder (am häufigsten!) andere Autofahrer.
Typisch übrigens mal wieder, den "Fahrstil der Radfahrer ... gesengte Sau" zu erwähnen, aber Autofahrer "sind auch nur Menschen". Soso. Und ehrlich: Im Zusammenhang mit Radfahrern von "Eitelkeit" und "Unfairness" zu sprechen, ist ja wohl ein Witz - es sei denn, SIe laufen blind durch die Welt. Wenn ich diese Eigenschaften auf unseren Straßen sehe, dann eigentlich immer in Autos, selten auf Rädern oder zu Fuß.
Also 85% mal wieder. Es ist erschreckend, wie unkritisch auch vorgeblich seriöse Medien irgendwelche Zahlen aus dem Internet(?) abschreiben. Nachweis?
Die zweite Frage wäre gewesen: Wie gefährlich ist das Fahrradfahren denn überhaupt? Kein Wort dazu.
Die dritte Frage wäre gewesen, ob die vielgepriesenen Helmchen denn auch tatsächlich eine Schutzwirkung haben, die, sagenwirmal, mehr ausmacht als bloß vor ein paar Kratzerchen zu schützen. Diese Frage mag etwas konstruiert klingen, aber genau das ist m.W. trotz umfangreichen Zahlenwälzens bisher nicht gelungen.
Wenn schon kein Nachweis, hat vielleicht schonmal irgendjemand halbwegs realistisch einen Unfall ode dergleichen nachgestellt, um wenigstens ein bischen zu plausibilisieren? Also z.B. Dummy mit und ohne Helm aufs Rad und verunfallen lassen, oder irgendwas in dieser Art? Auch Fehlanzeige, bisher wird das alles reichlich theoretisch mit "Prüfkörpern" abgefrühstückt.
Viel heiße Luft (85%?), nix dahinter.
Aber der Knaller ist natürlich das mit dem Althaus-Unfall.
Der Althaus hat nämlich eine Hirnblutung bzw. ein Trauma erlitten - genau das, was der Helm nach Meinung der "Experten" verhindern soll. So stehts jedenfalls im Artikel. Im Klartext: In diesem Fall hat der Helm schlicht und ergreifend versagt.
Es ist mir schleierhaft, wie man ausgerechnet den Althaus-Unfall als Aufhänger für Helmpropaganda nehmen kann und im selben Artikel dann auch noch auf Blutungen und Traumata zu sprechend kommt.
Es hätte doch beim Schreiben des Artikels auffallen müssen, dass das hinten und vorne nicht zusammenpasst....
"Aber der Knaller ist natürlich das mit dem Althaus-Unfall.
Der Althaus hat nämlich eine Hirnblutung bzw. ein Trauma erlitten - genau das, was der Helm nach Meinung der "Experten" verhindern soll. So stehts jedenfalls im Artikel. Im Klartext: In diesem Fall hat der Helm schlicht und ergreifend versagt."
Erinnern Sie sich noch, was mit seiner Unfallgegnerin passiert ist? Aufgabe eines Helmes ist, die Kraft zu verteilen. Damit ist die Wahrscheinlichkeit bei gleicher Belastung ein SHT zu erleiden geringer. Logischerweise aber in Abhängigkeit von der Belastungsstärke. Wenn Sie mit dem Kopf in einer Schrottpresse sind, hilft Ihnen auch der Helm nichts mehr. Dass Althaus noch lebt, hat er (höchstwahrscheinlich) seinem Helm zu verdanken. Von "Versagen" zu sprechen, ergibt also wenig Sinn.
Generell kann ich auch nicht verstehen, wie man von "Helmpropaganda" sprechen kann. Dass Helme gegenüber gegen den Kopf gerichtete Kräfte eine Schutzwirkung aufweisen und damit eine erhöhte Überlebenswahrscheinlicheit zur Folge haben, war nicht nur schon den Steinzeitmenschen bekannt, die sich aufgrund wilder Keulenschwünge zum ersten Mal Tierleder auf den Kopf banden, sondern für jeden Motorradfahrer, Reiter, Kampfsportler etc. selbstverständlich.
Warum sollte diese Schutzwirkung gerade beim Fahrradfahren nicht mehr vorhanden sein?
Ich gebe Ihnen insofern recht, dass die Schutzwirkung quantifiziert werden muss, wenn Helmpflichten diskutiert werden. Eine Einschränkung der Handlungsfreiheit kann nur durch einen besonderen Sicherheitsgewinn gerechtfertigt werden (s. Gurtpflicht).
"Aber der Knaller ist natürlich das mit dem Althaus-Unfall.
Der Althaus hat nämlich eine Hirnblutung bzw. ein Trauma erlitten - genau das, was der Helm nach Meinung der "Experten" verhindern soll. So stehts jedenfalls im Artikel. Im Klartext: In diesem Fall hat der Helm schlicht und ergreifend versagt."
Erinnern Sie sich noch, was mit seiner Unfallgegnerin passiert ist? Aufgabe eines Helmes ist, die Kraft zu verteilen. Damit ist die Wahrscheinlichkeit bei gleicher Belastung ein SHT zu erleiden geringer. Logischerweise aber in Abhängigkeit von der Belastungsstärke. Wenn Sie mit dem Kopf in einer Schrottpresse sind, hilft Ihnen auch der Helm nichts mehr. Dass Althaus noch lebt, hat er (höchstwahrscheinlich) seinem Helm zu verdanken. Von "Versagen" zu sprechen, ergibt also wenig Sinn.
Generell kann ich auch nicht verstehen, wie man von "Helmpropaganda" sprechen kann. Dass Helme gegenüber gegen den Kopf gerichtete Kräfte eine Schutzwirkung aufweisen und damit eine erhöhte Überlebenswahrscheinlicheit zur Folge haben, war nicht nur schon den Steinzeitmenschen bekannt, die sich aufgrund wilder Keulenschwünge zum ersten Mal Tierleder auf den Kopf banden, sondern für jeden Motorradfahrer, Reiter, Kampfsportler etc. selbstverständlich.
Warum sollte diese Schutzwirkung gerade beim Fahrradfahren nicht mehr vorhanden sein?
Ich gebe Ihnen insofern recht, dass die Schutzwirkung quantifiziert werden muss, wenn Helmpflichten diskutiert werden. Eine Einschränkung der Handlungsfreiheit kann nur durch einen besonderen Sicherheitsgewinn gerechtfertigt werden (s. Gurtpflicht).
Manche Behauptung in diesem Artikels ist schlicht widersinnig, zum Beispiel die als Tatsache hingestellte Behauptung, dass bei den Unfällen von Radlern im Straßenverkehr die Unfallgegner immer Autos sind. Man kann in Deutschland tagtäglich erleben, was passiert, wenn Radlern übertriebene Angst vor Autos suggeriert wird und sonst keinerlei Gefahren des Straßenverkehrs herausgestrichen werden: viele Menschen fahren lieber auf vereisten Radwege als auf der verhältnismäßig sichere Straße, viele fahren auf dem Bürgersteig, und viel zu viele befahren Radwege in der falschen Richtung. Dadurch gefährden sie sich und andere, oft auch schwächere, Verkehrsteilnehmer.
Auch nicht gerade erleuchtet finde ich die Behauptung, dass die harte Schale eines Helms die Kraft eines Stoßes verteile und seine Härte damit abmilde, der Helm also somit zur unverzichtbaren Ausrüstung eines Radlers gehöre. Fahradhelme haben nämlich keine harte Schale, und das aus gutem Grund: mit einem Motorradhelm kann man schlecht bergauf an einem Sommertag Fahrrad fahren.
Von diesen Punkten mal abgesehen ist der Artikel insgesamt recht einseitig. Menschen, die sich gegen das Helmtragen entschieden haben, werden als Trottel hingestellt, die die Risiken eines Schädel-Hirn Traumas nicht wahrnehmen, und auf Nachteile des Helmtragens wird überhaupt nicht eingegangen.
Die da zum Beispiel wären:
• Wenn ich einen Helm trage, werde ich mit deutlich geringerem Abstand von Autofahrern überholt. Davor habe ich Angst.
• Wenn ich einen Helm trage, verhalte ich mich selber riskanter. Ich bremse zum Beispiel weniger beim Bergabfahren. Ohne Helm fahre ich defensiver.
• Einen perfekt sitzender Helm ist teuer – zumindest wenn man bedenkt, dass er nach jedem kleinen Stoß ausgewechselt werden muss. Ein nur annähernd richtig sitzender Helm bietet aber noch weniger Schutz als ein gut angepasster, der ohnehin nicht sehr viel Schutz bietet.
• Ein Helm versperrt teilweise meine Sicht und macht es mir schwieriger, oft lebenswichtigen Augenkontakt zu Autofahrern und anderen Verkehrsteilnehmern herzustellen.
• Wenn ich einen Helm beim Bergauffahren im Sommer trage wird mein Kopf unterm Helm zu warm; das ist unbequem und führt zu Konzentrationsschwäche, die im Straßenverkehr nicht erwünscht sein kann.
• Wenn ich einen Helm trage, signalisiere ich meine Mitmenschen, dass Radfahren unverhältnismäßig gefährlich ist. Damit ermutige ich sie nicht, Fahrrad zu fahren. Je weniger Menschen aber radeln, desto weniger werden Radler von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen und desto gefährlicher wird das Radfahren. Wenn ich propagiere, dass Radfahren gefährlich ist, steigere ich damit letztendlich mein individuelles Risiko zu verunglücken. Dieses Risiko könnte ich zwar völlig entgehen, wenn ich selber nicht mehr Rad führe, aber der Preis dafür wäre sehr hoch. Ich würde auf Spaß und schnelle Mobilität verzichten, ich würde mein ohnehin deutlich größeres Risiko für eine ganze Reihe von Volkskrankheiten steigern, ich würde im Alltag mehr Stress haben und ich würde einen drastisch höheren persönlichen Beitrag zur Erderwärmung und zur Verstopfung unserer Innenstädte leisten.
Vor einigen Wochen bin ich schweißgebadet aufgewacht, nachdem ich träumte, ich sei auf einer österreichischen Skipiste mit einem Ministerpräsidenten zusammengestoßen.
Ich wusste natürlich sofort: Ohje, Trauma! Schnell zum Arzt!
Der verordnete: Helm im Bett!
Dieser Artikel strotzt nur so vor Halbwissen und falschen Zahlen.
Die ominösen 85% stammen aus einer einzigen Studie und sind mit Vorsicht zu genießen.
Die Aussage dazu lautet gewöhnlich: "85% der Kopfverletzungen lassen sich durch das Tragen eines geeigneten Helms verhindern".
Daraus werden in diesem Artikel 85% Kopfverletzungen bei 80000 Fahrradunfällen.
Machen wir das Rechenspielchen mal mit:
85% von 80000, das sind 68000 Personen mit Kopfverletzungen.
Da ein nicht unerheblicher Teil der Kopfverletzungen zum Tode führt, müssten Fahrradfahrer sterben wie die Fliegen.
Die Zahl der getöteten Radfahrer lag aber 2007 bei nur insgesamt 425 Personen, und das sind alle getöteten Radfahrer, nicht nur die durch Kopfverletzungen getöteten.
Die getöteten Radfahrer in der Altersgruppe bis 40 Jahren, bei denen die Kopfverletzungen angeblich die Todesursache Nummer 1 ist, lag bei 90 Personen.
(Quelle: Statistisches Bundesamt, Zweiradunfälle im Straßenverkehr 2007)
Auch Angabe der Helmtragequote ist falsch, sie lag nach der Erhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2007 bei 9% und nicht wie im Artikel behauptet bei 25% (jeder Vierte).
Dass Mediziner nicht viel Ahnung von Physik haben kann man an der Aussage, dass bei allen Sportarten bei denen Geschwindigkeiten über 20 Km/h erreicht werden ein Helm getragen werden sollte, feststellen.
Die Wirksamkeit der Sporthelme (Ski, Skating, Fahrrad) ist nur bis ca. 19 Km/h gegeben und die Prüfnormen gelten auch nur für diesen Bereich. Alles was darüber hinaus geht ist reine Spekulation.
Die Behauptung: "egal, wie stark der Crash ist, die harte Schale verteilt die Kraft des Stoßes" ist physikalisch gesehen Blödsinn.
Bei Geschwindigkeiten oberhalb der Prüfnorm zerbröselt der Helm und kann keine Kraft mehr verteilen.
Wirklich wirksam sind die Helme nur bis 20 Km/h und nicht über 20 Km/h.
Im Geschäftsbericht 2004 der Hannelore-Kohl-Stiftung gibt es eine Grafik mit den Ursachen für Schädel-Hirn-Traumata. Die Ursache PKW liegt bei 26%, Fahrrad bei 1%.
Demnach wird das Risiko, im Auto ein Schädel-Hirn-Trauma zu erleiden, viel stärker unterschätzt als beim Fahrradfahren.
Wo bitte bleibt der Autohelm?
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