Bauchspeicheldrüsenkrebs Der vergessene Tumor

In der alternden Gesellschaft wird Bauchspeicheldrüsenkrebs häufiger. Ein Überblick über eine kaum beachtete Krebsart und über das Organ, das von ihr befallen wird

Das gelbliche Organ auf dieser Zeichnung zeigt die Bauchspeicheldrüse – auf Latein "Pancreas". Sie liegt zwischen Magen und Wirbelsäule

Das gelbliche Organ auf dieser Zeichnung zeigt die Bauchspeicheldrüse – auf Latein "Pancreas". Sie liegt zwischen Magen und Wirbelsäule

Der US-Schauspieler Patrick Swayze ist unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. Apple-Chef Steve Jobs musste vor einigen Jahren ein Tumor aus der Bauchspeicheldrüse entfernt werden – er leidet aber bis heute an den Folgen der schweren Erkrankung. Die Prominenz der Patienten hat das Pankreas-Karzinom genau wie andere Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Endlich, meinen Mediziner.

Während über Brust- oder Darmkrebs häufig berichtet wird, gibt es bislang nur spärliche Informationen zum Pankreas-Karzinom. Zwar ist Bauchspeicheldrüsenkrebs mit rund 10.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland eine recht seltene Erkrankung, doch Wissenschaftler rechnen damit, dass die Fälle im Zuge des demografischen Wandels zunehmen werden: Denn die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu.

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Welche Funktion hat die Bauchspeicheldrüse, und was passiert, wenn sie von Krebszellen befallen ist? Wie kann man vorbeugen und welche Heilungschancen gibt es? Ein Überblick.

Das Pankreas – ein unscheinbares Organ

Die Bauchspeicheldrüse, auf Griechisch "Pankreas", liegt zwischen Magen und Wirbelsäule. Mit einer Dicke von rund zwei Zentimetern, einer Breite von drei bis vier und einer Länge zwischen 15 und 20 Zentimetern ist sie geformt wie eine Zunge.

Das relativ unscheinbare gelbliche Organ hat gleich zwei Funktionen, die für den Menschen lebenswichtig sind: Zum einen bildet die Bauchspeicheldrüse Verdauungsenzyme, die Nährstoffe aufspalten. Ohne diese Eiweiße könnte der Mensch Fett-, Kohlenhydrat- oder Eiweißmoleküle nicht zerteilen und somit auch nicht als Nahrung verwerten. Diese Aufgabe als Verdauungsorgan bezeichnen Mediziner als "exokrine" Funktion des Pankreas.

Darüber hinaus hat die Bauchspeicheldrüse eine "endokrine" Funktion, das heißt sie bildet Hormone. Diese Botenstoffe werden nur in bestimmten Teilen des Pankreas produziert, die man als Inseln (Latein: Insulae) bezeichnet. Daher hat auch das wichtigste Bauchspeicheldrüsenhormon, das Insulin, seinen Namen. Neben Glukagon spielt es eine wichtige Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel. Kann im Pankreas kein Insulin mehr gebildet werden, gerät der Zuckerhaushalt durcheinander und der Mensch erkrankt an Diabetes. Neben den Hormonen, die den Zuckerstoffwechsel steuern, werden in den Inseln der Bauchspeicheldrüse weitere Botenstoffe gebildet, die zur Verwertung von Nahrung dienen.

Was, wenn die Bauchspeicheldrüse krank ist?

Leser-Kommentare
  1. Löblich, dass Sie den Leser besser über das Pankreas informieren wollen.

    Leider gelingt Ihnen das nicht so recht. Wenn Sie denn behaupten, die Säfte der Bauchspeicheldrüse unterstützten die Verdauung im Magen, werden Sie den Lesern erklären müssen, wie denn wohl die Säfte dort hingelangen sollen: Der Ausführungsgang (! - s. unten) des Pankreas mündet etwa in der Mitte des Zwölffingerdarms, die Peristaltik geht bekanntlich von oben nach unten, und nach oben hin befindet sich überdies der sog. Magenpförtner (ja, der sitzt dort am Ausgang, während er beim Zeit-Verlag schon immer am Eingang sitzt) und hat unter anderem die Funktion eines "Rückschlagventils", d. h. er erhält die übliche Einbahnregelung im Verdauungstrakt mit aufrecht.

    Schließlich verlegt ein Gallenstein nicht etwa den "Zugang" zur Bauchspeicheldrüse, sondern deren Ausgang (Ausführungsgang!, s. oben). Eine "Zugangsverlegung" wäre dies allenfalls aus der Sicht eines eine ERCP durchführenden Arztes, nicht aber aus der Sicht des Lesers oder gar des Betroffenen!

    Sagen Sie, lassen Sie - ich mag es kaum glauben oder aussprechen - solche Artikel nicht von einem Arzt vor der Veröffentlichung Korrektur lesen?

  2. Redaktion

    Sehr geehrte(r) Erich.Mathild,

    Vielen Dank für den Hinweis. Sie haben Recht - die Passage über die Gallensteine war etwas ungenau formuliert - natürlich ist mir bekannt, dass sie nicht direkt dort entstehen. Ich wollte den Sachverhalt allgemein verständlich darstellen und nicht zu sehr ins Detail gehen. Wichtig zu wissen ist ja, dass die Bauchspeicheldrüse für die Verdauung (genau wie der Magen) von Bedeutung ist. Ich habe es jetzt aber aufgrund Ihrer Anregung etwas umformuliert.

    Selbstverständlich habe ich für diesen Artikel mit einem Spezialisten gesprochen. Mit ihm – Herrn Prof. Büchler - wird es heute auf ZEIT ONLINE auch noch ein Interview geben.

    Herzliche Grüße aus der Wissen-Redaktion, Dagny Lüdemann

    • totom
    • 20.01.2009 um 16:23 Uhr

    • „Die Bauchspeicheldrüse, auf Latein "Pankreas"…“
    Die Bezeichnung „Pankreas“ kommt aus dem Griechischen (!), bedeutet „ganz Fleisch“ und rührt daher, dass das Organ in der Antike lediglich für (funktionsloses) Fleisch gehalten wurde.
    • „Starke Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen, können ein Zeichen für eine Entzündung sein.“
    Bauchschmerzen haben tatsächlich fast alle Betroffenen. Diese müssen aber nicht in den Rücken ausstrahlen.
    • „Eine solche akute Pankreatitis kann zum Beispiel durch Gallensteine verursacht werden, die durch den Zwölf-Finger-Darm bis zur Bauchspeicheldrüse wandern und sie verstopfen. Dann treten die Sekrete aus der Drüse aus und greifen das umliegende Gewebe an.“
    Gallensteine wandern nicht vom Zwölf-Finger-Darm in Richtung Pankreas, sondern werden, wenn sie den Darm erreicht haben, komplikationslos mit dem Stuhl ausgeschieden. Gallensteine verursachen nur dann Beschwerden, wenn sie vor Erreichen des Darms im Gallengangsystem stecken bleiben.
    Da der Pankreasgang meist gemeinsam mit dem Gallengang in den Zwölf-Finger-Darm mündet, können Gallensteine, die im Bereich dieses Ausgangs festsitzen, nicht nur die Galle stauen, sondern auch den Abfluss der exokrinen Pankreassäfte behindern. Ist Letzteres der Fall, kann es sein, dass sich die Bauchspeicheldrüse bis zur völligen Zerstörung selbst verdaut.
    • „Der Alkohol fördert die Produktion bestimmter aggressiver Sekrete und führt zu einer Überfunktion des Organs. So kommt es zur Entzündung.“
    Alkohol und seine Abbauprodukte sind auch selbst direkt toxisch.
    • „In diesem Stadium hat der Krebs oft schon Metastasen gebildet und gestreut. Dann ist es fast immer zu spät für eine Operation und eine Chemotherapie.“
    Metastasen sind bereits Absiedlungen des Krebses an einem anderen Ort und müssen nicht nochmals gestreut werden.
    Aussicht auf Heilung besteht tatsächlich nur, wenn der Tumor lokal operabel ist und höchstens in der Nähe gelegene Lymphknoten von Metastasen befallen sind. Es werden aber auch palliative (lindernde) Operationen bzw. Chemotherapien durchgeführt.
    • „Von den Patienten, bei denen eine Operation noch möglich ist, überleben immerhin etwas mehr als die Hälfte die nächsten fünf Jahre nach der Diagnose.“
    Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt eher um die 10%.
    • „Ein besonderer Risikofaktor für die Entstehung eines Pankreas-Karzinoms ist Alkohol.“
    Alkoholmissbrauch gilt nicht oder schlimmstenfalls als sehr geringer Risikofaktor für Pankreas-Karzinome.
    Allerdings haben Zigaretten-Raucher ein 2-3fach erhöhtes Risiko gegenüber Nichtrauchern. Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, genetische Gründe, Umwelteinflüsse, chronische Pankreatitis und zunehmendes Alter.

    Mit freundlichen Grüßen

    Marcus Ittermann

  3. Eine ganz aktuelle, sehr gut dokumentierte Krankengeschichte findet sich bei
    http://download.srv.cs.cm... , der Homepage von Randy Pausch, der letztes Jahr im Sommer an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb. Zur Erinnerung. Er hielt die weltweit beachtete "Last Lecture".

  4. Redaktion

    Sehr geehrte(r) Totom,
    vielen Dank für die detaillierten Ergänzungen zu dem Artikel. Wie gesagt, er soll einen allgemeinen Überblick über die Bauchspeicheldrüse und das Pankreas-Karzinom geben.
    Details folgen im Interview. Nach meinen Recherchen gibt es den Begriff Pancreas übrigens im Lateinischen und im Griechischen.

    Herzliche Grüße aus der Wissen-Redaktion. Dagny Lüdemann

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    der Kommentator zu 1. behauptet, dass am Eingang der Zeit-Redaktion ein Magenpförtner sitzt. Dazu habe ich zwei Fragen:

    a) Stimmt das? Und

    b) wenn ja - welchen Grund gibt es dafür?

    ...
    wieso, weshalb, warum - wer nicht fragt bleibt dumm!

    der Kommentator zu 1. behauptet, dass am Eingang der Zeit-Redaktion ein Magenpförtner sitzt. Dazu habe ich zwei Fragen:

    a) Stimmt das? Und

    b) wenn ja - welchen Grund gibt es dafür?

    ...
    wieso, weshalb, warum - wer nicht fragt bleibt dumm!

  5. der Kommentator zu 1. behauptet, dass am Eingang der Zeit-Redaktion ein Magenpförtner sitzt. Dazu habe ich zwei Fragen:

    a) Stimmt das? Und

    b) wenn ja - welchen Grund gibt es dafür?

    ...
    wieso, weshalb, warum - wer nicht fragt bleibt dumm!

    Antwort auf "Zu Kommmentar Nummer 3"
  6. Der Kommentar von tomtom ist nicht etwa "detaillierter", sondern in allen genannten Punkten im Gegensatz zu Ihrem Artikel fachlich korrekt.

    Pan (=alles, ganz), kreas (=fleisch) ist ein Wort altgriechischen Ursprungs. Ob die Römer das als Lehnwort benutzt haben, entzieht sich meiner Kenntnis, aber würden sie Worte wie Aperitif oder Hasardeur als "deutsch" bezeichnen??

    Ich bin ehrlich gesagt entsetzt, mit welcher Sorglosigkeit und Ignoranz Fehler in einen Artikel geschrieben und dann nicht einmal korrigiert werden!

    Um die Liste noch zu ergänzen: den frei verfügbaren Informationen nach litt Steve Jobs nicht etwa an einem Pankreaskarzinom, sondern an einem Insulinom, welches chirurgisch entfernt wurde. Die Prognose von Insulinomen ist, je nachdem ob sie maligne entartet oder benigne sind, sehr unterschiedlich, aber pauschal sicher besser als die vom Pankreaskarzinom.

  7. Mit Steve Jobs, dem Swayze und Randy Pauls (schon vergessen?) sind drei erkrankt die jeweils immer "ganz vorne" stehen und sich Anerkennung durch Erfolg hart erarbeitet haben. Swayze macht immer noch weiter wie gehabt. Die Bauchspeicheldrüse liegt auch dort wo man sich hinfasst wenn einem etwas auf der Seele liegt. Wäre es nicht angebracht sich einmal mit der seelischen Seite der Erkrankung auseinanderzusetzen? Man kann sich nicht vorstellen daß diese erfolgreichen Leute mit ihrem gequälten Lächeln und ihrem Leben für das Äußere ganz zufällig "erwischt" wurden.
    In jedem Falle sollte man immer eine Psychotherapie empfehlen. Jedem Menschen sollte in jeder Phase seines Lebens bzw. Sterbens die Chance zur Umkehr gegeben werden, die Gelegenheit zur Rückkehr in ein Leben (dass sich durch Spontanität auszeichnet anstatt durch den Pfad den man meint der anderen wegen gehen zu müssen).

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