Finanzkrise Linke will Vorschläge von Helmut Schmidt abstimmen lassen
Der frühere Kritiker wird zum Bewunderer: Lafontaine bringt die vom Altkanzler in der ZEIT erhobenen Forderungen zur Regulierung der Finanzmärkte in den Bundestag ein
Einst, als Helmut Schmidt Kanzler und Oskar Lafontaine noch ein junger SPD-Politiker und Oberbürgermeister in Saarbrücken war, waren sie scharfe innerparteiliche Gegner. Lafontaine zog gegen den von Schmidt forcierten Nato-Doppelbeschluss ins Feld, und er attestierte ihm Sekundärtugenden, mit denen man auch ein KZ leiten könne. Schmidt nannte den heutigen Linken-Vorsitzenden wiederum jüngsten noch einen Populisten.
Doch jetzt ist Lafontaine voll des Lobes für den Altkanzler und dessen Ratschläge zur Bewältigung der Finanzkrise in der jüngsten Ausgabe der ZEIT . "Man kann als Linke nur aufatmen", sagte der frühere SPD-Chef. Schmidt sei der einzige ökonomisch versierte Angehörige des schwarz-roten Regierungslagers. Mit seinen Vorschlägen könne "die Untätigkeit der Bundesregierung" überwunden werden. Diese gehe verantwortungslos mit Milliarden Euro von Steuergeldern um.
Die von Lafontaine geführte Linken-Fraktion will Schmidts Forderungen daher als Antrag in den Bundestag einbringen. Seine Partei habe wie in punkto Finanzaufsicht zum Teil wortgleiche Kernforderungen, sagte der Partei- und Fraktionschef.
Schmidt, der vor seiner Zeit als Kanzler auch Finanzminister war, hatte in der vorigen Woche in der ZEIT unter anderem geschrieben, dass es wenig nützen werde, Milliarden von Euro für die Konjunktur auszugeben, wenn die Regierungen der Finanzwelt keine strikten Regeln vorgäben. Eine wesentliche Ursache der Misere der Weltwirtschaft sei der Verlust der Funktionstüchtigkeit der Finanzindustrie. Vertrauen in die Finanzmärkte werde nicht zurückkehren, wenn es "beim Schlendrian der Finanz- und Bankenaufsicht bleiben sollte".
- Datum 20.01.2009 - 16:52 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 17
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Sag ich doch schon immer: Der Lafontaine ist ganz gefährlich.
Eine Liaison, die auf dem ersten Blick unglaublich erscheint, die aber durchaus zu erklären ist.
Oskar Lafontaine ist sich in diesem Punkt immer treu geblieben. Er hat stets mit Eifer den Wildwuchs der Deregulierung des Finanzmarktes bekämpft. Ich finde - bei allen Vorbehalten den Linken gegenüber - das dies auch mal vom politischen Gegner ausgesprochen werden sollte. Mir scheint es fast so, als wenn jetzt, nach Eintritt der weltweiten Finanzkrise wieder beinahe alle Politiker vor den eingetretenden Ausuferungen gewarnt hätten, aber nicht gehört worden seien. Unerhört! Das neoliberale Geschwätz vom "Markt, der schon alles selbst reguliere" war die Fanfare der letzten Jahre!
Herr Lafontaine, in diesem Punkt haben Sie von Anfang an richtig gelegen! Ohne "Wenn und Aber"!
Und auch der 90-jährige Altkanzler Helmut Schmidt hat seit längerer Zeit "Verkehrsregeln für Finanzen und Banken" gefordert! Auch das ist zu jeder Zeit eine richtige und wichtige Forderung gewesen!
Warum also sollen nicht zwei (Ex-) Politiker - in sicherlich unterschiedlicher Ausprägung - in dieser Sache einer Meinung sein?
... und alle fürchten sich vor dem Etikett links (mal abgesehen von der linken Partei). Und da hat unser Altbundeskanzler jetzt endlich mal der neoliberalen Definition: Regulierung = links = Schmuddelecke einen linken Haken verpasst, für den ich mich ganz herzlich bedanke!
wird für viele eine Offenbarung sein. Ich höre schon die Kommentare:
Rezepte von gestern ........
Das war geschickt!!!
Das wird der öffentlichen Wahrnehmung der Vorschläge Helmut Schmidts hoffentlich einen kräftigen Impuls geben, so dass selbst unsere selbsternannten bürgerlichen Parteien sich in einem Wahljahr nicht mehr trauen werden, einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen.
diese Meldung wird die breite Öffentlichkeit gar nicht erreichen. Soeben habe ich einen Streifzug durch die Online-Angebote deutscher Zeitungen gemacht. Das Hamburger-Abendblatt berichtet. Süddeutsche: Fehlanzeige; Spiegel: Fehlanzeige;
Handesblatt ....
Es wird sich jetzt zeigen, inwieweit eigentlich die Parteien die Medien beherrschen.
Ja, da sind offenbar die bürgerlichen Medien sprachlos. Das passt irgendwie nicht so richtig in ihr Koordinatensystem - ungläubiges Staunen!
Spätestens wenn der Antrag im Deutschen Bundestag eingebracht wird, werden sie sicherlich darüber berichten. Mal sehen, was sie sich bis dahin ausgedacht haben.
Und auf die Reaktion der SPD darf man in der Tat gespannt sein. Denn ihr Altbundeskanzler hat es ihnen nun mal kurz vorgemacht: Da wird nicht nach Koalitionspartnern geschielt, nach Medienecho ode Wählergruppen, nein, da bemüht man einfach nur seinen ganz normalen gesunden Menschenverstand.
wird A. Merkel dem indirekt zustimmen, indem sie daraus einen umformulierten eigenen Programmpunkt macht. Frau Merkel ist nämlich geschickt und viel gescheiter, als es aussieht. Beide sind Physiker, d.h. Menschen, die logisch denken und komplizierte Zusammenhänge analysieren können, ohne sich den Blick durch ideologische Scheuklappen (was wird die Mittelstandsvereinigung sagen? was die Gewerkschaften?) verstellen zu lassen.
Das dumme ist nur, dass gescheite Menschen es oft schwer haben in der Öffentlichkeit, weil sie als arrogant wahrgenommen werden. Auch Schmidt ist erst richtig populär als Ex-Kanzler geworden. Merkel (genau wie Kohl) schafft es durch Understatement, während Lafontaine durch seine freche Schnauze überall aneckt, und Koch, der auch intelligent ist, sich durch seinen Zynismus unbeliebt macht.
Wir werden noch viel Spass haben, wenn der Hessen-Schock abgearbeitet ist. Nur die arme alte SPD, treuherzig wie immer, wird nicht wissen, wohin sie sich orientieren soll. Das ist sehr schade - denn eigentlich ist sie seit 130 Jahren das Rückgrat der Demokratie in Deutschland, auf das wir nicht verzichten können.
Da war mehr als nur die Kriegstreiberei unter Wilhelm II.
Da war mehr als nur die Kriegstreiberei unter Wilhelm II.
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