Podolski kommt nach Hause Märchenfigur mit Herz für die Heimat
Sportlich mag der Wechsel ein Rückschritt sein. Doch Lukas Podolski gewinnt mit seiner Heimkehr aus München nicht nur die Sympathien der Kölner. Ein Kommentar
Außerhalb von Köln wird die Sache so beschrieben: Der FC gibt 22 Millionen Ablöse und Gehalt für einen fußballerisch limitierten Spieler aus, der keinen Kopf hat und nur einen Fuß, ein miserables Abwehrverhalten zeigt, blind stürmt, nicht führt, kläglich gescheitert und ein weinerlicher Scheißkerl ist, nicht kämpfen will oder kann oder beides. Der Wechsel von Lukas Podolski gilt als Karriererückschritt, als sportliches Desaster, als Niederlage eines Weichlings, der sich lieber als Karnevalsheld feiern lässt, als sich der Konkurrenz zu stellen.
So viel Häme braucht es schon, um zwei Gefühle zu bekämpfen, die der längst- und meistbeachtete Spielerwechsel ever in Deutschland außerhalb Kölns auslöst: Neid und Sehnsucht. Jeder Verein hätte gerne einen Spieler wie Podolski, daher der Neid. Jeder Verein hätte gerne eine Heimatfigur wie Podolski, daher die Sehnsucht.
Zum Geschäftsmodell des FC Bayern gehört es, der Konkurrenz mit viel Geld und der Aussicht auf Ruhm wichtige Spieler abzucharmieren und sie dann auf der Bank verkümmern zu lassen. Olic wird dort landen und dem HSV fehlen; Schlaudraff wurde dort kaltgestellt; die Liste ist lang, Podolski steht mit drauf. Bayerns Strategie ist legitim, löst aber keine Leidenschaft aus – weder bei Spielern noch bei Fans.
Mag sein, dass keiner der dort Gescheiterten das Zeug zum Weltstar hat. Aber Podolski ist für Köln eine Verheißung, die weit wertvoller ist als Tore und Trophäen. Podolski ist das Gegenmodell zum austauschbaren Internationalisten, der heute hier aufs Vereinswappen klopft und morgen dort. Prinz Poldi ist eine Figur aus dem Märchen, in dem Fußball auch mit dem Herz gespielt wird, mit dem Herz für die Heimat, ja: gespielt. Er ist also eigentlich von gestern, in dieser durchkommerzialisierten Fußballwelt, aber das ist wunderlicher Weise gerade so modern, dass der Prinz zugleich die größte reale PR-Nummer wird, die Köln je gesehen hat – und für die andere sonst was geben würden. Es sind aber eben nicht viele Spieler so wie Podolski und nicht viele Vereine so wie der FC. Die beiden passen zusammen. Er wird sich sauwohl fühlen. Und wo er sich wohl fühlt, da spielt er auch wohl.
- Datum 20.01.2009 - 11:02 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Jaja, der Nicht-Kölner versteht dieser Tage mal wieder gaaar nichts. Schüttelt den Kopf, schaut um sich, kann diese Rückkehr nicht einschätzen und - so scheint es - ist ob dieser schieren Kölner Glückseligkeit der unfassbaren Kölner fast verzweifelt!
Ihr AHNUNGSLOSEN!
Ihr begreift den Kölner nicht, wir haben hunderte von Liedern, in denen wir uns und unseren Stolz, WIR zu sein, besingen, wir habe eine hässliche Stadt, Bekloppte, Arme, Hochnäsige um uns rum, in den letzten Jahren mehr Pech als minimale Normalität, und ihr begreift es nicht. Wir sind gedümütigt worden aus Hannover, Jena, woher auch immer, und dennoch:
WIR sind Kölner, und POLDI auch!
Und ich bin so glücklich, dass ein Mann, der deutlich mehr Millionen bei einer endgültigen Abkehr von Köln hätte einheimsen können, sich für die Kölner Emotion und seine Familie entschieden hat, so AUFRECHT KANN ICH GAR NICHT GEHEN, WIE ICH ALS KÖLNER POLDIS SIGNAL LIEBE!!!!
Und für alle, die jetzt Angst haben, hier würden nationalistische Züge entstehen: Die liegen dem Kölner eh nicht, und es weiß sowieso jeder, dass Poldi im Polen geboren und in Bergheim aufgewachsen ist. Locker bleiben....
So, sorry, alle anderen, aber Ihr werdet drüber wegkommen, und WIR werden dieses Signal IMMER in unseren Herzen bewahren!
Bützchen
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