Russland Menschenrechtsanwalt und Reporterin in Moskau ermordet

Der bekannte russische Anwalt Stanislaw Markelow ist erschossen worden. Bei dem Anschlag starb auch die regierungskritische Reporterin Anastasja Baburowa

Forensiker untersuchen die Leiche des ermordeten Anwalts Stanislaw Markelow. Der 34-jährige Jurist wurde gestern auf offener Straße von einem Unbekannten erschossen

Forensiker untersuchen die Leiche des ermordeten Anwalts Stanislaw Markelow. Der 34-jährige Jurist wurde gestern auf offener Straße von einem Unbekannten erschossen

Markelow, der als unerschrockener Kritiker des russischen Justizsystems galt, wurde kurz nach einer Pressekonferenz in Kremlnähe von einem Unbekannten mit einem Kopfschuss getötet. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Moskau nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax mit. Die Journalistin Anastasja Baburowa, die für die kremlkritische Zeitung Nowaja Gaseta arbeitete und Markelow begleitet hatte, wurde durch Schüsse schwer verletzt und starb später im Krankenhaus. Dutzende Passanten wurden Zeuge des Mordes im Zentrum der russischen Hauptstadt.

Markelow hatte zuvor bei einer Pressekonferenz rechtliche Schritte gegen die Begnadigung des russischen Offiziers und Tschetschenien-Kämpfers Juri Budanow angekündigt. Budanow war nach der Tötung eines tschetschenischen Mädchens zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt und Mitte Januar vorzeitig entlassen worden. Bekannte Markelows berichteten, dass der Jurist seit einigen Tagen Morddrohungen erhalten habe. Budanow ist bis heute der ranghöchste russische Militärangehörige, der für Verbrechen an der Zivilbevölkerung während der Kriege in der Teilrepublik Tschetschenien verurteilt wurde.

"Stanislaw Markelow ist ein weiteres Opfer, das sehr wahrscheinlich wegen seines Berufes und seiner mutigen Arbeit im Dienste der Menschenrechte getötet wurde", sagte die für Russland zuständige Direktorin der Organisation amnesty international, Nicola Duckworth. Markelow vertrat viele Mandanten, die sich als Opfer staatlich geduldeter Gewalt sehen. Er brachte viele Fälle vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Die Zeitung Nowaja Gaseta berichtete am Montag erneut über den Fall Budanow unter Nutzung von Recherchen der Journalistin Anna Politkowskaja aus dem Jahr 2004. Die für ihre Reportagen aus Tschetschenien berühmte Politkowskaja war im Oktober 2006 vor ihrer Wohnung ermordet worden. Ihr Mörder ist weiter auf der Flucht. Der Mordfall wird derzeit vor Gericht in Moskau aufgearbeitet. Politkowskaja lobte Markelow einmal als "ersten Anwalt, der in Tschetschenien arbeitet und dort die Rechte der Einwohner schützt".

Der 34-Jährige war Gründer der Nichtregierungsorganisation Institut für die Vorherrschaft des Rechts. Markelow war im Verfahren gegen Budanow Anwalt der Opfer-Familie. Er vertrat aber zuletzt auch die Interessen des russischen Journalisten Michail Beketow, der im vergangen Jahr nur knapp einen Mordanschlag überlebt hatte und seither im Krankenhaus ist.

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Leser-Kommentare
  1. Wenn man sich so bisschen mit dem Geschehen in Russland befasst, kommt schnell die Erinnerung an alte Zeiten, in der Parteikritische und Querdenker irgendwo in Sibirien verschwunden sind. Heute in der gewaltätigen Welt kann es schonmal passieren, das man auf der Straße erschossen wird. Nur komisch das es in letzter Zeit immer Leute trifft die sich politisch engagieren und für Menschenrechte einsetzen. Der KGB lässt Grüßen!!!!

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    Zuerst einmal: Ich wohne seit 2 Jahren in Moskau, und reise sehr viel in ganz Russland.
    Der KGB heisst seit langer Zeit FSB, und ist nicht vergleichbar mit dem, was er mal war. Der Staat in Russland ist relativ desinteressiert an Kritikern, was daran liegt, dass in der russischen Mentalitaet bzw. Oeffentlichkeit niemand wirklich an Politik interessiert ist. In diesem Riesenland, und nach der weniger positiven Geschichte ist jeder sich selbst der Naechste - es zaehlt, dass man Arbeit, eine Wohnung und etwas zu Essen hat. Politik ist und war ein unzuverlaessiges Thema in diesem Land, und jeder weiss dass es mehr schein als sein ist. Die wahren Machtspiele spielen sich weit entfernt von der Oeffentlichkeit ab, und werden von den Reichsten ausgekaempft. Hier spielt mit seinem Leben, wer wirtschaftliche Interessen einzelner oder mehrerer in Frage stellt - das kann dann tatsaechlich ein Todesurteil sein. Und ein Moerder ist in einer Stadt wie Moskau, und einem Land wie Russland fast unmoeglich zu finden.

    Im Grunde kann man Wirtschaft und Politik sehr gut mit dem Dorfleben in Deutschland vergleichen: Eine Hand waescht die andere, Beziehungen sind alles, und wer den groessten Einfluss hat, gewinnt. Da ist der Oberbuergermeister von Dorf A mit Medvedev recht verwandt....

    Das Ganze ist mit der "Sibirien-Zeit" (Stalin-Aera) so wenig zu vergleichen wie die heutige Zeit in Deutschland mit der Nazi-Zeit. Oder sagt jemand, wenn ein Auslaender mal wieder zusammengeschlagen wird und der Tater geringfuegig verurteilt wird, dass das an die Nazi-Zeit erinnert, wo man mal eben so einen Juden killen konnte????

    Zuerst einmal: Ich wohne seit 2 Jahren in Moskau, und reise sehr viel in ganz Russland.
    Der KGB heisst seit langer Zeit FSB, und ist nicht vergleichbar mit dem, was er mal war. Der Staat in Russland ist relativ desinteressiert an Kritikern, was daran liegt, dass in der russischen Mentalitaet bzw. Oeffentlichkeit niemand wirklich an Politik interessiert ist. In diesem Riesenland, und nach der weniger positiven Geschichte ist jeder sich selbst der Naechste - es zaehlt, dass man Arbeit, eine Wohnung und etwas zu Essen hat. Politik ist und war ein unzuverlaessiges Thema in diesem Land, und jeder weiss dass es mehr schein als sein ist. Die wahren Machtspiele spielen sich weit entfernt von der Oeffentlichkeit ab, und werden von den Reichsten ausgekaempft. Hier spielt mit seinem Leben, wer wirtschaftliche Interessen einzelner oder mehrerer in Frage stellt - das kann dann tatsaechlich ein Todesurteil sein. Und ein Moerder ist in einer Stadt wie Moskau, und einem Land wie Russland fast unmoeglich zu finden.

    Im Grunde kann man Wirtschaft und Politik sehr gut mit dem Dorfleben in Deutschland vergleichen: Eine Hand waescht die andere, Beziehungen sind alles, und wer den groessten Einfluss hat, gewinnt. Da ist der Oberbuergermeister von Dorf A mit Medvedev recht verwandt....

    Das Ganze ist mit der "Sibirien-Zeit" (Stalin-Aera) so wenig zu vergleichen wie die heutige Zeit in Deutschland mit der Nazi-Zeit. Oder sagt jemand, wenn ein Auslaender mal wieder zusammengeschlagen wird und der Tater geringfuegig verurteilt wird, dass das an die Nazi-Zeit erinnert, wo man mal eben so einen Juden killen konnte????

  2. Auffälliger finde ich daß es immer mit Tschetschenien zu tun hat. Diese Leute legen sich nicht blos mit dem Staat an - sie legen sich mit dem organisierten Verbrechen an (das wahrscheinlich nicht immer ganz von den unteren Ebenen in Staat und Militär in der Region Kaukasus zu trennen ist) bzw. mit Terroristen (hier Neonazis). Der Staat will sie nicht schützen und vermutlich kann er es auch nicht. Er wird ggf. diese Kräfte selbst bekämpfen, natürlich nicht wenn sie ihm helfen etwa im Kaukasus Islamisten in Schach zu halten.
    Das ist zwar ekelhaft, aber man schaue sich an mit wem Schröder, Fischer, Merkel im Kosovo zusammenarbeiten: Mit Mördern. Auch hier übrigens wieder das Element "islamische Tendenzen" in einer Randregionn Europas. Blos daß bei uns (Dtl.) niemand für ermordete Serben eintritt, die man vorher in Stacheldraht gewickelt hinter dem Auto hergezogen hat.
    http://www.stern.de/polit...
    Da steht zwar immer "Uno" aber ohne die verwantwortiche deutsche Elite wäre es zum Kosovo-Krieg wahrscheinlich nicht gekommen.

  3. Zuerst einmal: Ich wohne seit 2 Jahren in Moskau, und reise sehr viel in ganz Russland.
    Der KGB heisst seit langer Zeit FSB, und ist nicht vergleichbar mit dem, was er mal war. Der Staat in Russland ist relativ desinteressiert an Kritikern, was daran liegt, dass in der russischen Mentalitaet bzw. Oeffentlichkeit niemand wirklich an Politik interessiert ist. In diesem Riesenland, und nach der weniger positiven Geschichte ist jeder sich selbst der Naechste - es zaehlt, dass man Arbeit, eine Wohnung und etwas zu Essen hat. Politik ist und war ein unzuverlaessiges Thema in diesem Land, und jeder weiss dass es mehr schein als sein ist. Die wahren Machtspiele spielen sich weit entfernt von der Oeffentlichkeit ab, und werden von den Reichsten ausgekaempft. Hier spielt mit seinem Leben, wer wirtschaftliche Interessen einzelner oder mehrerer in Frage stellt - das kann dann tatsaechlich ein Todesurteil sein. Und ein Moerder ist in einer Stadt wie Moskau, und einem Land wie Russland fast unmoeglich zu finden.

    Im Grunde kann man Wirtschaft und Politik sehr gut mit dem Dorfleben in Deutschland vergleichen: Eine Hand waescht die andere, Beziehungen sind alles, und wer den groessten Einfluss hat, gewinnt. Da ist der Oberbuergermeister von Dorf A mit Medvedev recht verwandt....

    Das Ganze ist mit der "Sibirien-Zeit" (Stalin-Aera) so wenig zu vergleichen wie die heutige Zeit in Deutschland mit der Nazi-Zeit. Oder sagt jemand, wenn ein Auslaender mal wieder zusammengeschlagen wird und der Tater geringfuegig verurteilt wird, dass das an die Nazi-Zeit erinnert, wo man mal eben so einen Juden killen konnte????

  4. Äußerlich betrachtet ähnelt das alles sehr den sog. kapitalistischen Gründerjahren in den USA im letzten, bzw. im vorletzten Jahrhundert. In den USA haben sich diese Kriminellen entweder ins System integriert, d.h. sind vom Teil des Problems zum Teil der Ordnung geworden (was natürlich auch so einige Gedanken wert wäre, wie zum Beispiel die Fragestellung: Wie viel kriminelle Energie ist da noch am Wirken, Stichwort: Bush-Cheney-Clan), oder sie wurden mehr oder weniger liquidiert (die Mafia kann in den USA eigentlich nur noch mit Duldung des CIA - aber dann sehr gut - existieren, man bedient sich gegenseitig). Ich sagte aber „äußerlich“, da die Zustände im heutigen Russland nicht wirklich damit vergleichbar sind. So findet dort eine ursprüngliche Akkumulation nur in Teilen statt, wohl eher nur eine Neuverteilung des Kapitals (Volkseinkommen wird kapitalisiert und völlig enteignet), das schon vorher angehäuft war (entweder legal oder illegal, wie z.B. jenes, das durch die Hände des KGB und dessen internationalen Geschäfte geschaffen wurde, Stichwort: wer kassierte denn die Extraprofite aus den so vielen Import- und Exportgeschäften – Krimsekt, etc. ?), was sich auch daraus ergibt, dass die Sowjetunion längst vor der Gorbatschowära aufgehört hatte ein sozialistisches Land zu sein. Der Kapitalismus war längst restauriert, hatte aber halt so seine Probleme, mit der rückschrittlichen Wirtschaft. Rückschrittlich deshalb, weil eine sozialistische Wirtschaft sich unter kapitalistischen Verhältnissen, also unter den Verkehrs- und Rechtsformen des Kapitalismus (eines Raubkapitalismus) nicht weiterentwickeln konnte und damit stagnierte. Hier hatte der Kapitalismus als Gesellschaftsformation, die bis dato entwickelten sozialistischen Produktivkräfte so stark behindert, dass letztere als das Problem erschienen. Anstatt aber diesen Kapitalismus wieder abzuschaffen, durch eine neue sozialistische Revolution, zerstörte man auch die Reste einer sozialistischen Gesellschaft, da wo sie in den Bereichen der Produktion und des Rechts von vorhanden waren. Besonders auf die Kolchosen und Sowchosen hatte man es abgesehen, denn ohne diese zu privatisieren, war die Kapitalakkumalution im Land selber behindert, bzw. war auch die Schaffung einer Reservearmee der Arbeiterklasse unmöglich (und hier kann man bedingt von „ursprünglicher Akkumulation“ sprechen).
    Somit schuf man den Raum für den freien Kapital- und Warenverkehr, also auch für das Kapital, welches durch die Hände des KGB, also eigentlich illegal erworbenes Kapital, geflossen war, was so nebenbei auch zum großen Teil verantwortlich war, für die Korrumpierung der ganzen Gesellschaft. Dies ist letztlich auch der Grund für die Macht dieser Agenten: ihre auf Korruption beruhende wirtschaftliche Macht.
    Das heißt, dass der KGB, der mehr oder weniger schon immer die eigentliche Macht im Staat war, nun ganz legal diese Macht an sich riss. Und das ist der Unterschied zu den Mafiastrukturen des frühen amerikanischen Kapitalismus. Dort war die Mafia letztlich zu integrieren, wenn auch auf Kosten der Freiheit der Bürger, wie wir jetzt gerade gesehen haben (es wäre mal interessant zu wissen, wie viele von jenen "200 Familien, die die USA regieren" - Wikipedia/Atlantikbrücke -, ihr Vermögen aus Mafiageschäften haben), aber in Russland wird solches nicht geschehen. Die Clique um Putin ist eine Mafia und bleibt eine, und wenn sie noch so viel Kreide fressen sollte. Hinzu kommt, dass diese Entwicklung stattfindet in einer Epoche der globalen Abwicklung der bürgerlichen Nationen und der dementsprechenenden Staatsgebilde. – Deregulierung nennt man das.
    Die Konzerne übernehmen zum Teil direkt die Macht. So gesehen ist Putins Reich (Gazprom) sehr fortschrittlich, sehr westlich. Der Westen hat alle Aussicht darauf ihm dahin zu folgen.
    Die dort stattfindenden Morde sind aber nur bedingt als Mafiaverbrechen hinzunehmen, denn die Mafia ist dort an der Macht! Es sind Staatsverbrechen.

  5. Ein Menschenleben zählt in Russland offensichtlich nicht viel.

    Ein Journalist, der seine Arbeit ernst nimmt, spielt mit seinem Leben. Anastasja Baburowa, Anna Politkowskaja, Paul Klebnikow sind ermordert worden, Michail Beketow hat einen Anschlag knapp überlebt.

    Vor Stanislaw Markelow wurden bereits ermordet:
    Sergej Juschenkow (Oppositionspolitiker)
    Andrej Koslow (Stellvertretender Zentralbankchef)
    Alexander Letwinenko (Ex-Geheimdienstleiter)

    Es erfüllt einen mit blankem Entsetzen, dass so etwas in einem Land in Europa möglich ist.

    Wer steckt hinter all diesen Verbrechen? Bemüht sich die russische Justiz überhaupt ernsthaft um Aufklärung?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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