Tiefseeforschung Auf Tauchfahrt im Kuriositätenkabinett
Vor der tasmanischen Küste haben Biologen eine völlig neue Tier- und Pflanzenwelt entdeckt. Ein Tauchroboter filmte die bisher unbekannten Arten in bis zu vier Kilometern Tiefe

© Advanced Imaging and Visualization Laboratory WHOI
Diese bislang unbeschriebene Korallenart entdeckten die Forscher mit dem Tauchroboter Jason in 1700 Metern Tiefe
Weit unten auf dem Meeresgrund südwestlich der Insel Tasmanien leben skurrile Lebewesen. Erstmals ist es gelungen, Aufnahmen von bisher unbekannten 30 Zentimeter großen Meeres-Spinnen, rot-stacheligen Korallen, fleischfressenden Seescheiden und riesigen Schwämmen zu machen. Eigentlich wollte Ron Thresher vom staatlichen australischen Forschungsinstitut CSIRO mit seinem Forscherteam nach fossilen Überresten längst verstorbener Korallen suchen. Doch in der Finsternis des Meeres entdeckten die Wissenschaftler statt "kahlem Schlamm üppiges Leben".
Die Fotos aus der Tiefe machte ein Tauchroboter, den die Forscher auf den Namen "Jason" tauften. Der riesige Apparat von der Größe eines Kleinwagens durchstöberte einen gut 4000 Meter tiefen Graben im Indischen Ozean. Niemals zuvor steuerten Forscher einen Roboter in derartige Tiefen in Australiens Gewässern. Thresher und sein Team waren von der "Lebensvielfalt", die sie entdeckten, vollkommen überrascht.
Auf insgesamt 14 Tauchfahrten schoss Jason nicht nur Fotos, sondern drehte auch Videos. Der Roboter war dazu bis zu zwei Tage am Stück unter Wasser im Einsatz. Einige Aufnahmen aus mehr als 2000 Metern Tiefe zeigen Millionen von lila gepunkteten Seeanemonen und spinnenähnlichen Gliederfüßern. Etwa einen halben Meter große Seescheiden entdeckten die Forscher auf dem Grund des Grabens, 4006 Meter unter der Meeresoberfläche. Anders als bekannte Arten, filtern diese ihre Nahrung nicht aus dem Wasser, sondern machen gezielt Jagd auf Fische. Normalerweise sind Seescheiden Vegetarier.
Wie eine bereits angebissene Eiswaffel sieht dieser Schwamm aus. Er misst gut zwei Meter in der Breite und lebt 2197 Meter unter der Meeresoberfläche
Die Biologen hatten weit weniger Spektakuläres auf dem Grund erwartet. Denn eigentlich wollten sie Korallenfossile finden. Anhand solcher versteinerter Überreste können Forscher viel über die Klimaverhältnisse vor Tausenden von Jahren erfahren. Ähnlich wie Jahresringe von Bäumen lagert sich der Kalk auf Korallenriffen in Schichten ab : Sie geben Aufschluss darüber, wie sich der Meeresspiegel im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat. Thresher und sein Team interessiert auch, wie weit Korallenriffe in den Gewässern vor Australien verbreitet waren und wie sich Ozeanströmungen veränderten.
Ganz erfolglos ist diese Suche allerdings nicht geblieben. Die Forscher fanden tatsächlich einige fossile Korallen mithilfe des Roboters Jason . Die Überreste sind geschätzte 10.000 Jahre alt. Allerdings sahen diese anders aus als erwartet, sagt Thresher: "Da unten muss chemisch etwas Seltsames vor sich gehen." Was genau, wollen die Forscher als Nächstes herausfinden.
- Datum 16.04.2009 - 18:23 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Na, da kann man ja bloß "den Schwarm" von Frank Schätzing empfehlen ;)´
Bloß traurig, dass durch unsere Fischindustrie mittlerweile (bzw. schon länger) die Meeresoberflächen, ohne lang darüber nachzudenken aufgrund der immer geringer werdenden Ausbeute, "geerntet" bzw. zerstört werden... :(
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren