Obama und die Welt So viele Krisen
Geradezu schwindelerregend sind die außenpolitischen Aufgaben, die auf Obama warten. Doch geben sie ihm gleichzeitig die Chance, ein paar wirklich große Würfe anzugehen

© MANDEL NGAN/AFP/Getty Images
Auf den neuen US-Präsidenten Barack Obama warten zahlreiche weltpolitische Krisen
Man fragt sich manchmal, warum der Mann noch so gute Laune hat. Die Liste der internationalen Großkrisen, die Barack Obama erwarten, ist bekannt. Aber beim Aufzählen wird einem trotzdem immer wieder schwindelig: Ein eskalierender Krieg in Afghanistan, ein komplizierter Rückzug aus dem Irak. Ein zunehmend fragiles Pakistan, das die Atombombe bereits hat, und ein zunehmend fragiler Iran, der sie haben will.
Dazu der Dauerkonflikt in Nahost, eine ständig mutierende al-Qaida, ein notorisch gekränktes und deshalb aggressives Russland, ein China, das zwischen Großmachtträumen und sozialen Zerreißproben pendelt. Fehlt noch was? In Darfur und im Kongo werden weiterhin Gräueltaten begangen, die Erderwärmung beschleunigt sich, der weltweite Finanzsektor verharrt in Schockstarre.
Vermutlich hat kein neu gewählter Präsident so früh und gründlich mit der Vorbereitung seiner Amtszeit begonnen wie Barack Obama. Sein außenpolitisches Team ist aufgestellt. Hillary Clinton an der Spitze des State Department wird sich umgehend auf den Nahost-Konflikt stürzen, den die Bush-Administration so sträflich vernachlässigt hat. Bei James Jones, dem Nationalen Sicherheitsberater, werden wohl die wichtigsten Fäden der Irak- und Afghanistan-Politik zusammenlaufen. Der neue CIA-Chef Leon Panetta wird einen desorganisierten Geheimdienstapparat, der unter Foltervorwurf steht, reformieren müssen.
Die neue UN-Botschafterin Susan Rice soll im Sicherheitsrat nicht nur das neue freundliche Gesicht gegenüber den Vereinten Nationen zeigen, sondern China und Russland auch auf ein geschlossenes Vorgehen gegenüber dem Sudan - in Sachen Darfur - und Iran - in Sachen Atomwaffen - einschwören. Die Umweltpolitikerin Carol Browner wird die Energiepolitik im Weißen Haus koordinieren und soll die USA im internationalen Klimaschutz dorthin bringen, wo der neue Präsident sein Land sehen will: an der Spitze der Bewegung.
Den Dreisatz der neuen amerikanischen Außenpolitik könnte man folgendermaßen beschreiben: damage control - zum Beispiel durch die Schließung des Gefangenenlager auf Guantánamo und ein grundsätzliches Bekenntnis zu Prinzipien des Völkerrechts. Radikale Kehrtwenden - vor allem in der Ökologie. Und einige Fragezeichen. Denn noch ist völlig unklar, ob eine Obama-Administration gegenüber Israel einen kritischeren Ton als die Bush-Regierung anschlagen wird, ob sie an Bushs Projekt eines Raketenabwehrsystems in Osteuropa festhält und an dem amerikanischen Bestreben, Georgien und die Ukraine möglichst bald in die Nato aufzunehmen.
- Datum 22.01.2009 - 15:35 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Man sollte vor Verfassen eines Artikels schon etwas Ahnung von den Gegebenheiten im Nahen und Mittleren Osten haben. Eine Gleichstellung der Situationen in Pakistan und Iran ist im Grunde mehr als falsch.
"ein notorisch gekränktes und deshalb aggressives Russland,"
Was soll dieser Rückfall in die Zeiten des kalten Krieges: wir sind die Guten, der Russki ist der Böse (?)
Aggressiv waren und sind doch eher die Amis.
Macht sich Frau Böhm auch mal Gedanken darüber, daß es im allgemeinen so aus dem Wald herausschallt, wie man hineinruft? Wenn die gleichen Medien, die sich über das angeblich aggressive Rußland beklagen, permanent und ausschließlich negativ über das Land berichten, bei Konflikten Rußland mit anderen Ländern wie jüngst im Fall des georgischen Angriffs auf Südossetien und des Streits mit der Ukraine wegen der ausstehenden Gasrechnungen und der Blockade der Gaslieferungen automatisch für die Gegenseite Partei ergreift, nur um Rußland in den schwärzesten Farben darstellen zu können, dann brauchen sie sich über entsprechende Reaktionen nicht zu wundern. Das wird von Leuten wie Peter Scholl-Latour schon des längeren kritisiert, wie bereitwillig sich die einheimischen Medien in dieses Spiel des Bundesregierung im amerikanischen Interesse zum Nachteil der eigenen Interessen einspannen lassen.
Obamas World
Völlig gleich was diejenigen denken, die tief genug in der Materie stecken um wirklich professionell und neutral einschätzen zu können, welche Arbeit Barack Obama leisten wird, die Menschen, die sich von den Medien schnell blenden lassen (also der Großteil der Bevölkerung) werden unweigerlich in den Strom der Euphorie hineingerissen und werden niemals die Chance bekommen sich ein eigenes Bild über den neuen Präsidenten der USA zu machen. Egal was passieren wird, Barack Obama kann eigentlich nur gewinnen, jedenfalls wird es die allgemeine Presse sein, die ihn als den Helden der Welt darstellen wird.
Man muss sich die Ausgangsposition einfach mal vor Augen führen.
Die Welt ist bis auf das letzte Hemd heruntergewirtschaftet und wirklich jeder ist davon betroffen. Der kleine Mann, der etablierte Konzern und jeder Nationalstaat. Alle wirtschaftlich mächtigen Staaten dieser Welt sind daher erstmals bereit wirklich gemeinsam an einer Verbesserung der derzeitigen Umstände zu arbeiten.
Dazu kommt noch, dass im Gazastreifen gerade ein Krieg geführt wurde, den es in solch einem Umfang schon ewig nicht gegeben hat. Die Brutalität mit der vorgegangen wurde und auch die katastrophale humanitäre Situation in den Krisengebieten zeigten dazu die Schwächen der Staaten auf, die sich sonst so gerne für einen internationalen Frieden engagieren. Die Führungsriegen mussten einsehen, dass sie gerade in islamisch geprägten Staaten so gut wie gar keinen Einflussbereich besitzen.
Und nun kommt da ein Mann. Ein charismatischer Mann, der die Massen bewegen kann. Ein Mann der die volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann.
Der neue Präsident der USA nimmt dieselbe Position seines Vorgängers ein. Er ist das Staatsoberhaupt des wirtschaftlich stärksten, somit einflussreichsten und politisch anspruchsvollsten Landes der Welt. Einer Welt, die sich gerade in einer kleinen persönlichen Krise befindet. Eine Welt die einsehen muss, dass sie sich von dem Bewusstsein in einer unipolaren Gemeinschaft zu leben noch nicht trennen kann.
Und nun tritt dort dieser Mann auf den Plan. Eine immense Zahl schier unmöglich lösbarer Aufgaben liegt vor ihm. Irgendwie besitzen alle die Erwartung er könne tatsächlich alle Probleme lösen, doch wirklich daran glauben tut niemand. Zu umfangreich ist die Liste der Krisen, zu tief greifend ist jede Krise für sich, und zu verstrickt sind die internationalen Beziehungen, als dass man die Schwierigkeiten so angehen könnte, wie man müsste – nämlich als Weltgemeinschaft!
Die Ausgangsituation ist also äußerst unangenehm für einen, von dem erwartet wird die Welt ein bisschen anzuführen. Schließlich muss er nun ein Heer leiten, das schrecklich darum besorgt ist Schaden zu erleiden. Ein Heer also, das ungemein motiviert ist sich aus seiner misslichen Lage herauszuarbeiten. Ein Heer, das vielleicht das allererste Mal in dieser Form auch mit- und füreinander kämpfen wird. Ein Heer, das in all seiner Macht aber dennoch so demokratisch, wirtschaftlich liberal, sozial verträglich und dazu noch ökologisch nachhaltig denkt.
Welch eine Bürde hat ein Mann zu tragen, der nun das wohl größte, stärkste und womöglich erfolgreichste Heer der bisherigen Geschichte leiten muss. Schließlich ist er es, der dafür sorgen muss all die geballte Power in die richtige Richtung zu lenken. Und die Richtung zu finden ist hierbei gar nicht mal so einfach, wenn man sich nicht richtig konzentrieren kann, weil alle Menschen dieser Welt lauthals mit einer gewaltigen Stimme dazwischen rufen wo es lang gehen soll. Das kann nervös machen.
Ob Obama nun in der Lage sein wird die ganzen Lorbeerkränze alleine zu tragen, oder ob er sich wieder auf die helfenden Hände seiner Armada verlassen wird, das bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall wird es der Name des neuen Präsidenten der USA sein, der die Bänder der Kränze verzieren wird.
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