Obamas Amtseid "Er wird ein guter Präsident"

Am Dienstag wird Barack Obama vereidigt - seine Anhänger feiern schon jetzt. In Washington trotzten Hunderttausende der Kälte, um ihn zu sehen. Viele kamen von weit her

Dick eingepackt gegen die Kälte: Obama-Anhänger am Sonntag auf der "We Are One"-Gala in Washington

Dick eingepackt gegen die Kälte: Obama-Anhänger am Sonntag auf der "We Are One"-Gala in Washington

Der Reflecting Pool in Washington, DC, die Wasserfläche zwischen Lincoln Memorial und Washington Monument, ist von einer spiegelglatten Eisschicht bedeckt. Die ersten Obama-Anhänger kommen schon am Vormittag, um " We Are One " zu sehen, die große Gala zu Ehren ihres künftigen Präsidenten. Kalt ist es, aber trocken, und die Sicherheitsbestimmungen erlauben, Decken und Thermoskannen mit vor die Bühne zu bringen. Am Dienstag, zur Vereidigung, werden Taschen und Gepäckstücke aller Art verboten sein. Eingepackt in Decken und Schals, versteckt in Fellkapuzen und Winterjacken, lagern mehrere Hunderttausend Menschen zu Füßen von Abraham Lincolns überlebensgroßer Statue.

Den Ort für seinen ersten Auftritt in Washington hatte Barack Obama mit Bedacht gewählt, ebenso das Thema der Party. Die "We Are One" -Gala dreht sich um Abraham Lincoln. Lincoln war ein bedeutender Präsident, Obama will noch einer werden. Zwischen beiden gibt es einige Parallelen: Sie begannen ihre Karriere in Illinois und arbeiteten sich aus ungünstigen Ausgangssituationen nach oben. Beide gelten als Verkörperung des amerikanischen Traums. Lincoln ging es Mitte des 19. Jahrhunderts darum, nach der Sezession der Südstaaten die amerikanische Einheit zu erhalten. Obama will Obama einen subtileren Bruch überwinden, die politische Polarisierung nach acht Jahren unter George W. Bush.

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Die offensichtlichste Verbindung zwischen dem 16. und dem 44. Präsidenten ist aber: Lincoln schaffte die Sklaverei ab. Schon Martin Luther King wählte sein Memorial 1963 als Kulisse, um von seinem Traum zu berichten. "Hinter mir sitzt der Mann, der diesen Tag möglich gemacht hat", sagt Obama später am Nachmittag.

Zwischen den Frierenden vor dem Monument ziehen Schreihälse mit Bauchläden umher, wie als Beweis, dass trotz harter Zeiten für die amerikanische Wirtschaft der Unternehmergeist im Lande ungebrochen ist. Sie bieten Obama-Schlüsselbänder an, Obama-Gummi-Armbänder und Obama-Halsketten, Obama-Ohrringe, Obama-Mützen, Obama-Schals, Obama-Actionfiguren. Und, dem Wetter zum Trotz, Dutzende verschiedene T-Shirts mit Obama-Motiven. Das ehrlichste verkündet in dicken Buchstaben: "20. Januar 2008: Vereidigung des 44. Präsidenten, Barack Obama. Geschichte wurde gemacht, ich war dabei!"

Dabei sein ist alles. Die härtesten der Obama-Anhänger warten sieben Stunden in der Kälte. Die Show wird kaum zwei Stunden dauern. Um sie zu erleben, sind Fans von weit her gekommen. Jesus Meza aus Peru hat extra seine Amerikareise auf diesen Termin gelegt. "Er ist ein guter Mensch", sagt Meza in holprigem Englisch, "er wird ein guter Präsident sein." Charles Orijakor ist extra für Obama aus Irland angereist. "Dass zum ersten Mal ein Afro-Amerikaner Präsident der Vereinigten Staaten wird, bedeutet mir sehr viel", sagt der gebürtige Nigerianer. "Darauf habe ich mein ganzes Leben gewartet." Später wird Orijakor die Arme in die Luft reißen, wenn sein Landsmann Bono Vox die Bühne betritt und sich im Namen der Europäer beim amerikanischen Volk dafür bedankt, Barack Obama gewählt zu haben.

Auch einige der anwesenden Obama-Fans aus den USA haben lange Reisen hinter sich. Sie pilgerten aus Georgia nach Washington, aus Kalifornien und natürlich aus Illinois, dem Lincoln-/Obama-Staat. Zu sehen bekommen sie, neben dem designierten Präsidenten, viele afro-amerikanische Prominente aus der Unterhaltungsindustrie: die Schauspieler Denzel Washington und Samuel L. Jackson, den Golfer Tiger Woods, die Musiker Stevie Wonder und Beyoncé. Auch Bruce Springsteen ist gekommen, der mit einem Gospelchor auftritt, und Tom Hanks, der zu pathetischen Orchesterklängen Texte von Lincoln rezitiert.

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