Obamas Amtseinführung Party der Solidarität
In Washington schnüren Menschen 70.000 Care-Päckchen für die Soldaten in Afghanistan und Irak. Sie sollen Obamas Vereidigung so in der Ferne feiern können
Schwarze und Weiße, ältere Paare, junge Familien und Studenten schlängeln sich vor dem Robert-F.-Kennedy-Stadion. "Yeah", schreit eine der Einweiserinnen, die aufpasst, dass alles nach Plan abläuft. "Das wird eine Party!"
Kein Baseballspiel findet hier statt, auch keine der zahlreichen Dinner- oder Galaveranstaltungen zu Ehren des designierten Präsidenten. Tausende Ehrenamtliche haben sich in Washington zusammengefunden, um Care-Pakete für jene zu packen, die Obamas heutige Amtseinführung nur aus der Ferne verfolgen werden können, also Soldaten in Afghanistan und Irak.
Es ist eines von 11.000 Freiwilligenprojekten, die an diesem Tag im ganzen Land ausgerichtet werden. Der neue Präsident Barack Obama hatte den Martin-Luther-King-Tag – traditionell Feiertag in den Vereinigten Staaten – als Tag des Ehrenamtes ausgerufen. Während Obama selbst bei den Renovierungsarbeiten in einem Obdachlosenheim demonstrativ Hand anlegte, organisierten die Bürger Müllsammelaktionen, Kriegsgräberpflege, Altkleidersammlungen – und die Dankesaktion für amerikanische Soldaten in Washington. "Ich bin so inspiriert von Barack Obama, als er darum bat, Freiwilligenarbeit zu leisten, habe ich nicht gezögert", sagt Lory Dendy, eine der Helferinnen.
So groß ist der Andrang, dass nicht alle Freiwilligen in das Zelt können, das quer über das Spielfeld des Kennedy-Stadions aufgebaut ist. Erst warten sie vor dem Stadion, dann auf den Rängen, wo sich Einheizer der Aufgabe annehmen, die Temperaturen dieses Januartages vergessen zu machen. "Gemeinsam packen wir heute 70.000 Care Päckchen für unsere Frauen und Männer in Afghanistan und im Irak", ruft einer, der sich als Troy vorstellt, Dendy und den anderen zu, "ich finde das ziemlich großartig! Danke!" Alle jubeln.
"Das ist ein super Start für die neue Administration" , ruft Troy, "das werden fantastische acht Jahre werden!" Alle jubeln. Dann wird die Wartezeit in der Kälte mit Obama-Schlachtrufen überbrückt. Erst "Yes, We Can", danach "Fired up, Ready to go", dann gehen Troy die Parolen aus. In der letzten Reihe springt ein Mann mittleren Alters auf, randlose Brille, Stoffhose mit Bügelfalte: "Wie wär’s mit: Ich sage ’O’, ihr sagt ’Bama’?" Die Antwort wartet er nicht ab: "Ich sage O!" Alle: "Bama!" Es wurde nicht zu viel versprochen: Die Freiwilligenarbeit ist eine Party.
Im Zelt ist es warm und betriebig, mehrere Stationen gilt es für die Freiwilligen abzulaufen, das Procedere ist simpel: Plastiktüte nehmen, Stück für Stück befüllen, abgeben, von vorn beginnen. Danach: Dankeskarten für die Empfänger schreiben. Der Inhalt der Care-Pakete hat die Anmutung von Warenpröbchen, die Soldaten bekommen jeweils 30 Milliliter Sunblocker, eine geringfügig größere Tube Fußcreme, einen Energydrink, Kaugummis und einen Notizblock, bedruckt mit dem Logo der Kaufhauskette, die die Materialen sponsert.
Es herrscht weiterhin gute Stimmung: Beim Ablaufen der Stationen danken sich die Freiwilligen gegenseitig fürs Helfen, Dendy hat sich ihren falschen Pelzmantel um die Hüften gebunden und strahlt, im Hintergrund scheppern die Beatles: "I get by with a little help from my friends." Eine knappe Dreiviertelstunde später ist die Schicht zu Ende, die nächsten Gruppen warten bereits jubelnd in der Kälte. Würde sie noch einmal einen Feiertag für die gute Sache opfern? "Auf jeden Fall", sagt Dendy.
Eine andere Art der Opferbereitschaft wird heute von ihr und den anderen Einwohnern Washingtons gefordert. Wegen der bis zu zwei Millionen Besucher, die zu Obamas Amtseinführung erwartet werden, sind weite Teile der Innenstadt für den Straßenverkehr gesperrt, auch die Potomac-Brücken werden aus Sicherheitsgründen zumindest teilweise dichtgemacht werden. Einige Veranstalter von Feierlichkeiten fürchten deshalb um ihre Gäste.
Ein Fest des Musiksenders MTV, der wenige Blocks vom Weißen Haus geplant war, wurde kurzfristig ganz abgesagt – die Sicherheitsvorkehrungen ließen die notwendige Anlieferung von Essen und Getränken nicht zu. Zum Unmut von Eltern und älteren Gästen sind bei der Parade des frisch gekürten Präsidenten nicht nur Waffen und Alkohol, sondern auch Kinderwagen, Taschen und Sitzgelegenheiten verboten. Da fühlt sich womöglich nicht einmal die Party mehr nach Party an.
- Datum 31.08.2009 - 16:35 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, 22.1.2009 - 16:34 Uhr
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren