Musikerporträt Beethoven und KlößeSeite 2/2

Darunter ist das Stück Skiá des israelisch-palästinensischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi, das Nasseri nach der Uraufführung im vergangenen September in New York auch dem Berliner Publikum präsentierte. Ihm ist bewusst, dass ein solches Werk Fragen aufwerfen kann, die über das rein Ästhetische hinausgehen. "Odeh-Tamimi ist politisch sehr engagiert", betont er. "Ich will mit meinem Spiel die Emotionen des Komponisten ausdrücken, aber keine Botschaften übermitteln."

In den USA engagiert sich der Künstler dafür, Jugendliche stärker für klassische Musik zu interessieren. Er gründete eine Non-Profit-Stiftung, über die er Projekte mit Schulen in New York und Washington organisiert. Um von den Schülern akzeptiert zu werden, holt Nasseri anfangs ein paar von ihnen auf die Bühne und lässt sie ihre Lieblingsmusik – Hip-Hop oder Rap – aufführen. "Danach hören sie mir ganz aufmerksam zu, wenn ich klassische Stücke spiele", berichtet er. "Man darf diese Kids eben nicht von oben herab behandeln."

Soheil Nasseri sieht es letztlich als Vorteil, dass er genug Zeit hatte, sich als Künstler und Mensch weiterzuentwickeln. Manche Leute seien mit 16 weltberühmt geworden und in ihrer menschlichen Entwicklung stehengeblieben, sagt er. "Sie können mit niemandem mehr ein normales Gespräch führen. So wollte ich nie werden."

Seine Strategie, Soloklavierabende in großen Städten wie New York und Berlin zu geben, sei gut gewesen, sagt er. "Auch künstlerisch habe ich von solchen Auftritten bisher sehr profitiert." In Zukunft will er aber auch häufiger mit Orchestern auftreten, wie bereits im vergangenen Jahr mit der Philharmonie der Nationen unter Justus Frantz. Um organisatorische Dinge muss sich Nasseri zumeist selbst kümmern. Hinter ihm steht keine große internationale Plattenfirma, sondern ein unabhängiges Label. Den notwendigen finanziellen Spielraum geben ihm private Sponsoren, die ihn bereits seit Jahren unterstützen.

In den USA seien die Leute eben daran gewöhnt, in vielen Bereichen ohne staatliche Hilfe zurechtzukommen, sagt er. Öffentliche Zuschüsse für die Kultur gebe es so gut wie gar nicht. Dafür könnten Mäzene erhebliche Steuererleichterungen in Anspruch nehmen. Selbst den möglichen weiteren Auswirkungen der derzeitigen Finanzkrise sieht Nasseri gelassen entgegen. Eine solche Krise könne für junge Künstler auch eine Chance sein, glaubt er. Vielleicht werde er nun häufiger für Konzerte engagiert, weil nicht mehr alle Veranstalter die hohen Gagen internationaler Spitzenstars zahlen könnten.

Soheil Nasseri tritt am 17. Januar in Berlin auf. Im Piano Salon Christophori spielt er auf einem historischen Erard-Hammerflügel von 1854 Werke von Beethoven und Schumann.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Bereits mehrere Konzerte durfte ich von Soheil Nasseri erleben und bin von seinen musikalischen sowie menschlichen Qualitäten tief beeindruckt!
    Schön, hier etwas über ihn zu lesen!

    MfG
    A.C.F. Rosemann

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service