Seelsorge Der Kummer der KommilitonenSeite 2/2

Schon vor der Bologna-Reform gaben 22 Prozent der Studenten der Universität Münster an, im Studium schon einmal durch psychische Schwierigkeiten beeinträchtigt gewesen zu sein, wie eine Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) belegt. Die Umstellung der Studiengänge auf das Bachelor-Master-System übt auf einige Studenten einen zusätzlichen Druck aus. „Die Generation Bachelor hat ein sehr hohes Leistungsideal verinnerlicht und will um jeden Preis die Leistungsvorgaben im Studium erfüllen. Dabei überfordern sich viele. Die psychologischen Beratungsdienste der Studentenwerke verzeichnen entsprechend mehr stressbezogene Symptomatiken“, sagt Andrea Hoops, stellvertretende Generalsekretärin des Deutschen Studentenwerks.

Auch bei den Münsteraner Nightlinern gehen jedes Semester mehr Anrufe ein. Allerdings haben sie es meistens mit emotionalen Problemen zu tun. Typische Themen sind Beziehungsstress, Konflikte mit den Eltern und Einsamkeit. Da die Mitarbeiter selbst Studenten sind, bieten sie dem Anrufer einen gemeinsamen Erfahrungshorizont. „Wir glauben, dass die Nightline besonders diejenigen Studenten auffängt, die sich mit ihren persönlichen Problemen ansonsten nirgendwo gut aufgehoben fühlen“, sagt Medizinstudent Jens. Dafür nimmt er gerne in Kauf, sich in manchen Nächten das Ohr heiß zu telefonieren.

* Namen von der Redaktion geändert

 
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