Unwort des Jahres "Notleidende Banken"

Eine unabhängige Jury hat in Frankfurt das vermeintlich schlimmste Wort des vergangenen Jahres gewählt

Das Unwort des Jahres 2008 heißt "notleidende Banken". Der Begriff stelle "das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise rundweg auf den Kopf", sagte der Sprecher der Jury, Horst Dieter Schlosser. Als Unwort werden sprachliche Missgriffe gerügt, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen.

Ziel der sprachkritischen Aktion ist es, "für mehr sachliche Angemessenheit und Humanität im öffentlichen Sprachgebrauch zu werben". Das Unwort des Jahres 2007 war "Herdprämie".

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Leser-Kommentare
  1. Wäre Marx unser Zeitgenosse und Mitglied der Jury, hätte er sich gegen diese Kür ausgesprochen. Dafür verdanken wir ihm den Begriff der Charaktermaske. Der Begriff rührt daher, dass früher Schauspieler eine Maske (lateinisch persona) trugen. Gemeint ist, dass jeder Mensch im Berufsleben eine bestimmte Rolle, die von ihm erwartet wird, spielen muss.

    Ein Makler muss die Wohnung, die er verkaufen soll, anpreisen und Mängel unter den Tisch kehren. Nennt er dennoch die Mängel, fällt er aus der Rolle und verfehlt seinen Beruf.

    Und die Rolle des Bankers? Was erwartet der Anleger von ihm? Dass er sich ins Zeug legt und Rendite herausschlägt, und war nicht zu knapp, sonst geht der Anleger zur Konkurrenz.

    Banker sind nicht nur Täter, sondern auch Opfer. Das gilt auch für einen Adolf Merckle. Keine Schwarzweißmalerei! Jemand zur Unperson erklären und ihm abzusprechen, Opfer zu sein, kennen wir aus totalitären Staaten!

  2. Wenn dicke Leute
    auf den Bänken sitzen
    dann ächzen diese
    und sie leiden Not

    die ganze Meute
    sollte lieber flitzen
    auf einer Wiese
    unterm Abendrot

    ___________________
    Lyriost – Madentiraden

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