Das einst verlachte Projekt 18 der FDP scheint in Hessen fröhliche Urstände zu feiern: Die Liberalen sind die großen Sieger der Neuwahl. Mit 16,2 Prozent der Stimmen gewannen die Freien Demokraten im Vergleich zur Wahl vor einem Jahr fast 7 Prozentpunkte hinzu. Das ist das beste Ergebnis der FDP bei einer Landtagswahl seit 1956.

"Das ist ein großer Tag für Hessen und ein Auftakt nach Maß für Deutschland", sagte der Bundesvorsitzende der Liberalen, Guido Westerwelle. "Wort halten, Charakterstärke – das wird vom Wähler belohnt." Gewonnen haben die Liberalen Stimmen offenbar vor allem aus den Lagern von CDU und SPD.

Damit gewinnt die FDP auch in der Bundespolitik an Einfluss. Denn durch die neue schwarz-gelbe Koalition in Wiesbaden verschieben sich die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat. Die Große Koalition hat dort keine Mehrheit mehr, sondern ist auf die Zustimmung der Landesregierungen angewiesen, an denen die FDP beteiligt ist.

Mit Blick auf die Bundestagswahl forderte das CDU-Präsidiumsmitglied Philipp Mißfelder seine Partei auf, sich nun klarer zu einer Koalition mit den Liberalen zu bekennen. "Wir brauchen nicht nur eine Koalitionsaussage für Schwarz-Gelb. Es muss zweifelsfrei feststehen, dass die Fortsetzung der großen Koalition nicht unser politisches Ziel ist."

Die CDU gewinnt in Hessen leicht dazu und wird erwartungsgemäß wieder stärkste Partei im Wiesbadener Landtag. Sie kommt auf 37,2 Prozent, nach 36,8 Prozent vor einem Jahr. Damit bleibt sie aber um fast zwölf Prozentpunkte unter ihrem Ergebnis von 2003. Union wie Liberale hatten vor der Wahl angekündigt, eine Koalition bilden zu wollen. Dem steht nun nichts im Wege.

Ronald Pofalla, Generalsekretär der CDU, nannte den amtierenden Ministerpräsidenten Roland Koch den "Wahlsieger des heutigen Abends". Das Ergebnis zeige, dass die CDU die "einzige Volkspartei der Mitte" sei und dass die Union Chancen habe, auch im Bund "40 Prozent plus X" zu gewinnen.