Konjunkturpaket Geld gegen Metall

Die Abwrackprämie im Konjunkturpaket der Großen Koalition hat zu einem Ansturm auf Deutschlands Autohäuser geführt. Ein Erfolg ist sie deshalb noch lange nicht

Bernd Glathe staunte nicht schlecht. Als der Geschäftsführer eines Hamburger Autohauses am vergangenen Samstag den Verkaufsraum betrat, sei dieser plötzlich "voll von Menschen" gewesen. Dabei hatte Glathe zuvor wochenlang erleben müssen, wie das Geschäft mit VW Polos und Golfs eher schleppend verlief. Nun aber, seit die Große Koalition angekündigt hat, jedem Autokäufer für die Verschrottung seines Altwagens 2500 Euro zu zahlen, fehlen ihm sogar Mitarbeiter, um alle Kunden zu bedienen. "Seither boxt hier der Papst", sagt Glathe. "Das grenzt fast an Hysterie."

In vielen Städten Deutschlands sieht es ähnlich aus. Die Verschrottungsprämie, für die die Große Koalition 1,5 Milliarden Euro Steuergeld in die Hand nimmt, hat einen regelrechten Ansturm auf die Autohäuser ausgelöst. In München schwärmt ein Händler von einer "rapide gestiegenen" Nachfrage. In Berlin freut sich der Geschäftsführer eines Autohauses: "So viel los war schon lange nicht mehr". Wolfang Blümer, Sprecher des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, spricht gar von einer neuen "Euphorie" unter den Händlern.

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In der Großen Koalition wächst damit auch die Hoffnung, dass die Prämie eine größere Wirkung zeigen könnte als bisher gedacht. Schon jetzt feiert die Regierung die Regelung als "geglückten Versuch, Ökonomie und Ökologie miteinander zu verbinden". Am Ende, so die Hoffnung, könnte die Prämie Tausende Arbeitsplätze in der angeschlagenen deutschen Automobilindustrie sichern helfen.

Das sehen viele Fachleute jedoch deutlich anders. "Die Abwrackprämie bringt der deutschen Autoindustrie gar nichts", sagt der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöfer. "Keine Stunde Kurzarbeit bei Daimler oder Volkswagen wird hierdurch verschwinden." Sein Argument: Viele Händler würden ihre überschüssigen Jahres- und Gebrauchtwagen losschlagen, statt neue Modelle zu ordern. Zudem würden vor allem solche Kunden ein Auto kaufen, die das ohnehin vorhatten – sie streichen die Prämie einfach ein, ohne dass neue Nachfrage entsteht. "Die Mitnahmeeffekte sind enorm", sagt Dudenhöfer.

Unklar ist auch, wie viele Neuwagen durch die Prämie überhaupt zusätzlich verkauft werden. Dudenhöfer schätzt, dass es 100.000 sein werden, die Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers geht von 300.000 aus, andere Experten schätzen die Zahl auf rund 150.000. Die entscheidende Frage wird allerdings sein, wie viel davon in den Fabriken von BMW, Daimler und Ford ankommt, die wegen der einbrechenden Nachfrage zuletzt ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt haben.

Leser-Kommentare
  1. 1. hä?

    zuerst wird bemerkt, dass vorallem kleinere Autos von der Abwrakprämie gekauft würden, und dann wird moniert, dass die Abwrackprämie grosse Spritfresser der deutschen Hersteller nicht benachteiligt?!
    Kommt es nur mir so vor oder hat sich dieser Artikel selbst wiederlegt?

  2. für die Umwelt!

    Die "Umweltprämie" ist schlicht Unsinn: In Frankreich gibt es keine KFZ-Steuer, weil die aus der Miniralölsteuer generiert wird. Autobahnen sind mautpflichtig. Der Treibstoff dort ist trotzdem billiger als in Deutschland. Wie kommt das?

    Wenn Wiesmänner Sand streuen reiben sich nur Naive die Augen. Es sind vollkommen andere Gründe warum diese "Umweltprämie"in Deutschland erfunden wurde und der Grund dafür dient überhaupt nicht der Schaffung oder Erhaltung von Arbeitsplätzen.

  3. In diesem Artikel wird beschrieben, dass die Abwrackprämie Mitnahmeeffekte bewirkt und dass sie nicht deutschen Herstellern zugute kommt.
    Ein weiteres Problem ist, dass der durch die Prämie bewirkte Neuwagenkauf nur ein vorgezogener Kauf ist. Die zusätzliche Nachfrage in diesem Jahr reißt wahrscheinlich ein Loch in die Nachfrage des nächsten Jahres. Wir haben das bei der Erhöhung der Mehrwertsteuer erlebt. Im letzten Jahr der Mehrwertsteuer von 16% stieg die Nachfrage an. Dafür entstand ein Nachfrageloch im Folgejahr.

  4. Ich halte die Abwrackprämie für absolute Augenwischerei!

    1. Wie von meinem Vorredner bereits erwähnt, bewirkt die Abwrackprämie keine zusätzliche Nachfrage! Es entsteht lediglich ein Mitnahmeeffekt bzw. es wird Nachfrage vorverlagert.

    2. Sie rechnet sich logischerweise nur bei Autos, deren Marktwert unter 2500 Euro liegt. Aber kaum jemand, der aus wirtschaftlichen Zwängen solch ein altes Auto fährt und nicht ohnehin einen Neukauf plante, wird sich für die paar 2500 Euro mit vielleicht mehr als 10.000 Euro für einen Neuwagen verschulden. Und niemand, der aus Liebhaberei ein altes Auto fährt, wird seinen Youngtimer verschrotten lassen.

    3. Sie ist absolut unwirtschaftlich. Nicht zuletzt, dass im schlimmsten Fall sparsamere Altautos zu Gunsten spritfressender Neuwagen verschrottet werden. Auch kostet die Altmetallverwertung Unmengen Energie. Und an sich fahrtüchtige Autos auf diese energiefressende Art aus dem Verkehr zu ziehen um die Umwelt zu schonen, ist hanebüchen.

    4. Und selbst wenn ein paar Autos für die Abwrackprämie verschrottet werden. Wie bereits im Artikel erwähnt, haben die meisten deutschen Hersteller für die entstehende Nachfrage nicht wirklich die passenden Fahrzeuge im Programm. Wenn überhaupt, dann entsteht Nachfrage in der Preisklasse bis 16.000 Euro. Hiervon könnten lediglich Ford, Opel und VW teilweise profitieren. Ansonsten freuen sich die ausländischen Mitbewerber.

    Falls die Wirkung der Abrackprämie überhaupt ausreicht, um wenigstens erstmal die Halden leerzukriegen und über Mitnahmeeffekte hinauszuwirken. Ich hoffe es nicht. Denn diese Prämie ist das blödsinnigste, was sich eine deutsche Regierung seit langem ausgedacht hat. Sie wird vermutlich nur kosten und langfristig KEINER Seite was bringen.

    • RalphS
    • 26.01.2009 um 23:32 Uhr

    Den Händlern werden die Autos aus den Händen gerissen, aber laut Dudenhöfer bringt das nichts ? ?? => Kein Kommentar !
    "Haarsträubend", findet dies Automobil-Experte Dudenhöfer. Denn ein 15 Jahre alter Golf verbrauche oft weniger als ein neues Modell.
    Haarstreubend finde ich diesen Vergleich. "Experte" Dudenhöfer vergleicht hier Äpfel mit Kirschen. Ein 15 Jahre alter Golf ist eine ganze Klasse kleiner als der aktuelle Golf. Den alten Golf muss man heute mit dem neuen Polo vergleichen, dann stimmen die Relationen. Der neue Polo verbraucht aber weniger als der 15 Jahre alte Golf. Auto Sektierer Dudenhöfer hat keine Ahnung. Bärbel Höhn lässt sich selber in den größten Fahrzeugen chauffieren. Sie sollte also anderen keine Ratschläge erteilen. Dass nur die Hälfte der verkauften Fahrzeuge aus deutschen Fabriken stammt, sollte für den Exportweltmeister auch kein Problem sein. Denn wenn andere Länder - die ähnliche Konjunkturpakete auflegen (China: 400 Mrd. $) - dieses dumme Argument von den Betriebswirten Ernst & Young beherzigen würden, dann hätten wir mit unseren Exporten ein ganz großes Problem. Bedenke, ein guter Betriebswirt ist noch lange kein guter Volkswirt wie z.B. Peer Steinbrück, da der Betriebswirt einen eher eingeschränkten Horizont hat.

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    Dudenhöfer meint das es den deutschen Autoherstellern nichts bringt und damit hat er wohl recht.

    "Ein 15 Jahre alter Golf ist eine ganze Klasse kleiner als der aktuelle Golf. Den alten Golf muss man heute mit dem neuen Polo vergleichen, dann stimmen die Relationen. Der neue Polo verbraucht aber weniger als der 15 Jahre alte Golf."

    der alte Golf wiet aber immer noch deutlich weniger als der neue polo, hat weniger technische Helfer und wahrscheinlich eher einen 50PS als einen 90PS Motor.

    auch bei diesem vergleich wird der verbrauch wenn überhaupt nur zu Gunsten des neuen Polo entschieden.

    Dudenhöfer meint das es den deutschen Autoherstellern nichts bringt und damit hat er wohl recht.

    "Ein 15 Jahre alter Golf ist eine ganze Klasse kleiner als der aktuelle Golf. Den alten Golf muss man heute mit dem neuen Polo vergleichen, dann stimmen die Relationen. Der neue Polo verbraucht aber weniger als der 15 Jahre alte Golf."

    der alte Golf wiet aber immer noch deutlich weniger als der neue polo, hat weniger technische Helfer und wahrscheinlich eher einen 50PS als einen 90PS Motor.

    auch bei diesem vergleich wird der verbrauch wenn überhaupt nur zu Gunsten des neuen Polo entschieden.

    • iglg
    • 26.01.2009 um 23:39 Uhr

    Als Mitarbeiter eines Autohauses kann ich (aus echter Erfahrung der letzten 2 Wochen) feststellen, dass es sich nicht nur um Mitnahmeeffekte handelt!
    In unserem Autohaus sind seit Ausrufung der Umweltprämie Familien, die ihren Wunsch nach einem neuen Auto aufgegeben hatten, weil sie den Zeitpunkt für die Inzahlunggabe ihres Altautos aus finanziellen Gründen verpasst haben und jetzt durch die Prämie von 2500 EUR für ein Auto, das aus Altersgründen deutlich weniger wert ist, eine Chance für ein Neufahrzeug haben und nutzen.
    Diese Leute hatten ohne die Prämie keine Aussicht auf ein neues Auto !
    Im Übrigen finanziert sich die Prämie durch die Mehrwertsteuer doch fast von selbst - bei zusätzlichen Käufen.

    Im Übrigen wäre es schön, wenn in der Diskussion mehr wahrgenommen würde, dass es in Deutschland nicht nur die etwa 750.000 Arbeitsplätze werte DEUTSCHE AutoINDUSTRIE, sondern auch die 1.5 Millionen Arbeitsplätze in KFZ-Handel und Dienstleistung gibt.

    Die Familien, die Ihr Einkommen aus dem KFZ-HANDEL in deutschen Autohäusern beziehen, sind dankbar über die Umweltprämie.

  5. Dudenhöfer meint das es den deutschen Autoherstellern nichts bringt und damit hat er wohl recht.

  6. ..wird doch in allen Überlegungen der Politik stets ausgeblendet. Sonst hätte man sich auch nicht so gegen die Kosumgutscheine gewehrt, die wohl wirkliche zusätzliche Nachfrage generiert hätten. Die Wertschöpfungsanteile in Vertrieb und Handel machen bei vielen Produkten ein Vielfaches der eigentlichen Herstellungskosten aus.

    Wenn die deutsche Autoindustrie jetzt jammert, dass die Abwrackprämie an ihnen vorbeigeht, sollte sich deren Manager halt mal in Selbstkritik üben und fragen, warum sie nur Karren im Sortiment haben, die sich ein Normalverdiener nicht mehr wirklich leisten kann. Es zeigt sich jetzt in der Krise, dass die Premium Geschäftsmodelle nicht auf alle Zeit funktionieren. Und Anzeichen für die heutigen Probleme gab es doch schon seit vielen Jahren (Indikator dafür waren die Leasingtarife bei manchen Modellen). Wer aber auf hohem Ross sitzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er die Probleme nicht sieht. Aber solange BMW und Mercedes z.B.noch zig 100 Mio. pro Jahr für den unsinnigen Formel 1 Zirkus übrig haben, kann es ihnen noch gar nicht so schlecht gehen.

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