Klimaforschung
Algenexperiment in der Antarktis genehmigt
Die Forscher an Bord der "Polarstern" können mit der umstrittenen Eisendüngung am Südpol beginnen. Mehrere Gutachten zur Umweltbelastung haben den Weg geebnet

© AWI
Das deutsche Forschungsschiff Polarstern ist das schwimmende Labor, von dem aus die Eisendüngung durchgeführt wird
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) genehmigte am Montag in Berlin das Experiment: Von dem deutschen Forschungsschiff Polarstern aus wollen die Wissenschaftler ein 300 Quadratkilometer großes Ozeangebiet mit sechs Tonnen Eisen düngen. So können sie erforschen, wie sich der Eisengehalt der Ozeane auf das Algenwachstum, die Entwicklung von pflanzlichem Plankton und schließlich auf das Klima auswirkt.
Das Projekt unter dem Namen "Lohafex", an dem neben dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) das Indische Institut für Ozeanografie (NIO) beteiligt ist, war in die Kritik geraten, weil einige Gegner unabsehbare Folgen für die Umwelt befürchteten. Mehrere Gutachten gaben laut Forschungsministerium aber Entwarnung. Das federführende AWI hatte den Beginn des Experiments vom Votum der Ministerin abhängig gemacht.
Das Experiment diene nicht dazu, den Klimawandel aufzuhalten, sondern der Grundlagenforschung, sagte Karin Lochte, Direktorin des AWI, anlässlich der positiven Nachricht. "Unser Experiment wurde aus rein wissenschaftlichen Fragen heraus entwickelt, um die Rolle des Eisens im globalen Klimasystem besser zu verstehen. Im Internet und in der internationalen Presse kursieren viele Berichte, die behaupten, das AWI führe das Experiment als Maßnahme zum Klimaschutz durch und wolle testen, ob durch Ozeandüngung der Atmosphäre Kohlendioxid in großem Maßstab entzogen werden kann. Das ist keinesfalls so", so Lochte in einer Pressemitteillung.
Dennoch wäre es in der Theorie möglich, Plankton als natürlichen CO 2 -Speicher zu nutzen. Damit das besser wächst, könnte eine Düngung mit Eisen sinnvoll sein. Grün- und Blaualgen wachsen besonders gut in Gewässern, in denen der Eisengehalt hoch ist. Diese Algen sind die Nahrungsgrundlage für Zooplankton – Fische und andere Meerestiere, die anders als die pflanzlichen Organismen keine Photosynthese betreiben. Bei der Umwandlung von Lichtenergie in chemische Energie verbrauchen die Algen Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff. Allerdings sind zuerst umfassende wissenschaftliche Untersuchungen nötig, um beurteilen zu können, ob die Eisendüngung ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz sein kann. Als billige Methode, um überschüssige Treibhausgase zu verklappen, lehnt das AWI die Eisendüngung ausdrücklich ab.
Nach Voruntersuchungen hat das Wissenschaftlerteam auf der Polarstern inzwischen einen für das Experiment geeigneten geschlossenen Ozeanwirbel gefunden. Er befindet sich auf 48° südlicher Breite und 15° 30′ westlicher Länge. Im Zentrum dieses Wirbels wird so bald wie möglich eine Treibboje mit Peilsendern ausgebracht. Von diesem Punkt aus wird das Forschungsschiff in den folgenden Tagen in spiralförmigen Windungen gelöstes Eisensulfat in den oberen 15 Metern der Wasserschicht verteilen.
Danach werden im Zentrum der gedüngten Fläche biologische, chemische und physikalische Werte gemessen und ökologische Veränderungen in allen Schichten der Wassersäule – von der Oberfläche bis zum Meeresboden in 3800 Metern Tiefe – über 40 Tage verfolgt. Bis die Biomasse im Untersuchungsgebiet aufgrund der Düngung messbar steigt, werden voraussichtlich 14 Tage vergehen.
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- Datum 29.1.2009 - 16:30 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 3
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» Grün- und Blaualgen wachsen besonders gut in Gewässern, in denen der Eisengehalt hoch ist. Diese Algen sind die Nahrungsgrundlage für Phytoplankton – pflanzliche Organismen, die Photosynthese betreiben. «
Grün- und Blaualgen sind Teil des Phytoplanktons. Das Phytoplankton ist Nahrungsgrundlage für das Zooplankton.
Lieber Balanus,
vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die betreffende Passage im Text geändert.
Gruß aus der Redaktion,
Sven Stockrahm
Volontär Wissen, ZEIT ONLINE
Es ist wohl ein kleiner Sieg wissenschaftlicher Vernunft über einen Allmachtanspruch ökologischer Aktivisten.
Offenbar hat der deutsche Umweltminister Gabriel nicht kapiert, dass er hier von seinen Ökofreunden zum Spielball ihrer Interessen gemacht werden sollte. Er ist dann auch prompt darauf hereingefallen. Sein Gesichtsverlust in dieser Sache hat er selbst zu verantworten. Vielleicht ist er bei der nächsten Aktion etwas vorsichtiger und springt nicht bei jedem Anspruch der Ökoaktivisten auf deren Wagen.
Es ist zu vermuten, dass es noch viele solcher Situationen gibt, wo eigentlich die Wissenschaft den Vorrang haben müsste, die Umweltbewegung mit einem gut organisierten Informations- und Aktionsnetz dies verhindert.
Die Dummen dabei sind die Bevölkerung. Aber das läuft ja alles unter der Parole Klimaschutz. Und wer wird sich denn trauen, gegen die Bemühungen zur Rettung der Welt zu argumentieren, seien die Aktionen noch so richtig oder so falsch.
- Redaktion -
Lieber Balanus,
vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die betreffende Passage im Text geändert.
Gruß aus der Redaktion,
Sven Stockrahm
Volontär Wissen, ZEIT ONLINE
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