Währungen Noch ist der Dollar stark
Weil die US-Regierung entschlossen gegen die Krise kämpft, steigt der Greenback im Wert. Doch auf lange Sicht provoziert der Staat Inflation - und den Fall der Währung

© Foto: Getty Images; [M] ZEIT ONLINE Grafik
Will einen starken Dollar: Timothy Geithner, neuer US-Finanzminister
Devisenmärkte sind häufig noch hektischer als Aktienmärkte, selbst in turbulenten Zeiten. Sie sind auch komplizierter, denn der Kursverlauf von Währungen wird von viel mehr Faktoren bestimmt als jenen, die auch an Aktien- oder Rentenmärkten wirksam sind. Beispiele sind die internationalen Handelsströme, die Nachfrage nach Aktien und Renten, die aus dem Ausland kommt oder ins Ausland geht, oder die internationalen Wachstums- und Zinsdifferenzen.
Devisenhändler nehmen deshalb oft für sich in Anspruch, die "Königsdisziplin der Finanzmärkte" zu beherrschen. Nur wenige Händler aus anderen Bereichen widersprechen da offen.
Noch vor wenigen Wochen gab es eine Vielzahl an Gründen, die dafür sprachen, dass der Dollar deutlich an Wert verlieren würde. Die amerikanische Immobilien- und Finanzkrise, die niedrigen Zinsen, der Vertrauensverlust – alles deutete darauf hin. Besonders wahrscheinlich schien ein Verlust des Dollar gegenüber dem angeblich wichtigsten Gegenspieler auf internationaler Ebene, dem Euro. Doch seither hat der Dollar vor allem gegenüber dem Yen verloren, während er im Vergleich zu Euro und Pfund an Wert gewann.
Einer der Gründe hierfür findet sich in der erwarteten Zinsdifferenz zwischen den Ländern. Der Dollarkurs ist im vergangenen Jahr vor allem aufgrund der Zinssenkungen der US-Notenbank gefallen. Doch mittlerweile können die Leitzinsen in Amerika kaum weiter sinken – in Euroland aber sehr wohl. Das stärkt den Dollar zwar nicht unbedingt, schwächt aber den Euro. Ähnlich verhält es sich mit dem Pfund.
Darüber hinaus hat dem Dollar geholfen, dass die USA zwar besonders große Probleme in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise hat, die Regierung aber zugleich beherzte Schritte unternimmt, um zu einer Lösung zu gelangen. Was sie tut, mag im Einzelnen kritisch zu werten sein. Vor allem auf mittlere und lange Sicht sind vieler der von ihr ergriffenen Maßnahmen ordnungspolitisch fraglich.
Doch kurzfristig wird entschiedenes Eingreifen von den Märkten honoriert. Das Verhalten der europäischen Regierungen hingegen, die häufig aufgrund von bürokratischen, manchmal auch berechtigten ordnungspolitischen Bedenken zögern, ist nicht besonders populär.
Dennoch: Die USA spielen ein gefährliches Spiel. Gleich nach seiner Ernennung hat der neue US-Finanzminister Geithner einem starken Dollar das Wort geredet. Er sei im Interesse des Landes. Offensichtlich gehört diese Phrase zur Eidesformel des Finanzministers.
Doch spätestens wenn an den Märkten erste Zweifel an den wirtschaftspolitischen Maßnahmen der US-Regierung aufkommen und die Devisenhändler und -investoren befürchten, die Rettungspakete könnten eine massive Inflation auslösen, wird der Dollar massiv gefährdet sein.
Dazu kann es schnell kommen. Deshalb sollte man nicht zu aggressiv gegen den Euro wetten. Langfristig macht sich eine solide Ordnungspolitik immer bezahlt. Kurzfristig kann sie dagegen schon einmal eine Belastung darstellen. Vor allem an den Devisenmärkten, die traditionell einen sehr kurzen Zeithorizont haben.
Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer montags die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.
- Datum 04.05.2009 - 11:01 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Was den Dollar - nach wie vor - so stark macht, liegt ganz woanders.
1. Energie wird auf Dollarbasis gehandelt (Petrodollar)
2. 75% des Dollarvolumnes liegen ausserhalb der USA - viele davon als Währungsreserve in den Nationalbanken - sowie in China.
Die werden also alle kein Interesse haben den Dollar zu schwächen.
Ohne diese teilweise erzwungene Stützung wäre der Dollar schon lange im tiefen Sturzflug.
Die beiden Argumente scheinen mir nicht stichhaltig.
1. Das Erdoelgeschaeft wird zwar in Dollars abgewickelt, diese sind aber bisher noch in Euros konvertibel - und werden es wohl auch bleiben, egal was passiert.
2. Währungsreserven im Ausland sind hoch gefährdet, wenn einer der Halter meint, dass es mit dem Dollar bergab geht und versucht, seine Dollars in etwas anderes umzutauschen, wozu ja jeder ein gutes Recht hat. Wenn er dann sieht, dass er jeden Tag weniger bekommt, wirft er immer schneller seine Reserve ins Spiel. Damit gibt es den berühmten -- effekt, mit dem Inflationen zunächst im Schritt, dann im Trab, dann im Gallop marschieren.
3. Es darf unterstellt werden, dass diejenigen, die davon profitieren hier kräftig mitzocken. Wer das wohl sein mag. Nein, sicher nicht die armen und anständigen, auch niht die Reichen und Anständigen.
Fast allen Notenbanken wurde der Dollar übergeholfen als "Währungsreserve" und das mal vorhandene Gold "ausgeliehen" oder mit Dollars gekauft.
Wer sein Öl oder Gas z.B. direkt in Euro abrechnen will, dem wird es gehen wie dem Irak - was auch eine Warnung an die Saudis und andere Öl exportierende Länder war.
Damit stellen die Amerikaner die Wertigkeit ihrer Währung weltweit einigermassen sicher - von der Konvertierbarkeit hatte ich nie gesprochen - die war nie ein Problem.
Was aber, wenn die USA auf die Idee kommen, Ihre überdimensionalen Schulden und Defizite per Abwertung zu "tilgen" - was eine sehr realistische Variante wäre - gerade bei 75% extern gelagerter Dollars?
Gehen dann die anderen Währungen um den gleichen Faktor wertmässig zurück oder wird da noch etwas anderes passieren? Denn das käme einer weltweiten Enteignung gleich von Geldguthaben und vergleichbaren Ansprüchen.
Fast allen Notenbanken wurde der Dollar übergeholfen als "Währungsreserve" und das mal vorhandene Gold "ausgeliehen" oder mit Dollars gekauft.
Wer sein Öl oder Gas z.B. direkt in Euro abrechnen will, dem wird es gehen wie dem Irak - was auch eine Warnung an die Saudis und andere Öl exportierende Länder war.
Damit stellen die Amerikaner die Wertigkeit ihrer Währung weltweit einigermassen sicher - von der Konvertierbarkeit hatte ich nie gesprochen - die war nie ein Problem.
Was aber, wenn die USA auf die Idee kommen, Ihre überdimensionalen Schulden und Defizite per Abwertung zu "tilgen" - was eine sehr realistische Variante wäre - gerade bei 75% extern gelagerter Dollars?
Gehen dann die anderen Währungen um den gleichen Faktor wertmässig zurück oder wird da noch etwas anderes passieren? Denn das käme einer weltweiten Enteignung gleich von Geldguthaben und vergleichbaren Ansprüchen.
Fast allen Notenbanken wurde der Dollar übergeholfen als "Währungsreserve" und das mal vorhandene Gold "ausgeliehen" oder mit Dollars gekauft.
Wer sein Öl oder Gas z.B. direkt in Euro abrechnen will, dem wird es gehen wie dem Irak - was auch eine Warnung an die Saudis und andere Öl exportierende Länder war.
Damit stellen die Amerikaner die Wertigkeit ihrer Währung weltweit einigermassen sicher - von der Konvertierbarkeit hatte ich nie gesprochen - die war nie ein Problem.
Was aber, wenn die USA auf die Idee kommen, Ihre überdimensionalen Schulden und Defizite per Abwertung zu "tilgen" - was eine sehr realistische Variante wäre - gerade bei 75% extern gelagerter Dollars?
Gehen dann die anderen Währungen um den gleichen Faktor wertmässig zurück oder wird da noch etwas anderes passieren? Denn das käme einer weltweiten Enteignung gleich von Geldguthaben und vergleichbaren Ansprüchen.
Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass der Euro, im Gegensatz zu der japanischen und chinesischen Währung, keine eindeutige Tendenz aufweist. Rechnet man Holland und Deutschland aus dem Euro heraus, steht der Rest nicht besser da, als die USA und UK. Nicht umsonst werden griechische langfristige Staatsanleihen mit 5,5% verzinst und deutsche mit unter 3%. Durch die starken Leistungsbilanzdifferenzen der Euroländer besteht leider die Gefahr des Auseinanderbrechens. Mit ihrer extremen Gelddruckerei gefährden allerdings USA und UK längerfristig den Geldwert und es wird zu einer massiven Inflation der Lebenshaltungskosten in diesen Ländern kommen.
Warum sollte der Euro eine Tendenz haben? Der Kurs gegenüber dem Dollar ist stabil. Ich sehe nicht, dass ein Absturz des Dollars oder Pfundes zwangsläufig einen "Absturz" des Euro herbeiführen würde. Also lassen wir doch mal das "Schwarzmalen". Nichts deutet im Moment darauf hin, dass der englische "Zusammenbruch" sich bei uns wiederholt. London war immer schon ein "Zockerplatz" (Börse und Investment Banking) und was die Immobilien-Blase betrifft ziemlich identisch zu den USA.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Warum sollte der Euro eine Tendenz haben? Der Kurs gegenüber dem Dollar ist stabil. Ich sehe nicht, dass ein Absturz des Dollars oder Pfundes zwangsläufig einen "Absturz" des Euro herbeiführen würde. Also lassen wir doch mal das "Schwarzmalen". Nichts deutet im Moment darauf hin, dass der englische "Zusammenbruch" sich bei uns wiederholt. London war immer schon ein "Zockerplatz" (Börse und Investment Banking) und was die Immobilien-Blase betrifft ziemlich identisch zu den USA.
Gruß, Bernd
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@ B. Klehn:
Die ganze Diskussion von Inflation und Geld-Sturzflug demonstriert lediglich die derzeitige labile Weltfinanzsituation. Ehe sich die Wechselkurse nicht beruhigen und auf ein festeres Niveau einpendeln -- völlig egal auf welcher Höhe -- können sich die Märkte nicht erholen. Wenn man heute nicht einmal den Kurs von nächster Woche kennt, kann man keine Geschäfte mehr planen. Nichts hasst der Weltmarkt mehr als Ungewissheit.
Warum sollte der Euro eine Tendenz haben? Der Kurs gegenüber dem Dollar ist stabil. Ich sehe nicht, dass ein Absturz des Dollars oder Pfundes zwangsläufig einen "Absturz" des Euro herbeiführen würde. Also lassen wir doch mal das "Schwarzmalen". Nichts deutet im Moment darauf hin, dass der englische "Zusammenbruch" sich bei uns wiederholt. London war immer schon ein "Zockerplatz" (Börse und Investment Banking) und was die Immobilien-Blase betrifft ziemlich identisch zu den USA.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Warum sollte der Euro eine Tendenz haben? Der Kurs gegenüber dem Dollar ist stabil.
Aus deutscher Sicht müsste der Euro aufgewertet werden und sich im Gleichklang zum Yen und der chinesischen Währung bewegen. Dieses verhindert aber das Leistungsbilanzdefizit von Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich. Diese Leistungsunterschiede führen zu sehr starken inneren Spannungen innerhalb der Währung. Ausdruck hierfür ist, dass für langfristige griechische Staatsanleihen 5,5% bezahlt wird, während für deutsche Staatsanleihen 3% erzielt werden. Diese inneren Spannungen sind in der jetzigen Wirtschaftskrise sehr, sehr schädlich. Hoffentlich hält der Euro durch und wir müssen nicht letztendlich für die Schulden Griechenlands aufkommen.
Warum sollte der Euro eine Tendenz haben? Der Kurs gegenüber dem Dollar ist stabil.
Aus deutscher Sicht müsste der Euro aufgewertet werden und sich im Gleichklang zum Yen und der chinesischen Währung bewegen. Dieses verhindert aber das Leistungsbilanzdefizit von Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich. Diese Leistungsunterschiede führen zu sehr starken inneren Spannungen innerhalb der Währung. Ausdruck hierfür ist, dass für langfristige griechische Staatsanleihen 5,5% bezahlt wird, während für deutsche Staatsanleihen 3% erzielt werden. Diese inneren Spannungen sind in der jetzigen Wirtschaftskrise sehr, sehr schädlich. Hoffentlich hält der Euro durch und wir müssen nicht letztendlich für die Schulden Griechenlands aufkommen.
Warum sollte der Euro eine Tendenz haben? Der Kurs gegenüber dem Dollar ist stabil.
Aus deutscher Sicht müsste der Euro aufgewertet werden und sich im Gleichklang zum Yen und der chinesischen Währung bewegen. Dieses verhindert aber das Leistungsbilanzdefizit von Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich. Diese Leistungsunterschiede führen zu sehr starken inneren Spannungen innerhalb der Währung. Ausdruck hierfür ist, dass für langfristige griechische Staatsanleihen 5,5% bezahlt wird, während für deutsche Staatsanleihen 3% erzielt werden. Diese inneren Spannungen sind in der jetzigen Wirtschaftskrise sehr, sehr schädlich. Hoffentlich hält der Euro durch und wir müssen nicht letztendlich für die Schulden Griechenlands aufkommen.
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