Schriftsteller "Man muss Herz in die Seiten legen"Seite 4/4
ZEIT ONLINE: Viele ihrer Figuren sind Nomaden, die im räumlichen oder psychischen Exil leben. Wie steht es um den Autor Colum McCann? Ist er jetzt angekommen, hier, als Familienvater in diesem New Yorker Appartment?
McCann: Ich reise heute immer noch – in meiner Arbeit! Es war fantastisch, als ich 21 war und mich mit dem Fahrrad aufmachte. Sehr abenteuerlich, jeden Tag etwas Neues. Heute bin ich genauso aufgeregt darüber, in diesem Roman die Stimme einer Person zu treffen, als wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Auch das ist eine Form des Reisens und der Bewegung. Manchmal sitze ich hier und fühle mich wie ein anderer, und dann wird ein kleiner Zettel unten durch die Tür geschoben, auf dem steht: "Papa, wann gehen wir Fußball spielen?" Und dann tauche ich auf und denke: "Oh verdammt, ich bin ja doch keine 39-jährige Großmutter und Prostituierte in der Bronx!" Andererseits, wenn dieses Eintauchen nicht gelingt, wenn ich die Stimme nicht finde, wird es wirklich schwierig. Allison kann ein Lied davon singen. In diesen Momenten bin ich einfach unausstehlich, ein Kotzbrocken. Traurig, antriebslos – das volle Programm.
ZEIT ONLINE: Dieses Los teilen Sie schätzungsweise mit 99 Prozent ihrer Schriftsteller-Kollegen.
McCann: Ja, es gehört wohl dazu. Am Ende eines Buches muss man erschöpft sein. Man muss sein Herz in die Seiten legen.
ZEIT ONLINE: Leiden Sie körperlich, nehmen Sie ab?
McCann: Ich wünschte es wäre so (er streichelt sich über seinen Bauch und lacht).
ZEIT ONLINE: Spielt der nächste Roman wieder in New York?
McCann: Nein, ein Teil spielt in Dublin. Die Zeit ist reif dafür, aber mehr verrate ich noch nicht!
Das Gespräch führte Peter Gaide
- Datum 24.01.2009 - 18:39 Uhr
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mich lugt ein Loch...
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