Datenschutz Unerwünschte Werbung

Brachiale Einflussnahme: Wie die Lobby der Adresshändler und Callcenterbetreiber versucht, mit einer Flut von Beschwerden das neue Datenschutzgesetz auszubremsen.

Unerwünschte Postwurfsendungen - Lobbyisten schrieben Hunderte Briefe, um das Datenschutzgesetz zu stoppen

Unerwünschte Postwurfsendungen - Lobbyisten schrieben Hunderte Briefe, um das Datenschutzgesetz zu stoppen

"So einen Brachiallobbyismus hat es wohl lange nicht mehr gegeben", heißt es aus dem Büro eines grünen Bundestagsabgeordneten. Gemeint sind Hunderte Briefe und E-Mails, die Unternehmen und Wirtschaftsverbände schickten, um gegen das neue Datenschutzgesetz zu protestieren. Man sei mit Post geradezu "eingedeckt worden", sagen verschiedene Abgeordnete – immerhin Leute, die jeden Tag viel davon bekommen. Eine geplante und koordinierte Aktion: Kämen doch, berichtet ein anderer Politiker, "regelmäßig Massenschreiben oder Schreiben mit vorgefertigten, von den Verbänden zur Verfügung gestellten Textbausteinen zum Einsatz".

Auf Sympathie stoßen die Lobbyisten damit nicht. "Da wird richtig Druck gemacht", sagt Jan Korte, der für die Linksfraktion Berichterstatter zum Thema Datenschutz im Innenausschuss ist. Und: Der Aufwand und die Vehemenz hätten ihn verwundert.

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Es ist nur ein Absatz in der umfangreichen Gesetzesnovelle, gegen den die Unternehmer – allen voran Zeitungs- und Zeitschriftenverleger – Sturm rennen: Paragraf 28, Absatz 3. Er erlaubt eine Ausnahme, die der Idee des Datenschutzes widerspricht. Dank ihr können Kerninformationen über Deutsche gesammelt und weiterverwertet werden, als da sind Namen, Titel, Anschrift, Geburtsjahr und Berufsbezeichnung. Diese dürfen nach einem der Punkte sortiert und zu Listen zusammengefasst werden – daher die Bezeichnung Listenprivileg. Interessenten können die Listen beispielsweise aller Fleischer mit frei zugänglichen Informationen "anreichern", mit Telefonnummern oder auch Bankverbindungen.

Ein Milliardengeschäft. Möglich wurde es dank der Arbeit von Wirtschaftsverbänden, die vor vielen Jahren dafür sorgten, dass die Regel im Gesetz steht. Nun soll sie rausfliegen. Beziehungsweise soll künftig vor dem Verkauf jeder um Erlaubnis gefragt werden müssen. Die Wirtschaft hält das für unvertretbar.

Und bemüht im Kampf dagegen Weltuntergangsszenarien. "Fatale Folgen für die Bundesrepublik Deutschland" werden da angedroht, der "Verlust von Hunderttausenden von Arbeitsplätzen"; "Existenzen" und "Lebenswerke" würden vernichtet und dem "mündigen Bürger" die Chance genommen, sich mit maßgeschneiderten Werbeangeboten zu informieren.

Die Argumentation der Briefschreiber sei "teilweise unzutreffend", heißt es diplomatisch aus dem Bundestag. Meint, sie ist eigentlich grob irreführend. Zum Beispiel wird nirgends erwähnt, dass der mündige Bürger nicht wild darauf ist, maßgeschneidert informiert zu werden. Laut einer Infratest-Umfrage fühlen sich 82 Prozent der Deutschen von Werbebriefen belästigt und gar 95 Prozent sind dafür, dass sie um Einwilligung gebeten werden müssen.

Die Unternehmen halten das für "überzogenen Datenschutz", der die Branche fünf Milliarden Euro kosten werde, wie der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft schreibt. Dank ein paar "schwarzer Schafe", so das beliebteste Argument, solle eine ganze Branche kriminalisiert werden. Dass es darum geht, den Verbrauchern die Hoheit über die Daten wiederzugeben, denen also, denen sie gehören, spielt keine Rolle.

Leser-Kommentare
  1. "Beim Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft nennt man das Illusionen und spricht allein davon, dass der Mittelstand "kaputt gemacht" werde, dass man Firmen etwas wegnähme und "Arbeitsplätze vernichtet".... "

    Ja hoffentlich fallen diese Arbeitsplätze weg, bei denen Leute beschäftigt werden zu organisieren, dass mein Briefkasten mit Müll vollgestopft wird und jeden Tag eine andere Nervensäge bei mir anruft um mir irgend etwas anzudrehen, was ich nicht will! Und sich manchmal nur mit klaren Worten abwürgen lässt! Wenn der "Mittelstand" solche "Produkte" hervorbringt, die nichts tun, als anderen die Zeit zu stehlen dann ist es wirklich besser, wenn er kaputt gemacht wird!

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    Ja hoffentlich fallen diese Arbeitsplätze weg
    Das sind keine richtigen Arbeitsplätze...dann würden diese Leute endlich aus ihrem prekären Elend befreit...

    Ja hoffentlich fallen diese Arbeitsplätze weg
    Das sind keine richtigen Arbeitsplätze...dann würden diese Leute endlich aus ihrem prekären Elend befreit...

  2. Ja hoffentlich fallen diese Arbeitsplätze weg
    Das sind keine richtigen Arbeitsplätze...dann würden diese Leute endlich aus ihrem prekären Elend befreit...

    Antwort auf "Arbeitsplätze"
    • WolfBu
    • 27.01.2009 um 9:35 Uhr

    "Und die Wirkung? Sie ist in der Gesetznovelle sichtbar. Seit dem ersten Entwurf wurden mehrere Ausnahmeregelungen eingeführt, die das ursprüngliche Verbot des Adresshandels wieder einschränken."

    Macht und Geld ist alles was zählt. Keine Prinzipien, keine Leitlinien, keine Ideen.
    Das ist Deutschland...

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    • tom310
    • 28.01.2009 um 22:44 Uhr

    So ist nicht Deutschland, so ist die Welt...

    • tom310
    • 28.01.2009 um 22:44 Uhr

    So ist nicht Deutschland, so ist die Welt...

  3. Man darf eines nicht vergessen: Call-Center waren und sind immer noch die Traumunternehmen der Kommunalpolitik. Sie siedelten sich auch in sehr strukturschwachen Regionen an, oftmals waren nur sie bereit, Langzeitarbeitslose einzustellen und oftmals waren und sind sie einer der ganz wenigen Gewerbesteuerzahler. Würden sie wegbrechen, wäre das ein Schlag ins Gesicht der Kommunalpolitik. Bei anstehenden Wahlen kämen sowohl Kommunalpolitiker, als auch die direkt gewählten Landtags- und Bundestagsabgeordneten angesichts der sich anbahnenden Katastrophen am lokalen Arbeitsmarkt in erhebliche Erklärungsnot. Dass man jahrelang aufs falsche Pferd gesetzt hat - in der Hoffnung, da käme auf einem Mal der ganz große Zampano, der als Investor über Nacht alle Probleme löst, dafür aber oft mit unsauberen Methoden arbeitet, ist unbelassen. Jede Sache hat eben ihre zwei Seiten - wobei die gute Seite gerne hervorgehoben, die schlechte Seite dagegen gerne völlig übersehen wird.

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    Ich schließe mich der Meinung von *sünnerklaas*.

    Wenn ich einen diesbezüglichen Anruf erhalte, dann höre ich mir das *auswendig gelernte* manchmal gern an und sage dann: "Nein danke, mir fehlt das nötige Kleingeld!" Wenn ich keine Zeit habe, dann drücke ich auch schon mal nach dem ersten Wort weg.
    Heute Morgen habe ich eine Spam erhalten und der Absender
    bezog sich auf einen Beitrag von mir
    - hier im Forum.
    Anschließend merkte ich, dass er für Heimelektronik wirbt.
    Alles in allem stören mich die Call-Center nicht. Lassen wir ihnen doch den Arbeitsplatz.
    Es gibt so schon viel zu wenige davon.

    Ich möchte den Betrag mit einem Witz beenden:
    Ein Versicherungsvertreter will einen Mann eine Lebensversicherung verkaufen.
    Dieser: "Nein Danke. Ich möchte, dass alle auf meiner Beerdigung schön traurig sind!"

    Ich schließe mich der Meinung von *sünnerklaas*.

    Wenn ich einen diesbezüglichen Anruf erhalte, dann höre ich mir das *auswendig gelernte* manchmal gern an und sage dann: "Nein danke, mir fehlt das nötige Kleingeld!" Wenn ich keine Zeit habe, dann drücke ich auch schon mal nach dem ersten Wort weg.
    Heute Morgen habe ich eine Spam erhalten und der Absender
    bezog sich auf einen Beitrag von mir
    - hier im Forum.
    Anschließend merkte ich, dass er für Heimelektronik wirbt.
    Alles in allem stören mich die Call-Center nicht. Lassen wir ihnen doch den Arbeitsplatz.
    Es gibt so schon viel zu wenige davon.

    Ich möchte den Betrag mit einem Witz beenden:
    Ein Versicherungsvertreter will einen Mann eine Lebensversicherung verkaufen.
    Dieser: "Nein Danke. Ich möchte, dass alle auf meiner Beerdigung schön traurig sind!"

  4. wer früher stirbt, ist länger tot ...

    hallo leute,
    es ist die pest des 21. jahrhunderts - unverlangte werbung per email (SPAM genannt), telefon, fax und snail-mail (post) - es ist wirklich schwer, dieser sturzflut einigermassen herr zu werden! durch hightech-filterung und robinsonliste sind die ersten beiden zu knacken, mein fax bleibt aus und mein papierkorb ist gross genug! wer noch andere gute ideen hat, bitte melden ...

  5. Ich schließe mich der Meinung von *sünnerklaas*.

    Wenn ich einen diesbezüglichen Anruf erhalte, dann höre ich mir das *auswendig gelernte* manchmal gern an und sage dann: "Nein danke, mir fehlt das nötige Kleingeld!" Wenn ich keine Zeit habe, dann drücke ich auch schon mal nach dem ersten Wort weg.
    Heute Morgen habe ich eine Spam erhalten und der Absender
    bezog sich auf einen Beitrag von mir
    - hier im Forum.
    Anschließend merkte ich, dass er für Heimelektronik wirbt.
    Alles in allem stören mich die Call-Center nicht. Lassen wir ihnen doch den Arbeitsplatz.
    Es gibt so schon viel zu wenige davon.

    Ich möchte den Betrag mit einem Witz beenden:
    Ein Versicherungsvertreter will einen Mann eine Lebensversicherung verkaufen.
    Dieser: "Nein Danke. Ich möchte, dass alle auf meiner Beerdigung schön traurig sind!"

    Antwort auf "Alles hat zwei Seiten."
  6. Diese PR-Terroristen gehören in ihre Schranken verwiesen. Solche AUFDRINGLICHEN, NERVTÖTENDEN Belästigungen, hält auf Dauer kein(!) Mensch aus.

    • tom310
    • 28.01.2009 um 22:44 Uhr

    So ist nicht Deutschland, so ist die Welt...

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